Expat-Ländersteckbrief Österreich

Ein gutes Zielland für die "Piefkes"?

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Die Alpenrepublik gehört zu den drei beliebtesten Auswanderungsländern der Deutschen. Was macht unser Nachbarland so anziehend?

Immer mehr "Piefkes", wie die Deutschen oft genannt werden, zieht es nach Österreich. Die vielfältige Landschaft mit Bergen, Seen und mediterranem Flair am Wörthersee bietet ideale Bedingungen für Wanderbegeisterte und Outdoor-Sportler, wie im Winter etwa alpines Skifahren oder Snowboarden.

Nicht nur die Freizeitattraktionen, sondern auch die besseren Studien- und Arbeitsmöglichkeiten locken viele Menschen ins Land. Jedes Jahr gehen rund 18.000 aus der Bundesrepublik nach Österreich. Nicht überall sind die "Piefkes" beliebt: Der Duden übersetzt den Begriff mit "eingebildeter Angeber und dümmlicher Wichtigtuer". Oder auch einfach mit "Norddeutscher, Gebrauch: österreichisch abwertend". Die "Freunderlwirtschaft" wird überall hoch gehalten und so ist es für Fremde nicht immer ganz einfach, in die sogenannten Wiener Kreise hineinzukommen. Doch durch vermehrte Zuzüge von Deutschen in den letzten Jahren, hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Völkern tatsächlich verbessert. Die Deutschen stellen mittlerweile die größte Ausländergruppe und sind recht gut integriert. Vor allem Wien und das Wiener Umland sowie Tirol sind beliebte Wohnregionen. Nach einer Studie aus dem Jahr 2012 haben nur noch vier Prozent der Österreicher eine schlechte Meinung über ihre nördlichen Nachbarn.

Gute Chancen für deutsche Arbeitskräfte

Für die Deutschen ist vor allem der Österreichs Arbeitsmarkt attraktiv: Löhne sind vergleichsweise hoch und die Arbeitslosenquote lag 2013 bei unter fünf Prozent, der niedrigste Wert innerhalb der Europäischen Union. Vor allem in der Gastronomie und im Handwerk ist der Bedarf an Mitarbeitern relativ groß. Aber auch Juristen, Finanzmanager und Ingenieure sind gefragt. Deutsche  Arbeitskräfte werden bei Bewerbungen gerne bevorzugt. Das liegt wohl zum einen an der gemeinsamen Sprache und zum anderen an den ähnlichen Lebens- und Bildungsvoraussetzungen. Dennoch sollten die lokalen Unterschiede nicht unterschätzt werden: Neue Mitarbeiter sollten sich eher etwas zurücknehmen: In Österreich ist man eher zurückhaltend diplomatisch und weniger direkt.

Unter den Deutschen in der Alpenrepublik ist auch eine hohe Zahl an Studierenden, die in Österreich leichter eine Studienplatz finden und zudem so den Numerus Clausus umgehen.

Eine hohe Zahl der Deutschen im Alpenland machen die Studierenden aus, die aus Deutschland vor dem Numerus Clausus flüchten und hier in Österreich leichter einen Studienplatz finden.

Aufenthaltserlaubnis und Anerkennung von Berufsabschlüssen

Als EU-Bürger benötigen Deutsche keine gesonderte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Wer länger bleiben will, meldet sich innerhalb der ersten drei Monate bei der zuständigen Behörde, meist beim Landeshauptmann bzw. der Bezirksverwaltungsbehörde, an.

Wer in Österreich eine passende Anstellung finden will, benötigt vorab eine Anerkennung seiner Diplome. Ärzte wenden sich hierzu an die Österreichische Ärztekammer, Architektinnen bzw. Bauingenieure an die Bundeskammer für Architekten und Bauingenieure, Rechtsanwältinnen an die Österreichische Rechtsanwaltskammer, Krankenpfleger, Pflegehelfer, Angehörige von Sanitätshilfsdiensten an das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen. Bei der Anerkennung von Berufsschulabschlüssen oder beruflicher Ausbildungen kann das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit helfen.

Das Leben im Alpenland

Kulturell hat Österreich nicht nur die Salzburger und Bregenzer Festspiele zu bieten. Neben den großen Theater- und Opernhäusern, wie dem berühmten Burgtheater hat sich in Wien auch eine subkulturelle Szene entwickelt, die aus alternativen Kunsträumen und Off-Theatern besteht. Eine Kultur für sich sind die Wiener Kaffeehäuser, die sich mittlerweile in ganz Österreich finden. Die "Heurigenlokalen" sind nach dem jungen Wein benannt, den man dort ausschenkt, nämlich aus der letzten, "heurigen", also diesjährigen Ernte. Diese einfachen Gasthäuser sind nicht nur bei den Einheimischen, sondern auch bei Touristen und Zugezogenen beliebt. Die Lebenshaltungskosten liegen in etwa auf deutschem Niveau. Auch die Mieten liegen gleich auf. Elektronische Geräte sind etwas teuer, dafür ist Kraftstoff rund 20 Cent günstiger.

Wer sich mit der etwas gemütlichen Art der Alpenbewohner anfreundet auf den wartet in Österreich sicher ein abwechslungsreiches und angenehmes Leben mit vielen Genüssen. Netzwerke, wie etwa die "Piefke Connection Austria", helfen dabei, indem sie einen Erfahrungsaustausch und Tipps für Deutsche in Österreich anbieten.

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