Expat-Ländersteckbrief Frankreich

Nicht nur die Nähe zu Deutschland macht das Land beliebt

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Vive la France! Unser Nachbarland hat den Ruf, sowohl für Feinschmecker als auch für Wärmehungrige und Kultur- bzw. Naturliebhaber ein hervorragendes Ziel zu sein. Aufgrund der Freizügigkeit in der Europäischen Union ist eine Auswanderung für deutsche Staatsbürger ziemlich unproblematisch.

Frankreich ist mit über 600.000 km² flächenmäßig das größte Land der EU und befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Im Süden herrscht mildes bzw. warmes Mittelmeerklima, in den Alpen Gebirgsklima, im Westen ozeanisches und in der Mitte kontinentales Klima. Dabei ist es zumeist etwas milder als in Deutschland – außer in den hohen Gebirgsketten. Auswanderer finden hier mit Sicherheit ein passendes Fleckchen.

Arbeiten in Frankreich

Ein Blick auf die Arbeitslosenquote (10,2 Prozent, 2015) hinterlässt keinen sehr positiven Eindruck. Als EU-Bürger können Deutsche in Frankreich ohne Beschränkung jederzeit jede Art von Arbeit aufnehmen. Dafür benötigen sie nur einen gültigen Reisepass oder Personalausweis. Eine Bewerbung in Frankreich unterscheidet sich inhaltlich etwas von einer Bewerbungsmappe in Deutschland. Französischen Firmen genügt oftmals ein Anschreiben mit Lebenslauf, Zeugnisse werden bei Bedarf angefordert.

Entscheidend sind die Sprachkenntnisse, ohne gutes Französisch werden Auswanderer wenig Chancen haben. Anders als in Deutschland ist es üblich, sich bei Businessmeetings erstmal anzunähern und nicht gleich mit der Türe ins Haus zu fallen. Ein solcher Smalltalk wird ohne flüssiges, umgangssprachliches Französisch schwer bis unmöglich.

Der Durchschnittsverdienst liegt ungefähr bei 29.000 Euro brutto. Hochqualifizierte Kräfte (Industrie, IT und Forschung) und Ingenieure verdienen zwischen 30.000 und 70.000 Euro. Ausnahmen gibt es natürlich immer. Vor allem regional werden in Frankreich sehr unterschiedliche Löhne gezahlt. In grenznahen Gebieten zu Deutschland und in den Regionen am Mittelmeer werden Arbeiter und Angestellte deutlich besser entlohnt als im Landesinneren. Zwar ist der Verdienst in Frankreich etwas geringer als in Deutschland, von Vorteil sind aber die 35-Stunden-Woche und die gut organisierte Kinderbetreuung.

Arbeitsangebote sind auf verschiedenen Internetportalen zu finden:

Einreise und Wohnen

Als EU-Bürger benötigen Sie kein Visum. Auch die Carte de séjour (Aufenthaltserlaubnis) ist nicht mehr notwendig, kann aber von Vorteil sein: Teilweise wird sie noch von Arbeitgebern oder bei der Eröffnung eines Kontos verlangt. Ausgestellt wird sie im Rathaus oder bei der Polizei- bzw. Verwaltungsbehörde des Ortes.

Die Wohnungssuche läuft meist über einen Makler, der oft einen Nachweis über die Finanzen verlangt. So sollte der zukünftige Mieter mindestens das Dreifache der Miete verdienen. Alternativ kann ein französischer Staatsbürger für die Mietzahlung bürgen, wenn er ein entsprechendes Einkommen nachweisen kann. Die Mieten an sich sind auf deutschem Niveau und variieren nach Region und Ausstattung.

Versicherung

Beschäftigte in Frankreich melden sich bei der gesetzlichen französischen Krankenversicherung, der Assurance Maladie, an. Bei der Anmeldung erhalten Sie zusätzlich auch die Sozialversicherungsnummer (numero de securité social). Wer mehr als 70 Prozent der Kosten für Arztbesuche und Medikamente bzw. 80 Prozent für Krankenhausaufenthalte bezahlt bekommen möchte, muss eine private Krankenzusatzversicherung abschließen. Wer eine Rückkehr nach Deutschland nicht ausschließt, sollte vor seiner Ausreise eine Anwartschaft bei seiner deutschen Krankenversicherung vereinbaren. Das erleichtert die Rückkehr in die gesetzliche oder private Krankenversicherung.

Wer sechs Monate in das Sozialversicherungssystem eingezahlt hat, ist in Frankreich auch bei Arbeitslosigkeit versichert. Die Höhe des Arbeitslosengeldes liegt bei ungefähr 70 Prozent des vorherigen Gehalts.

Kindergeld in Frankreich

Kommt die Familie mit nach Frankreich, stellt sich schnell die Frage nach dem Kindergeld. Wer in Deutschland nicht mehr steuerpflichtig ist, hat in den meisten Fällen auch keinen Anspruch mehr auf Kindergeld. Jedoch gibt es in Frankreich ähnliche Leistungen. Dort wird das Kindergeld allerdings erst ab dem zweiten Kind – das ebenfalls in Frankreich leben muss – gezahlt. 

Seit Sommer 2015 ist die Höhe des Kindergeldes an das Haushaltseinkommen gebunden. Wann wie viel gezahlt wird, ist relativ komplex. Einen Überblick über die Leistungen gibt diese Tabelle: www.cleiss.fr/docs/regimes/regime_france/al_a1.html.

Lebenshaltungskosten, Kultur und Freizeit

Frankreich gilt als das Land der Feinschmecker, es wird aber auch auf preiswerte Produkte geachtet. Die Lebenshaltungskosten liegen auf deutschem Niveau, auch wenn es regionale Unterschiede gibt. Benzin, Fleisch- und Wurstwaren und Zigaretten sind noch einmal teurer als in Deutschland. Autobahnen sind kostenpflichtig, dafür gibt es immer wieder günstige Bahnangebote, zum Beispiel für den TGV von Paris nach Marseille. Frankreich hat wunderschöne Ecken, Reisen lohnt sich auf jeden Fall.

Savoire vivre - die französische Art zu leben benötigt Zeit und Muße: Ein morgendlicher Plausch auf dem Marktplatz oder der Kaffee in der Mittagssonne. Doch immer mehr Cafés – auch in Paris – müssen schließen. Mancherorts wird auch schon vom traurigen Ende der französischen Lebensart gesprochen. Doch Frankreich hat seinen Charme definitiv noch nicht verloren. Das Leben tickt an vielen Orten immer noch anders als hierzulande, vieles nimmt man leichter. Wichtig bleiben für die Franzosen nach wie vor das Boulespiel und die gesellschaftlichen Kontakte, daran wird sich wohl hoffentlich auch in Zukunft nichts ändern.

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