Expat-Ländersteckbrief Australien

Australien, das südliche Land ("terra australis")

Ländersteckbrief zum Download

Die Gründe für die Anziehungskraft liegen auf der Hand: über 300 Tage Sonnenschein pro Jahr, durchschnittliche Temperaturen von über 20 Grad Celsius, unendlich lange Strände und eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt. Die Metropolen Sydney oder Melbourne können sich mit Großstädten in Europa und Nordamerika messen. Und wer das Abenteuer sucht, hat in Australien gute Chancen, es zu finden. 92 Prozent der australischen Bevölkerung leben in Städten an der Küste. Das Landesinnere ist weitgehend unbewohnt und menschenleer.

Die Queen als Staatsoberhaupt

Australien ist eine parlamentarische Demokratie und souveräner Mitgliedsstaat des Commonwealth of Nations. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Repräsentantenhaus und dem Senat sowie dem Staatsoberhaupt. Queen Elisabeth II. wird jedoch durch einen Generalgouverneur vertreten, der in der Regel keine Macht auf das Parlament ausübt. Regierungschef ist der Premierminister, der von der stärksten Partei im Parlament gestellt wird. Auch die einzelnen Bundesstaaten verfügen über eigene Parlamente mit Kompetenzen zur föderalen Gesetzgebung. Für alle Wahlen auf Bundes- und Bundesstaatenebene besteht in Australien Wahlpflicht.

Von der Strafkolonie zur eigenständigen Nation

Nach der Unabhängigkeit der USA suchte die britische Regierung neue Standorte zur Errichtung von Strafkolonien. Mit Australien war schnell ein geeigneter Ort ausgemacht. Am 26. Januar 1788 fuhren die ersten elf Schiffe mit Verurteilten und Siedlern in Port Jackson ein, so entstand Sydney. Der Tag der "First Fleet" ist noch heute ein nationaler Feiertag. In weniger als 100 Jahren wurden über 160.000 Gefangene nach Australien verbannt. Zusätzlich kamen freie Siedler und gründeten neue Kolonien und Siedlungen. Am 1. Januar 1901 formierten sich schließlich die voneinander unabhängigen Kolonien zum Commonwealth of Australia.

Ein Land der Einwanderung

2,4 Prozent der Bevölkerung haben indigene Wurzeln, sieben Prozent asiatische. Am stärksten prägen die Europäer das Land: Über 90 Prozent der Australier haben europäische Vorfahren.

Die unterschiedlichen Kulturen machen sich an vielen Stellen bemerkbar. So war das Essen zunächst stark britisch beeinflusst. Mittlerweile prägen aber auch indische, italienische, thailändische, libanesische und griechische Spezialitäten die australische Küche. Auch auf das deutsche Wurst- und Käsebrot muss man nicht verzichten. Darüber hinaus erfreut sich das sogenannte "Bush Tucker" immer größerer Beliebtheit – es besteht aus Zutaten, die man in der australischen Natur finden kann. Diese Essenskultur geht auf die Aborigines zurück.

Bis vor einigen Jahren war es sehr einfach nach Australien auszuwandern. Deshalb ist das Land immer noch stark von Einwanderung bestimmt: Rund ein Viertel der derzeitigen Bevölkerung ist nicht in Australien geboren. Durch das 2012 überarbeitete Einwanderungsverfahren ist die Immigration aber durch viele Auflagen reglementiert und teilweise recht kompliziert.

Gute Chancen für qualifizierte Mitarbeiter

Für viele Berufstätige ist "Down Under" ein beliebtes Auswanderungsziel. Australien verfügt über eine der freiesten Volkswirtschaften der Welt mit seit über 20 Jahren steigenden Wachstumsraten. Solide Pfeiler sind der Tourismus- und Bildungssektor, starke Partner im Außenhandel und stabile politische Verhältnisse. Australien setzt bei der Einwanderung stark auf Fachkräfte. Eine gute Ausbildung ist deshalb eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches und dauerhaftes Leben in Australien.

Aufwändiger Bewerbungsprozess

Zieht man ernsthaft in Erwägung, nach Australien auszuwandern, dient die berufliche Qualifikation als Türöffner. Dazu muss der erlernte Beruf auf der SOL stehen, einer Liste von Berufen mit Fachkräftemangel. Gesucht werden vor allem Ärzte, Ingenieure und IT-Experten sowie gut ausgebildete Handwerker.

Wer ein Arbeitsvisum beantragen möchte, muss zunächst sein Interesse bekunden und eine EOI (Expression of Interest) abgeben. Hierfür sind Angaben zur Person und  zum Berufsbild, zu Ausbildung und Arbeitserfahrungen nötig sowie ein Nachweis der Englischkenntnisse mithilfe des IELTS-Tests. Daraufhin erhält man eine Einladung einer Bundesregierung oder eines potenziellen Arbeitgebers. Ab diesem Zeitpunkt hat man 60 Tage Zeit, ein Visum zu beantragen. Australische Behörden legen sehr viel Wert darauf, dass Formulare und Nachweise regelkonform eingereicht werden. Bewerber sollten sich daher Zeit nehmen. Alternativ kann man auch Agenten, die bei der MARA (Migration Agents Registration Authority) registriert sind, beauftragen. Sie kennen die Bewerbungsprozesse und können die Unterlagen entsprechend vorbereiten.

Etwas einfacher gestaltet sich die Einwanderung für finanzkräftige Geschäftsleute und Investoren, da sich die australische Regierung so hohe Investitionen in die Wirtschaft und die Förderung neuer Arbeitsplätze erhofft. 

Arbeitsverträge, Rentenansprüche und Mindestlohn

Wer in einem Bewerbungsgespräch gepunktet hat und ein Jobangebot erhält, dem sollte bewusst sein, dass viele Sozialleistungen, die in Deutschland üblich sind,  in Australien extra ausgehandelt werden müssen. Bezahlter Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind in "Down Under" kein Standard. Die Kündigungsfristen sind meist deutlich kürzer und in 90 Prozent der Fälle gibt es keinen Kündigungsschutz. Allerdings wurde bereits 1993 ein gesetzlicher Mindestlohn (Federal Minimum Wage, kurz: FMW) eingeführt und schrittweise erhöht. 2014 lag er bei 16,37 AUD/Std. (ca. 11,20 €/Std.). Es gibt zwar kein allgemeines Sozialversicherungsabkommen, jedoch besteht seit 2003 ein Rentenabkommen zwischen Deutschland und Australien. Dadurch werden die Zeiten erworbener Rentenansprüche in beiden Ländern angerechnet. 

Erst informieren, dann auswandern

Grundsätzlich gilt für das Auswandern nach Australien: vorher informieren. Bei aller Schönheit sollte man das Land nicht idealisieren. Es gibt viele Auswanderer, die dort nicht zurechtkamen und wieder zurück in ihre Heimat sind.

Das könnte Sie interessieren