Im Fokus: Frankreich

Leben im Land der Liebe

Frankreich: Die Heimat des Croissants, Baguettes und vielen anderen Dingen welche man nicht missen möchte.

Wir nehmen das Land der Liebe im Westen von Europa genauer unter die Lupe.

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Lina Baumer
Länderexpertin

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Leben wie Gott in Frankreich

Die Franzosen, sagt man, wissen wie man lebt, nämlich wie „Gott in Frankreich“. Dieses „herrliche Leben im Überfluss“ stellt für Auswanderer ohne Frage eine große Anziehung dar. Stil, Charme, Eleganz, Genuss und Leichtigkeit assoziieren wir mit unseren europäischen Nachbarn. Frankreich hat viel Abwechslung zu bieten mit seiner Vielfalt von herrlicher Natur der Bergwelt, über pulsierende  Metropolen hin zu mondänen Küstenorten am Mittelmeer. Nicht zu vergessen der Zauber ursprünglicher Landschaften an der faszinierenden Atlantikküste. Hinzu kommt die lebendige Geschichte des Landes, die überall präsent ist.

Keine Frage: Frankreich und seine Lebenskunst ist ein überaus reizvolles Land für Auswanderer.

Doch wie ist die Wirklichkeit? Entspricht das Klischee des „savoir vivre“ der Realität? Und kommen wir Deutsche so einfach mit dem Lebensstil der Franzosen zurecht?

 

Klima

Das Klima in Frankreich ist regional sehr unterschiedlich. Im Nordwesten sind die Sommer nur eher mäßig warm und relativ nass. Auch die Winter zeichnen sich durch viel Niederschlag aus und sind eher mild. Im Nordosten kann es in den Sommern recht warm werden und im Winter fällt Schnee, letzteres allerdings  vor allem in den Vogesen.  An der Atlantikküste im Westen herrscht gemäßigtes Klima. Auch hier ist der Winter zwar feucht, aber nicht sehr kalt. Schnee fällt selten. Der Sommer ist feucht und warm.  Am Mittelmeer ist es dann ganz anders.

Im Sommer kann es sehr heiß werden mit durchschnittlichen Temperaturen über 25 Grad, und es gibt wenig Niederschlag. Auch hier sind die Winter mild. Niederschlag ist vor allem in den Herbstmonaten zu verzeichnen. Die Gebirgsregionen mit den Alpen, den Pyrenäen und auch dem Zentralmassiv zeichnen sich durch ein raues Klima mit trockenen Sommern und kalten und schneereichen Wintern aus. Im Pariser Becken und im Tal der Loire ist das dann wieder milder und dort sind warme Sommer zu erwarten.

Sprache

Die Amtssprache von Frankreich ist Französisch. Jedoch gehört in der Region Elsass-Lothringen auch Deutsch zu den anerkannten Sprachen.

Da Frankreich ein Zuwanderungsland ist,  werden darüber hinaus viele verschiedene Sprachen gesprochen. Außerdem gibt es noch viele im heutigen Frankreich beheimatete Sprachen wie Baskisch, Deutsch, Bretonisch, Flämisch, Italienisch, Korsisch, Jiddisch und Katalanisch.

Zu den Sprachen die als französische Dialekte angesehen werden, gehören Picardisch, Normannisch, Gallo, Poitevin-Saintongeais, Wallonisch, Champanois und Morvandiau.

Lebensart

Den Franzosen haften einige hartnäckige Klischees an. So ist die französische Lebensart assoziiert mit Genuss, Ästhetik, Eleganz und Raffinesse. Haute Couture und Luxusartikel gehören ebenso dazu  wie guter Wein und erlesene Speisen.

Grund genug ein paar dieser typisch französischen Eigenschaften unter die Lupe zu nehmen:

 Essen

Essen und gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie hat in Frankreich eine sehr große Bedeutung. Meist gibt es mittags wie abends mehrere Gänge. Die wichtigste Mahlzeit ist und bleibt dennoch das Abendessen. Franzosen legen viel Wert auf die Qualität der Lebensmittel. Daher geben sie in der Regel deutlich mehr Geld für die Mahlzeiten aus, als beispielsweise Deutsche. Auch die Mittagspause kann im Gegensatz zu Deutschland recht ausgedehnt sein. Sie kann gut eine Stunde oder sogar eineinhalb Stunden betragen, und üblicherweise werden die Mahlzeiten in Gesellschaft der Kollegen in der Gastronomie eingenommen.Auf das Ambiente legen die meisten Franzosen viel Wert. So wird der Genuss des Essens und des Weins, mit einem geschmackvoll dekorierten Zimmer, und dem ansprechend hergerichteten Tisch in Verbindung gebracht. Gäste in diesem Sinne willkommen zu heißen ist für Franzosen besonders bedeutsam. Tatsächlich zeichnet sich die französische Küche durch Raffinement und Kreativität aus. In bestimmten Bereichen wie z. B. in der Patisserie gilt Frankreich weltweit als Spitzenreiter. Auch die Vielfalt der französischen Käsesorten die in Frankreich produziert werden ist weltbekannt. Jede Geschmacksrichtung vom milden Camembert bis zum scharfen Roquefort ist unter den annähernd 400 Käsesorten vertreten. Nicht weniger berühmt ist das französische Weißbrot, das Baguette, nicht zu vergessen die Croissants und die Hörnchen.

 Haute Couture und Luxussektor

Die Marken der französischen Luxusindustrie sind weltbekannt. Wer kennt nicht Louis Vuitton, Hermes, Cartier oder Dior und Chanel. Die neuesten Kreationen der berühmten Modedesigner werden anlässlich mondäner Modenschauen einmal im Jahr präsentiert. Hier trifft sich alles was Rang und Namen hat und ist voller Bewunderung für die neuesten Kreationen der modeschaffenden Kreativen.Französinnen scheint es auch ohne die teuren Roben der Luxusdesigner mühelos zu gelingen immer geschmackvoll und chic auszusehen. Auch in ihrer Freizeit bevorzugen sie feminine Outfits wie Kostüme, Blusen, Kleider und Blazer. Abgerundet durch glänzende Haare, die nie übermäßig gestylt wirken, ein dezentes Make-up und perfekt manikürte Fingernägel sind sie immer eine lässig elegante Erscheinung.

 La bise, der französische Kuss zur Begrüßung

Franzosen begrüßen sich meist nicht mit einem einfachen „Hallo“, oder Händedruck. Hier ist es Tradition und Gewohnheit, sich mit einem Wangen-Kuss zu begrüßen. Ist man nicht von klein auf an diese Form der Begrüßung gewöhnt kann man sich recht ungeschickt und steif anstellen. Hürden wie: Wem gebe ich einen Kuss und wem nicht? Wo fange ich an? Was ist die richtige Menge? usw. gilt es zu überwinden. Dies gestaltet sich für „Anfänger“ von Fall zu Fall als durchaus recht schwieriger Lernprozess.

Wohnen / Wohnungssuche

Die Wohnungssuche in Frankreich kann eine zeitaufwändige nervenaufreibende Geduldsprobe sein. Je nach Lage und Umgebung ist es mitunter recht schwierig eine bezahlbare Wohnung zu finden. Im Schnitt dauert es ca. 2-3 Wochen, in Paris meist jedoch deutlich länger bis man etwas Passendes gefunden hat.

Da Franzosen ihre künftigen Mieter gerne persönlich kennenlernen, bevor sie einen Mietvertrag unterschreiben, ist es äußerst schwierig eine Wohnung vor der Ankunft im Land zu finden. Da die Wohnungen in Frankreich hinsichtlich ihrer Qualität sehr unterschiedlich sind, ist es allerdings auch im eigenen Interesse persönlich anwesend zu sein.

Eine Meldepflicht gibt es in Frankreich übrigens nicht. Hier gilt als Nachweis des Wohnsitzes die Stromrechnung, oder auch die Rechnung Ihres Wasserversorgers.

Immobilien

Als EU-Bürger sind Deutsche bei Immobilienerwerb in Frankreich Franzosen gleichgestellt. Allerdings gibt es viele Unterschiede zu Deutschland hinsichtlich des Ablaufs und der rechtlichen Rahmenbedingungen eines Immobilienerwerbs in Frankreich. Deshalb sollte man sich vorab gut über die Details informieren.

Die Suche selber unterscheidet sich nicht so sehr von den Möglichkeiten in Deutschland. Hier kann man verschiedene Quellen nutzen wie Immobilienportale im Internet, Anzeigen in Tageszeitungen und Aushänge. Natürlich gibt es auch in Frankreich Makler, bzw. Immobilienvermittlungsbüros an die man sich wenden kann.

Aufenthaltsrecht, Sozialleistungen und Verdienst

Innerhalb der EU benötigt man als EU Bürger zwar keine Arbeitserlaubnis für eine Erwerbstätigkeit, aber eine Aufenthaltsgenehmigung ist erforderlich wenn man sich dauerhaft in einem anderen EU-Land aufhalten will.
Für Angestellte oder Selbständige hat diese nur formalen Charakter und muss von den Behörden erteilt werden. Wer jedoch dauerhaft von seinem Ersparten im EU-Ausland bzw. Frankreich leben möchte, muss nachweisen können, dass genügend Mittel vorhanden sind um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Zudem muss eine Krankenversicherung nachgewiesen werden.
Der europäische Gesetzgeber will bei den Sozialleistungen bewusst verhindern, dass EU Bürger sich sozusagen das „Beste“ aus den verschiedenen Ländern „zusammenpuzzeln“. Deshalb ist das Land der  Erwerbstätigkeit zuständig für Sozialleistungen und Nothilfe.  Konkret heißt das: Wer in Frankreich arbeitet wechselt auch in das französischen Sozialsystem. Den deutschen Anspruch kann man nicht mitnehmen.
Der durchschnittliche Verdienst der Franzosen liegt bei 37.000 € brutto im Jahr, bei einer Wochenarbeitszeit von durchschnittlich 35 Stunden. Der Lohn wird nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge ausgezahlt. Der Arbeitnehmer zahlt die Einkommenssteuer selber, die deutlich niedriger ist als in Deutschland. Sie entspricht circa einem bis drei Monatsgehältern. Hinzu kommt die monatlich fällige Sozialsteuer in Höhe von 7,5 %. Eine weitere Besonderheit im französischen Steuersystem ist die Wohnsteuer. Hier richtet sich die Höhe nach dem Wohnort.

Weitere Hinweise zur Sozialversicherung in Frankreich finden Sie hier.

Krankenversicherung

Die Krankenkasse übernimmt die Erstattung von Behandlungskosten sowie Kosten für Medikamente, Geräte und Krankenhausbehandlung. Ein Anrecht auf diese Leistungen hat  der Versicherte selbst, sowie seine minderjährige Anspruchsberechtigten. Voraussetzung ist die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit oder der dauerhafte Wohnsitz in Frankreich.

Arbeitslosigkeit

Die „Allocation d’aide au retour à l’emploi“ ist die von der Arbeitslosenversicherung für abhängig Beschäftigte gezahlte Leistung. Dieses „Ersatzeinkommen“ wird gewährt wenn man nachweisen kann, dass man in den 28 bzw. 36 Monaten vor dem (unfreiwilligen) Verlust des Arbeitsplatzes mindestens 88 Tage, oder 610 Arbeitsstunden beschäftigt war. Zudem müssen Sie nachweisen, dass Sie aktiv nach einer Stelle suchen.

Weitere Informationen zur Arbeitslosenversicherung finden Sie hier.

Sozialhilfe

Das Aktive Solidaritätseinkommen (Revenu de solidarité active, RSA) soll Personen ohne Beschäftigung bzw. Arbeitnehmer, die nur über wenig finanzielle Ressourcen verfügen, ein Mindesteinkommen sichern. Dieses richtet sich nach der Haushaltszusammensetzung. Anspruchsberechtigt sind Personen, die mindestens 25 Jahre alt sind. Auch wer zwischen 18 und 24 Jahren alt ist, und entweder eine bestimmte Beschäftigungsdauer nachweisen kann oder bereits ein Kind hat, kann einen Anspruch auf RSA haben.

Kraftfahrzeuge

Seit Januar 2020 gilt in Frankreich eine neue Regelung: Wer ein besonders umweltschädliches Fahrzeug bei einer Zulassungsstelle anmeldet zahlt eine hohe einmalige Zulassungssteuer von 20.000 Euro. Für Elektroauto-Käufer gibt es dagegen weiter eine Prämie von bis zu 6.000 Euro.

Auch die jährlichen Kfz-Steuer richtet sich nach dem CO₂ Ausstoß. Privatbesitzer von Fahrzeugen, die mehr als 190 g CO₂/km ausstoßen zahlen pauschal 160 Euro pro Jahr.  Besitzer von Fahrzeugen mit geringeren CO₂ -Emissionswerten sind von der Steuer befreit.

Kindergarten / Schulsystem

Das französische Bildungssystem ist zu mehr als 90 Prozent öffentlich verwaltet. Die Bildungseinrichtungen sind ausnahmslos Ganztagsbetriebe. Obwohl es in Frankreich eine Bildungspflicht gibt, müssen Kinder und Jugendliche nicht zwingend eine schulische Einrichtung besuchen. Alternativ kann die Erfüllung der Bildungspflicht durch Hausunterricht erfolgen.

Kinder, die zwischen zwei und sechs Jahre alt sind, besuchen zunächst eine Art Vorschule, die École maternelle. Hier erhalten die Kindergartenkinder einen ganztägigen und kostenlosen Unterricht, der sie spielerisch an das Lernen heranführt. Besonderen Wert wird dabei auf das Lernen von sozialem Verhalten gelegt. Der Besuch dieser Einrichtung ist freiwillig und unterliegt nicht der Bildungspflicht.

Ab 6 geht es für die französischen Kids in die Grundschule, die École élémentaire. Hier werden in den nächsten 5 Jahren die üblichen Grundschulfächer unterrichtet und vertieft. Von Beginn an erhalten die Kinder Unterricht in einer Fremdsprache.

Nach der Grundschule geht es für alle Schüler automatisch weiter auf das College. Hier durchlaufen sie die sixième und cinquième (Beobachtungsstufe) und anschließend quatrième und troisième (Orientierungsstufe).  Nach vier Jahren legen die Schüler eine Prüfung ab, die der mittleren Reife entspricht

Wer anschließend das Abitur (Baccalauréat) ablegen möchte wechselt an für weitere drei Jahre an das Lycée.