Expat-Ländersteckbrief Großbritannien

Are you coming for tea?

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Das Land der Tea Time, Fish and Chips und des trockenen Humors ist nur durch den schmalen Ärmelkanal vom europäischen Festland getrennt. Englisch lernen wir schon in der Schule.

Die Wirtschaft des Landes läuft gut, auch weil sie wenig reguliert wird. Warum also nicht die Chance nutzen und ein paar Jahre auf der Insel leben und arbeiten? Dass man auf der linken Seite fährt, in Pfund Sterling zahlt und den Ehering an die andere Hand steckt, lässt sich verkraften.

England, Großbritannien oder Vereinigtes Königreich?

Das Vereinigte Königreich besteht aus Großbritannien mit England, Schottland und Wales sowie Nordirland. Die amtliche Langform lautet "Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland". Doch häufig wird Großbritannien als Synonym verwendet, auch von Politikern, Medien, Bildungseinrichtungen und den britischen Botschaften selbst. Die Einwohner sind damit Briten, allerdings sollte man Waliser, Nordiren oder Schotten niemals als Engländer bezeichnen.

The monarchy, the BBC and pubs

Kritik am Königshaus ist tabu und beim Toast auf die Queen bleibt keiner sitzen. Damit hat man schon mal die Hälfte richtig gemacht. Sparen Sie sich überhebliches Verhalten und üben Sie stattdessen vornehme Zurückhaltung und Distanz. Auch Schlange-Stehen, das "Queuing", ist in England eine hohe Kunst, die man als Ausländer möglichst schnell lernen sollte. Wenn Sie dann noch regelmäßig in den Pub gehen, täglich BBC hören und nicht lautstark mit dem Löffel im Tee rühren, sind Sie schon auf gutem Weg dahin, was "britishness" ausmacht.

Tea and Sunday roast

Über 196 Millionen Tassen Tee werden heute täglich in Großbritannien getrunken. Die ursprüngliche Tea Time am Nachmittag wurde im Laufe der Jahre auf den gesamten Tag ausgedehnt. Die britische Küche (insbesondere die englische) stand lange in dem Ruf, eintönig und schwer verdaulich zu sein. Die traditionelle Kombination von Fleisch, Kartoffeln und Gemüse findet ihre etablierte Form im Sunday roast. Immigranten aus Indien und Afrika haben allerdings dazu beigetragen, dass die Küche sich in den letzten Jahrzehnten internationalen Einflüssen geöffnet hat.

Stolzes Pfund für Immobilien

2012 lagen die Lebenshaltungskosten in Großbritannien an fünfter Stelle innerhalb der EU. International liegt London im Ranking der teuersten Städte weit vorne. In Wales, Nordirland und im Nordosten ist das Leben günstiger. Nur jeder zehnte Brite lebt in einer gemieteten Immobilie. Der Mietmarkt ist klein und teuer, am höchsten sind die Preise in London und Südostengland.

Angelsächsischer Kapitalismus

Die britische Wirtschaft funktioniert nach den Prinzipien der Liberalisierung, des freien Marktes, niedriger Besteuerung und geringer Regulierung. Dominiert wird der Dienstleistungssektor von Finanzdienstleistungen. Die City of London mit ihren privilegierten Sonderrechten ist der größte Finanzplatz der Welt. Seit Mitte der 90er Jahre hat sich die britische Wirtschaft gut entwickelt. Mit einer Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent im August 2014 lag England unter den Top fünf der europäischen Länder. Britische Angestellte arbeiteten 2013 im Durchschnitt 43 Stunden, was im europäischen Vergleich relativ viel ist. Allerdings gibt es einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von 28 Tagen im Jahr. Ein Kündigungsschutz ist nicht verankert und muss vertraglich geregelt werden.

Gute Jobaussichten im Königreich

Die attraktivsten Jobangebote gibt es im Großraum London und in anderen Ballungsgebieten. Vor allem IT-Experten, Mitarbeiter im Dienstleistungs- und Gesundheitsbereich, bei Banken und Versicherungen sowie im Informations- und Kommunikationssektor sind gefragt. Sehr gute Kenntnisse der englischen Sprache werden in allen Branchen vorausgesetzt. Auf der Insel legt man mehr Wert auf die tatsächliche Leistung als auf gute Zeugnisse. Generell ist der Arbeitsalltag weniger durchorganisiert als bei uns: Man improvisiert gerne und wurstelt sich so durch, "muddling through" genannt. Soziale Kontakte sind den Briten wichtig: Gehen Sie also ruhig mit Ihren Kollegen ab und an ein Feierabend-Bierchen trinken und genießen Sie den britischen Humor!

Apply for a job

Die Bewerbungsunterlagen umfassen meist nur ein Anschreiben, Lebenslauf (CV), eine Liste der eigenen Kompetenzen und einige Referenzen. Kopien von Diplomen und Zeugnissen sind nicht üblich. Initiativbewerbungen sind willkommen. Für Studenten in England interessant ist die "milk round" der britischen Firmen im Herbst. Hier werden Absolventen direkt von der Uni angeworben. Gute Ansprechpartner, um von Deutschland aus einen Job im Vereinigten Königreich zu suchen, sind die EURES-Berater der Europäischen Kommission (EURopean Employment Services) und das British Council.

Tax and insurance

Beim Steuermodell der Briten gibt es keine Progression und auch keine gemeinsame Veranlagung bei Eheleuten. Auch Abschreibungsmöglichkeiten und Steuervergünstigungen sind eher beschränkt.

Sozialversicherungspflichtig sind im Gegensatz zu Deutschland auch Selbständige. Jeder erhält eine entsprechende Kennziffer beim "Department for Work and Pensions". Die Beiträge für Angestellte zur Renten- und Sozialversicherung (National Insurance) fallen mit zwölf Prozent (Stand: 2013) moderat aus.
Das staatliche Gesundheitssystem NHS (National Health Service) ist steuerfinanziert. Allerdings müssen Patienten recht hohe Selbstbeteiligungen zahlen, etwa bei Medikamenten oder bei zahnärztlicher Behandlung. Deshalb haben viele eine Kranken-Zusatzversicherung.

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