Expat-Ländersteckbrief Irland

Mehr als Wiesen, Wälder und Flüsse

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Wer die Augen schließt und an Irland denkt, sieht kleine Steinhäuser in einer grünen Landschaft und Menschen in Pubs, die sich Geschichten erzählen. Er sieht Kleeblätter und Keltenkreuze und einsame Buchten mit Wellenrauschen und Vogelgezwitscher. Doch die Insel bietet mehr als Wiesen, Wälder und Flüsse: Gerade für Menschen, die einen beruflichen Neustart suchen, kann Irland ein gutes Auswanderungsziel sein.

Irland ist nicht gleich Irland. Entweder ist die gesamte Insel, einschließlich Nordirland, gemeint oder lediglich die Republik Irland. Im Gegensatz zu Nordirland ist die irische Republik seit 1949 unabhängig vom Vereinigten Königreich. Der Präsident ist das Staatsoberhaupt und ernennt den Premierminister. Irland gehört seit 1973 zur EU.

Keltische und christliche Wurzeln

Bereits 7.000 vor Christus gab es in Irland erste Siedlungen. Mit dem Einzug keltischer Familien um 300 vor Christus breitete sich die keltische Sprache auf der Insel aus. Auch wenn man heute überwiegend Englisch spricht, bleibt die Hauptamtssprache das keltische Irisch. Daher kommt auch die Bezeichnung „Éire“ für Irland.

Der Nationalfeiertag der Iren ist St. Patrick's Day; er wird überall auf der Welt gefeiert. Auch in Deutschland gibt es Paraden am 17. März. Der Tag geht auf den Nationalheiligen Patrick von Irland zurück, der als christlicher Missionar unterwegs war. Das hat dazu geführt, dass von den 4,5 Millionen Einwohnern Irlands über 80 Prozent Katholiken sind.

Stadt- und Landleben

Wie in allen britisch-geprägten Ländern gilt auch in Irland Linksverkehr. Auf den Autobahnen gibt es ein Tempolimit von 120 km/h. Zwar hat Irland 2005 im Straßenverkehr das metrische System eingeführt, allerdings sind noch nicht alle Schilder ausgetauscht. Wer von Irland nach Nordirland reist, findet immer noch Meilen statt Kilometer. An der Grenze der beiden Länder gibt es keine Kontrollen, da beide Länder in der EU sind. 

Das Leben findet hauptsächlich in den wenigen großen Zentren statt: Dublin, Cork, Galway und Limerick. Außerhalb der Städte ist Irland nur dünn besiedelt. Hier trifft das romantische Bild der kleinen Dörfer und ihrer Bewohner tatsächlich zu. Ländliche Regionen sind hauptsächlich von der Landwirtschaft und der Fischerei geprägt. In den Städten hingegen ist das Leben moderner. Überall im Land gilt ein Rauchverbot in allen öffentlichen Einrichtungen. Daran sollte man sich halten, denn über 400 Kontrolleure überwachen das Verbot und verhängen Strafen bis zu 3.000 Euro.

Wer sich für Sport interessiert, kann in Irland schnell neue Bekanntschaften beim Rugby machen. Diese Sportart gehört zu den populärsten auf der Insel und mit seinem Nationalteam hat Irland eines der besten der Welt. Für das Rugby-Nationalteam stellen Irland und Nordirland eine gemeinsame Mannschaft. Auch Fußball ist sehr beliebt, was spätestens bei der Fußball-EM 2012 zu sehen war:

Gute Chancen für den beruflichen Neustart

Bis 2009 wuchs die irische Wirtschaft solide, doch die Krise traf Irland besonders hart, weil das Land  stark von ausländischen Direktinvestitionen abhängig ist. Nach Island lastete auf Irland das größte Risiko eines Staatsbankrotts. Mittlerweile hat sich die Lage wieder etwas entspannt - seit 2011 gibt es wieder ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum. Dazu tragen auch die in Irland angesiedelten Großunternehmen im Kommunikations- und IT-Bereich bei: IBM, Intel, HP, Dell, Microsoft und Facebook bieten gute Chancen, um auf dem irischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Auch Call-Center, Gastronomie und Hotellerie suchen Arbeitskräfte. Bereits 2000 wurde in Irland der Mindestlohn eingeführt und genießt breite gesellschaftliche Anerkennung. Niemand verdient unter 8,65 €/Stunde.

Für den Lebenslauf bei der Jobsuche gelten in Irland andere Standards. In der Regel wird kein Bild angehängt. Irische Personaler wollen die Angaben so objektiver bewerten. Auch Zeugnisse spielen keine so große Rolle wie in Deutschland. Wichtig ist ein durchgängiger Lebenslauf, beschäftigungsfreie Zeiten sollten begründet werden.

Hat man einen Job gefunden, übernimmt der Arbeitgeber für die ersten Wochen meist die Kosten für ein Bed & Breakfast. Um sich einzuleben und in Ruhe eine Wohnung zu suchen, kann man sich die erste Zeit auch mit mehreren Leuten eine Wohnung oder ein Haus teilen ("Housesharing"). 

Meldewesen und Sozialleistungen

Zur Einreise brauchen EU-Bürger einen Reisepass  oder einen Personalausweis, der noch sechs Monate gültig ist. Man kann sich zwar freiwillig bei der örtlichen Polizei melden, doch es gibt kein allgemeines Einwohnermeldewesen. Eine Aufenthaltsgenehmigung oder ähnliches ist keine Voraussetzung für einen Job. Wer einen Job in Irland annehmen will, braucht allerdings eine Personal Public Service Number (PPS-Number). Nur damit hat man Anspruch auf irische Sozialleistungen. Die PPS-Number kann über das Sozialamt des zuständigen Bezirks beantragt werden.

In der Kritik steht häufig das steuerfinanzierte Gesundheitssystem. Einwohner und Urlauber können medizinische Leistungen kostenlos in Anspruch nehmen. Ausgenommen sind jedoch Medikamente und Zahnersatzkosten, hier fallen hohe Zuzahlungen an. Nachteil der kostenlosen Gesundheitsversorgung sind lange Wartezeiten bei nicht lebensbedrohlichen oder akuten Problemen. Wer eine bessere Versorgung möchte, kann zusätzlich eine private Krankenversicherung abschließen.

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