Im Fokus: Spanien

Calma, todo está marchando a su tiempo.

„Spaaaanien? Olé!“ So wie es einst die Bläck Föös in ihrem „Spanien-Leed“ sangen, ist Spanien für viele Deutsche ein beliebtes Urlaubsland. Doch für immer mehr Menschen wird es auch zum Auswanderungsland. Nachvollziehbar, denn in wenig anderen Ländern scheint die Sonne so oft, findet man verschiedenste Klimazonen ganz nach gusto und wird von Bergen und Meer so schön umschlossen.

Die Fakten zu Sozialversicherung und Land haben wir im Ländersteckbrief und den Länderinformationen aufgelistet. Hier wollen wir vorstellen, was man sonst noch von Spanien erwarten darf.

Klima

Spanien ist unterteilt verschiedene Klimazonen, die sich vor allem in den Wintermonaten bemerkbar machen. Im Norden ist es gemäßigt warm, während in der Mitte Spaniens ein weitaus kontinentaleres Klima herrscht. Kontinental bedeutet, dass es zu großen Temperaturschwankungen sowohl zwischen Sommer und Winter als auch zwischen Tag- und Nachttemperaturen kommen kann. Ähnlich wie bei uns in Deutschland können die Temperaturen zwischen -20 und +40 Grad variieren.

Im Gegensatz dazu gibt es im Süden des Landes eine rein subtropische Zone mit langen, heißen Sommern und einer Trockenperiode von elf Monaten. An der Mittelmeerküste hingegen findet man milde Winter und erträgliche Sommer. Die Temperaturen übersteigen auch im Hochsommer selten die 32 Grad. Aber auch das hat sich in Zeiten des Klimawandels etwas geändert.

Die Wintertemperatur liegt zwischen angenehmen 8 und 15 Grad im Schnitt. Kein Wunder also, dass Spanien bei Auswanderern – nicht nur im Rentenalter – so beliebt ist: Man findet einfach immer die richtige Klimazone für sich.

Sprache

Wer denkt er spräche „Spanisch“, wird in Spanien schnell eines Besseren belehrt. Denn in Spanien gibt es insgesamt 4 offizielle Landessprachen. Was wir als "Spanisch" bezeichnen ist dort als Castellano  bekannt. Castellano wird im ganzen Land gesprochen und ist die offizielle Amtssprache.

Daneben existieren weitere Sprachen: Gallego (Galizisch), Catalán (Katalanisch) und Vasco (Baskisch). Diese haben zwar auch offiziellen Status in den Regionen, wo sie verbreitet sind, aber eben auch nur dort. Neben den sprachlichen Unterschieden gibt es darüber hinaus zahlreiche Dialekte. Aufgrund der gravierenden Unterschiede in Aussprache und Vokabular ist es oftmals tief im Bewusstsein der Spanier verankert, dass es in dem Sinne keine einheitliche spanische Sprache gibt.

Ihr Ansprechpartner

Mike Lippoldt
Länderexperte für Spanien

T: +34 627 235 527
https://ousuca.com/

Aufenthaltsrecht, Sozialleistungen und Verdienst

Seit dem 1. April 2007 gilt das Gesetz über die Einreise, den freien Personenverkehr und die Niederlassung von Staatsbürgern der Europäischen Union in Spanien. Das Gesetz verpflichtet alle EU-Bürger, die sich länger als 3 Monate in Spanien aufhalten, sich in ein Ausländerregister einzutragen.

Die vorherige Gesetzgebung schrieb die Beantragung einer «Tarjeta de Residencia», einer Aufenthaltserlaubnis vor, die durch die neue Regelung in eine Einschreibung in das Ausländerregister abgelöst wird.

Halten sich Unionsbürger länger als fünf Jahre in Spanien ununterbrochen auf, erhalten sie dort die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Auch Familienangehörige aus Drittstaaten erhalten eine dauerhafte Aufenthaltskarte, sofern sie ununterbrochen fünf Jahre lang bei dem Unionsbürger gelebt haben. Eine Aufenthaltskarte muss dann alle zehn Jahre erneuert werden.

Auch wenn man nicht erwerbstätig ist, haben Bürger eines Mitgliedstaates der Europäischen Union das Recht, in jedem EU-Land zu leben. Das gilt auch wenn man von seinen Ersparnissen leben will. Wie jeder EU-Bürger, der nach Spanien zieht, benötigt man aber dennoch eine Aufenthaltsgenehmigung. Für Menschen, die nicht arbeiten, gelten hierfür tatsächlich etwas strengere Regeln als für Arbeitnehmer. Das Aufenthaltsrecht wird an zwei Bedingungen geknüpft: Das Ersparte muss ausreichen, um den Lebensunterhalt in Spanien bestreiten zu können und man muss eine Krankenversicherung nachweisen.

Wichtig zu wissen: Nur wer in Spanien einer Arbeit nachgeht, kann auch spanische Sozialleistungen erhalten. Entsprechend muss man bei Nichttätigkeit den spanischen Behörden nachweisen, dass man keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen wird. Relevant ist dabei der örtliche Sozialhilfesatz: So muss belegt werden, dass man für die Zeit des Aufenthaltes so viel Geld zur Verfügung hat, dass einem nach spanischem Recht keine Sozialhilfe zusteht.

Finanziell gesehen ist man in Spanien oft schlechter gestellt. So ist das Pro-Kopf-Einkommen in Spanien deutlich niedriger als in Deutschland. Aber natürlich gibt es  starke regionale Unterschiede. Im Baskenland und der Region Madrid sind die Löhne und Gehälter am höchsten. Im Süden liegt das Durchschnittseinkommen deutlich niedriger. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner betrug 2018 ungefähr 27.540 Euro. In Deutschland hingegen lag das BIP 2018 bei rund 42.700 Euro pro Person. Der Durchschnittsverdienst in Spanien betrug 2018 1.944,42 Euro im Monat (ca. 23.330 Euro im Jahr). 

Auch in Spanien gibt es Unterschiede im Verdienst von Männern und Frauen. Der jährliche Durchschnittslohn bei Männern lag 2018 bei 25.930 Euro, eine Frau verdiente in Spanien im gleichen Zeitraum im Durchschnitt nur 20.500 Euro. 

Wie in Deutschland gibt es in Spanien einen Mindestlohn, der jedes Jahr neu festgelegt wird. 2019 liegt er bei 1.050 Euro im Monat (12.600 Euro im Jahr). Der Mindestlohn pro Stunde beträgt also 5,45 Euro (zum Vergleich in Deutschland aktuell: 9,35 Euro).

Kfz und Immobilien

Wenn man einen Wohnsitz in Spanien angemeldet hat, muss das mitgebrachte Kraftfahrzeug, das dauerhaft in Spanien bleiben soll, auf ein spanisches Kennzeichen umgemeldet werden. Vor Einfuhr des Autos sollte man überprüfen, ob dieses mit all seinen technischen Daten (nicht nur Marke und Modell) in Spanien angemeldet werden kann. Was viele nicht wissen: Es kann durchaus sein, dass ein Kraftfahrzeug zwar für den deutschen, aber nicht für den spanischen Straßenverkehr zugelassen ist. Nähere Informationen darüber erhält man bei seinem Händler oder dem Hersteller direkt. Dieser kann dann auch bei der Beschaffung der für die Anmeldung notwendigen Bescheinigung (Certificado de características) behilflich sein.

Die Zulassung in Spanien kann persönlich, durch eine bevollmächtigte Person oder durch ein kostenpflichtiges Dienstleistungsbüro (Gestorías) vorgenommen werden. Informationen, wo sich eine solche Gestoría befindet, findet man im Internet unter www.gestorias.es

Für die Anmeldung des Fahrzeuges in Spanien sind folgende Schritte notwendig:

  • Beschaffung eines „Certificado de características“ (Homologisierung)
  • Spanische Hauptuntersuchung (ITV)
  • Zahlung der Anmeldesteuer und KFZ-Steuer (Impuestos de Matriculación und Impuesto Municipal).

Quelle: https://spanien.diplo.de/

Kindergeld

Unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze können Sie für jedes minderjährige unterhaltsberechtigte Kind, Pflegekind oder für Kinder über 18. Jahren mit einem Behinderungsgrad von mindestens 65 % Kindergeld in Spanien beantragen.

Kinder oder Pflegekinder unter 18 Jahren291 EUR pro Jahr und Kind. Es bestehen Vermögensgrenzen. Der Betrag der Leistung kann diesen Grenzen entsprechend variieren
Kinder oder Pflegekinder unter 18 Jahren mit einem Behinderungsgrad von mindestens 33 %1.000 EUR pro Jahr und Kind. Bei einer behinderten Person bestehen keine Vermögensgrenzen
Volljährige Kinder mit einem Behinderungsgrad von mindestens 65 %4.704 EUR pro Jahr und Kind. Es bestehen keine Vermögensgrenzen
Unterhaltspflichtige Kinder (über 18) mit einem Behinderungsgrad von mindestens 75 %7.056 EUR pro Jahr und Kind. Es bestehen keine Vermögensgrenzen

Formular Kindergeld: http://www.seg-social.es/prdi00/groups/public/documents/binario/41083.pdf

Quelle: https://ec.europa.eu/

Kindergarten

In Spanien sind die Kindergärten schon in das Schulsystem integriert. Ab drei Jahren sind sie sozusagen schon in einer Art Vorschule. Wer einen Krippenplatz für unter Dreijährige sucht, wird es manchmal schwer haben, denn private Angebote sind teuer.

„Deutschsprachige Kindergärten in Spanien finden sich vor allem in Ballungsgebieten, wo ohnehin schon große deutsche Gemeinden vorhanden sind. Es gibt für deutsche Familien, die in Spanien leben, viele Möglichkeiten, dass ihre Kinder Deutsch kindergarten- und schulübergreifend lernen. Alle Kitas bieten Vollzeitplätze an und erheben im Schnitt eine Jahreskitagebühr von rund 4.870 Euro.“

Die staatlichen Kindergärten und Vorschulen sind per Gesetz kostenlos.

Eine Übersicht der Kindergärten gibt es unter https://deutscherkindergarten.org/spanien/

Das Schulsystem in Spanien

Das Schulsystem in Spanien unterscheidet sich stark von dem System in Deutschland. gibt es in Spanien ausschließlich Gesamtschulen. Schulpflicht herrscht hier bis zum Ende der 10. Klasse. Die „Educación preescolar" beginnt in Spanien mit drei Jahren und ist Teil des offiziellen Schulsystems. Drei Jahre lang lernen die Kinder hier schon lesen, schreiben und oft schon erste Fremdsprachenkenntnisse, bevor sie mit fünf oder sechs Jahren in die erste Klasse kommen.

In Spanien besteht vom siebten bis zum 16. Lebensjahr Schulpflicht.  Der Schultag ist etwas länger als in Deutschland. In der Regel beginnt er um 8.30Uhr und endet um etwa 17Uhr. Dazwischen gibt es eine Mittagspause von 12.30 bis 15.00 Uhr. 

Die öffentlichen Schulen (públicos) werden vom Staat finanziert und sind kostenlos. Die halböffentlichen (concertados) sind ehemalige Privatschulen, die ebenfalls subventioniert werden, aufgrund ihrer umfangreichen Angebote allerdings oft ein geringes Schulgeld erheben. Private Schulen erheben ein hohes monatliches Schulgeld.

Sind nach der 10. Klasse alle Prüfungen bestanden, erhalten die Schüler das Zeugnis der „Educación Secundaria Obligatoria", vergleichbar mit der deutschen mittleren Reife. Nach zwei weiteren Jahren „Bachillerato" erlangen sie das spanische Abitur (Bachiller), das zum Hochschulstudium berechtigt. Wer in Spanien studieren will, muss zusätzlich noch die dreitägige „Selectividad"-Prüfung" an der Universität ablegen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schulsystem_in_Spanien
https://www.justlanded.de/deutsch/Spanien/Artikel/Bildung/Schulen-in-Spanien
https://www.andalusien360.de/magazin/schulsystem-spanien

Kultur

Klischeehaft denkt man bei der spanischen Kultur an Stierkampf, Flamenco und Fussball. Diese Traditionen sind auch untrennbar mit der Halbinsel verbunden. Doch Spanien hat, im Vergleich zu Deutschland, aber auch viele andere kulturelle Unterschiede, die sich auch im Alltag bemerkbar machen. Sei es die Siesta – beispielhaft für den allgemeinen Umgang mit der Zeit (manana, manana), die Geselligkeit, denn neben der Familie hat man in Spanien oftmals sehr viele lockere Freundschaften oder auch die (bereits erwähnte) Mehrsprachigkeit, wodurch sich die Regionen in Spanien sehr bewusst voneinander abgrenzen. Baskisch (Euskara), Katalanisch (Catalan), Galizisch (Galego) und die offizielle Amtssprache Catellano.

Neben diesen kulturellen Unterschieden im Alltag besitzt Spanien aber auch eine große Anzahl an kulturellen Schätzen. Diese sind in zahllosen Museen zu finden – hier sei bspw. das Guggenheim-Museum in Bilbao zu nennen oder stehen als Sehenswürdigkeit für sich allein. Diese aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Ob Höhlen in den Pyrenäen, die Kathedrale in Barcelona oder die Alhambra in Granada – Spanien ist sozusagen übersät von kulturellen Schätzen.

https://www.spain.info/de_DE/que-quieres/arte/#
https://ousuca.com/granada-spanien/

Essen und Einkaufen

Eigentlich auch ein Teil der Kultur ist das spanische Essen und unterscheidet sich auch in vielen Bereichen von deutschen Art. Das Frühstück ist normalerweise sehr spärlich (Kaffee mit einem Croissant, Toastbrot oder Churros). Zwischen Frühstück und Mittagessen nimmt man sich gerne einen kleinen Happen zwischendurch und vertreibt den Hunger mit Empanadas (kleinen Teigtaschen) oder Sandwiches.

Mittags wird dann ausgiebig gegessen. Ein 3-Gänge-Menü ist eher Standard statt Seltenheit. Als Vorspeise gibt es häufig eine Suppe oder die berühmten kleinen Tapas. Dann ein Hauptgang mit Fisch oder Fleisch und zuletzt ein Nachtisch mit Pudding, Früchten oder Kuchen. Dabei wird das Mittagessen passend zur Siesta zwischen 14 und 16 Uhr gegessen. Das Abendessen ist dann wiederum kleiner und wird, für deutsche Verhältnisse, spät zu sich genommen. Nach 21 Uhr gibt es dann Brot, Käse, Tapas und dazu spanisches Bier oder Wein. Wein gibt es übrigens auch oft bereits zum Mittagessen und ist in Restaurants beim Menü mit enthalten.

Und wer gern Kaffee trinkt, wird in Spanien auf seine Kosten kommen. Denn Sangria ist zwar bekannter, aber Kaffee ist eigentlich das Nationalgetränk und wird über den ganzen Tag getrunken.

https://www.spain.info/de_DE/top-10/las-recetas-mas-famosas-de-la-gastronomia-espanola.html

Wer nicht essen gehen will, sondern lieber selbst einkauft, hat in Spanien ähnlich wie in Deutschland die freie Auswahl. Neben riesigen Einkaufszentren sind es vor allem die kleinen Geschäfte und Märkte, in denen man besondere und typische Spezialitäten bekommt. Und zwar nicht nur kulinarischer Art, sondern auch was Kleidung, Schmuck oder Kunstwerke angeht. Je nach Region sollte man sich bei den Einheimischen erkunden, was die Geheimtipps sind.

https://abenteuer-unterwegs.de/so-sparst-du-beim-einkaufen-in-spanien-geld/

Das gilt sowieso für alle Bereiche: Spanier sind normalerweise sehr hilfsbereit, freundlich und gesellig. Auch wenn man nicht sofort die Freundschaften fürs Leben schließt, kann man sich mit einer offenen Art schnell zurecht finden und gut einleben.