Im Fokus: Ghana

Afrika für Anfänger

Ghana ist bei Auswanderern sicher nicht in den Top-Zielen gerankt, aber je nach Vorstellungen und Wünschen ist es wert, das Land etwas genauer zu betrachten.

Beginnen wir mit den trockenen, aber dennoch wichtigen Fakten. Seit dem 6. März 1957 ist Ghana unabhängig. Seit dem 7. Januar 1993 besteht die bis heute existierende Republik Ghana. Insgesamt lässt sich sagen, dass Ghana für afrikanische Verhältnisse ziemlich stabil ist. Ghana ist ein Vielvölkerstaat. Das heißt, dass das Land in zehn große Gegenden und diese sind wiederum in 138 kleine Distrikte unterteilt.

Wenngleich die westliche Politikpresse von Ghana als 'Vorzeigestaat' (Spiegel, 2010) spricht, muss dies wohl differenzierter betrachtet werden. In der Tat ist Ghana ein demokratisches Land mit einer regen politischen Diskussion mit allen entsprechenden Vorteilen, die man auch im öffentlichen Leben spürt. Es gibt keine politisch Verfolgten oder Inhaftierten, die Presse ist frei.

Als Ausländer sollte man sich aber keine politischen Kommentare oder gar Aktivitäten erlauben. Dies wird nur missverstanden. Was manche Botschaft-Angehörigen sich erlauben, wird nur mit der gebotenen Höflichkeit und stets anzutreffenden Toleranz der Ghanaer akzeptiert.

Es ist aber nicht zu verbergen, dass eine 'Entwicklung' nur sehr langsam stattfindet, wohl aufgrund einer gewissen Ineffizienz, der oben aufgeführten Korruption und Vetternwirtschaft, einer sehr konservativen, traditionellen Einstellung dem Wandel gegenüber und weiteren Faktoren. Dies in Verbindung mit dem Bevölkerungswachstum und dem Wachsen des Molochs Accra und der zunehmenden sozialen Ungleichheit lässt manche Beobachter ein gegensätzliches Bild zum 'demokratischen Vorzeigeland' voraussehen, eine Entwicklung Richtung Nigeria.

Die Zukunft wird es zeigen. Wir alle hoffen das Beste.

Trotz der relativ guten Stabilität des Landes tauchen zwischendurch Berichte über Menschenrechtsverletzungen auf. Dazu zählt allen voran die familiäre Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen. Auch werden jährlich 1000 Menschen Opfer von illegalen Zwangsräumungen.

Die Außenpolitik Ghanas wirkt stabilisierend auf Westafrika. Die Regierung unterstützt immer wieder humanitäre sowie militärische Aktionen in Nachbarländern. Außerdem ist Ghana Mitglied in verschiedenen Vereinen und Organisationen, wie die afrikanische Union, der Welthandelsorganisation, der Internationalen Arbeitsorganisation, der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft, der UNESCO, der Weltgesundheitsorganisation, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation oder dem internationalen Währungsfond.

Ihr Ansprechpartner

Gerhard Bechtold
Länderexperte Ghana

Gerhard-Bechtold@gmx.com

Ghana ist ein interessantes Land, reich an Kultur, Geschichte, Natur.

Ghana ist überschaubar: Man kann relativ leicht und in einem begrenzten zeitlichen Rahmen einen guten Einblick in das Land mit seiner Mannigfaltigkeit, seinen Naturräumen und seinen Kulturen gewinnen.

Sowohl für Reisende als auch für Ausländer mit Arbeitsaufnahme kann es durchaus als ein 'Afrika für Anfänger' bezeichnet werden. Es vereint herrliche afrikanische Erlebnisse, wie z.B. die Heterogenität, die Kultur, das Laissez-faire, die andere Mentalität Schwarzafrikas, mit auch manchen Herausforderungen, die ein Reisen oder Arbeiten in Afrika mit sich bringen und auf die man sich vorbereiten sollte.

Generelle Empfehlung für Reisende, um die Vorzüge von Ghana erfahren zu können: So kurz wie möglich (oder gar nicht) in Accra oder Kumasi zu bleiben und stattdessen lieber in die in diesem Beitrag beschriebenen Regionen zu fahren und dort Land & Leute zu genießen. Es gibt eine nicht geringe Anzahl von deutschen Volunteers, die im ländlichen Raum Erfahrung sammeln (für 1-6 Monate) und in den meisten Fällen sehr positiv davon berichten.

Die meisten langfristigen Expats halten sich dagegen in Accra auf. Ich nehme daher im Folgenden verstärkt Bezug auf Accra, aufgrund meiner dortigen 9-jährigen Berufstätigkeit.

Wirtschaft

Die Regierung von Ghana hat sich zum Ziel gesetzt Ghana zum wirtschaftsfreundlichsten Land Afrikas zu machen. Dabei soll das Land auch für Auslandsinvestoren attraktiv gemacht werden.

Zu den wichtigsten Exportprodukten Ghanas gehören Gold, Öl und Kakao. Die Inflation in Ghana liegt bei 10,5 (Stand April 2018). 56% der Bevölerung sind in der Fischerei oder Landwirtschaft tätig – 15% in der Industrie. Trotzdem macht die Industrie ca. ein Viertel des Wirtschaftsvolumens des Landes aus. Ghana exportiert allem voran Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse, importiert dafür aber viele industriellen Erzeugnisse. So entsteht ein Außenhandelsdefizit von aktuell 6% des BIP.

Leben in Ghana

Man kann - mit gewissen Einschränkungen (siehe unten) - gut leben und reisen in Ghana und gleichzeitig das 'Afrika-Gefühl' erleben, eine grandiose Erfahrung. Man spürt es, man riecht es, man hört es, die Musik, die Trommeln, das Vibrieren bei den Menschen, wenn sie Musik hören, der Geruch in der Luft, die leichte Schwüle, an die man sich leicht gewöhnen kann, daß nicht immer alles durchorganisiert ist, aber man andererseits aber doch (fast) alles bekommen und überall hin gelangen kann.

Die Landschaften sind grandios und sehr verschieden:  

Von dichten tropischen Wäldern (so gut wie unberührt von Tourismus, aber dennoch sicher genug zum Aufsuchen, z.B. der westliche Teil der Western Region, wo man Dörfer von Kakaosammlern aufsuchen oder - für Abenteurer - bewandern kann, oder auch der berühmte Canopy-Walk auf abgesicherten Holzplanken hoch über dem Urwald im Kakum-Nationalpark, nordwestlich von Cape Coast),

über schöne Palmen-Strände im Westen (westlich, nicht einbezogen, von Takoradi) mit einfacher, Natur-bezogenen touristischer Infrastruktur, etwa Busua, Axim, Butre, Beyin, teilweise von Deutschen bewirtschaftet [zu Stränden im weiteren Umkreis von Accra siehe Vermerk weiter unten], dort auch die leicht aufzusuchende Sumpflandschaft um Nzulenzo,

über Montanwälder ganz im Osten (in der Eastern Region, bei Hoehoe), auch dort wie in vielen anderen Landesteilen mit eindrucksvollen Wasserfällen, etwa Wli an der Grenze zu Togo oder die Boti-Wasserfälle nördlich von Koforidua,

über den Volta-Fluss im Osten mit Besichtigung des Staudams und -Sees, der seit 1965 - damals sehr umstritten - einen Großteil von Ghana mit Strom versorgt, und insbesondere der Unterlauf und die Mündung des Volta-Flusses mit Wassersport-Angeboten (Kanu, Segeln, Wasserskifahren, schönen Hotels am Flussufer, traumhaften Inseln) bei Ada Foah,

bis hin zu den Savannen im Norden mit völlig anderer (Trocken-) Vegetation, wo man in einem Tag hinfahren kann, und das Sahel-Gefühl erleben kann, mit dem Mole-Nationalpark, wo man von der Lodge aus die Elephanten, Affen und Krokodile beobachten kann (man hat durchaus das Safari-Gefühl, aber im Ausmaß und Angebot nicht mit Ostafrika zu vergleichen, mit allen Vor- und Nachteilen), ohne aber sich den Gefahren und politischen Instabilität der sich nördlich anschließenden Sahel-Ländern aussetzen zu müssen, oder wer es noch abenteuerlicher haben will, in den völlig unberührten Digya-Nationalpark westlich des Volta-Sees (dort aber nur mit Führer).

Die Geschichte ist eindrucksvoll und hochinteressant, wenngleich noch schlecht dokumentiert und nicht immer ohne Vorurteile und wertfrei. Umso interessanter ist es daher, sich selber ein Bild zu machen von der Kolonialgeschichte und die verschiedenen Sklavenburgen und Festungen an der Küste zu besichtigen, z.B. Elmina westlich von Cape Coast (obgleich dort auch wiederholt rassistische Kommentare geäußert wurden), in Cape Coast, in der Western Region Dixcove etc.

M.E. ist aber mindestens genauso interessant die frühere Geschichte (mehr im Norden zu finden) mit Relikten der alten Sahel-Königreiche, was aber ein gewisses Recherchieren und Einlesen in diese relativ unbekannte Geschichte erfordert.

Und am interessantesten ist zu sehen - wieder nach meiner Abschätzung -, was in der postkolonialen Zeit (Nkrumah und danach) in Ghana abgelaufen ist oder auch nicht. Es ist aufschlussreich, die Dörfer aufzusuchen, die Gastfreundschaft zu erleben, mit den Menschen zu reden, was sich verändert hat oder nicht, was die Einwirkung aus dem Westen mit Entwicklungshilfe und NGOs bewirkt hat, und auch wie die Menschen von Europa träumen und dorthin wollen (politisches Stichwort: Flüchtlinge und Ursachensbekämpfung). Hier kann man es spüren.

Einreisebestimmung und rechtliche Besonderheiten

Jeder Besucher, welcher nicht aus den ECOWAS-Staaten stammt (Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft), benötigt ein Visum zur Einreise. Falls man vorhat aus einem Nachbarland einzureisen, kann man dieses auch an der Grenze beantragen.

Einträge im Elternpass werden nicht akzeptiert, das heißt Kinder müssen einen eigenen Pass haben. Der Reisepass muss sechs Monate über die Reise hinaus gültig sein.

Ein Touristenvisum besitzt eine Gültigkeit von drei Monaten und berechtigt zu einer einmaligen Einreise. Wer öfters ein- und ausreisen möchte, kann ein Multiple Entry Visum beantragen. Ein illegaler Aufenthalt zieht eine Geldstrafe sowie einen Eintrag in die Visaversagungsdatei. Danach wird ein Visum in Zukunft nur noch mit der Genehmigung des Ghana Immigration Services erteilt.  

Jeder Besucher in Ghana ist verpflichtet einen internationalen Impfpass mit einem Eintrag über eine Gelbfieber-Impfung mit sich zu führen. Darüber hinaus ist es empfehlenswert sich von einem Tropenmediziner zu weiteren Impfempfehlungen beraten zu lassen. Eine gute Reise- sowie Auslandskrankenversicherung sind obligatorisch.

Herausforderungen

Ghana ist nicht Europa. Vieles was man in Europa jeden Tag erlebt, etwa im organisatorischen oder logistischen Bereich, darf man nicht unbedingt in Ghana erwarten. Entsprechend können viele Expats frustriert sein oder werden. (Ich hatte unter Ausländern in Accra beobachtet, dass Frustration nach zwei bis drei Jahren stark zunimmt). 

Kriminalität

Die Kriminalität in Ghana hat zweifelsohne zugenommen in den letzten 10-20 Jahren. Früher war dies kein Thema, heute muss man aufpassen und beim Reisen wie überall allgemeine Vorsicht walten lassen. Während die meisten Ghanaer ehrlich und hilfsbereit sind, gibt es eben auch die kriminelle Minderheit, vor der man aufpassen muss.  

Sich in der Nacht in Accra zu Fuss in unbeleuchteten Straßen aufzuhalten ist ein No-go. Ein abendlicher Restaurant-Besuch und Kneipenbesuch in Osu, einem unter Ausländern beliebten Geschäftsviertel, ist dagegen möglich.  

Es ist natürlich immer empfehlenswert, in Accra sich in der Nacht mit dem eigenen Auto zu bewegen. Ein kleines Trinkgeld, wenn man den Wagen in der Nacht parkt, ist hilfreich.  

Allgemein, wie überall gilt: Keine Wertsachen zur Schau zu tragen! Auf teure Handies aufpassen! Nicht in der Nacht allein oder gar betrunken neue Wagnisse oder 'Ortserkundungen' zu unternehmen! Nicht zu viel Bargeld mit sich herumtragen! Nicht unbedingt jeder Geschichte von Bettlern oder Betrügern auf der Straße trauen! Das Haus gut absichern (wie unten beschrieben)!

Korruption

Korruption ist ein großes Problem. Im Öffentlichkeits- und Dienstleistung-Bereich läuft fast nichts ohne zusätzliche Bezahlung. Dies kann sich beziehen auf eine kleine, zusätzliche Bezahlung, fast ein Trinkgeld, ohne die man aber eine weitere Dienstleistung in Zukunft nicht erwarten kann, oft nur in niedrigen Beträgen etwa in Höhe von einigen wenigen Euro, etwa bei Behörden, Handwerkern oder z.B. bei Verkehrskontrollen. Dies kann sich aber auch beziehen auf den beruflichen oder geschäftlichen Bereich, wenn man nur mit entsprechenden finanziellen Leistungen, dann durchaus auch in höheren Beträgen, mitbieten und Fortschritt machen kann. Als Individuum und als Reisender sich dagegen zu wehren ist unmöglich, fast nicht einmal empfehlenswert - so hart das klingen mag. Man verliert. Der Polizei, die bevorzugt weiße Autofahrer anhält, da diese mehr Geld haben, zahlt man eben 2 oder 5 Euro, so verwerflich das auch ist. Oder bei Behörden oder beim Kauf eines Tickets.

Wer in einer Institution arbeitet, kann dies möglicherweise über seine Kollegen oder Counterparts ablaufen lassen, muss aber in Kauf nehmen, ähnliche blockierende Prozesse auf höherer Ebene zu beobachten und dementsprechend darunter leiden zu müssen. Am schwierigsten ist es, wenn man als selbständiger Entrepreneur daran teilnehmen muss. Ohne größere Aufwendungen läuft nichts.

Vetternwirtschaft

Davon bekommt der Reisende wohl wenig zu spüren, umso mehr der Ansässige. Verbindungen, Beziehungen, Kontakte, zumeist zementiert von finanziellen gegenseitigen Abhängigkeiten, bestimmen das Geschäftsleben. Wenn man 'entsandt' ist von einer internationalen Organisation, kann man sich meist auf ein bereits bestehendes Netzwerk verlassen. Man muss sich aber dessen bewusst sein, daß man damit oft nicht imstande ist, darüber hinaus zu schauen oder zu wirken (was ich oft bei Expats im diplomatischen Dienst, multinational Firmen, internationalen Business-Jobs, NGOs beobachtet habe).

Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern ist die Kriminalitätsrate in Ghana relativ gering. Dennoch sollte man vorsichtig sein, denn die Gefahr von Raubüberfällen ist auf jeden Fall vorhanden. Die Täter sind meist bewaffnet und oft auf Motorrädern unterwegs. Es wird dringend von Überlandfahrten bei Dunkelheit abgeraten. Zum einen sind die Straßen in schlechtem Zustand, zum anderen werden diese auch oft von Pannen- und unbeleuchteten Fahrzeugen blockiert. Auch hier besteht das Risiko von Überfällen, vor allen in den Regionen: Upper West Region, Upper East Region und Northern Region.

Wer mit dem Gesetz in Konflikt gerät, muss in Ghana mit deutlich höheren Strafen als in Deutschland rechnen. So liegt die Mindeststrafe für Drogenbesitz selbst in kleinsten Mengen bei 5 Jahren Gefängnis. Für den Handel mit Drogen bereits bei 10 Jahren. Auch homosexuelle Handlungen können mit bis zu 3 Jahren Haft belegt werden.

Verkehr

Wer ein KFZ führen möchte, sollte sich um einen Internationalen Führerschein kümmern. Reisende sollten zudem ihre Dokumente wie Führerschein, Ausweis, Visum stets bei sich tragen, da routinemäßige Kontrollen an der Tagesordnung sind.  

Verkehr in Accra ist wie in vielen Großstädten Afrikas ein Riesenproblem. Obwohl ein paar wenige innerstädtische Expressways in den letzten 10 Jahren gebaut wurden (mit chinesischen bzw US-Geldern), wird es jedes Jahr schlimmer. Gegenwärtig sprechen wir von ca 3 Millionen Einwohner im Großraum Accra, in naher Zukunft von 5-8 Millionen, ohne adequate Verkehrsplanung oder -Ausbau. (Manche meiner Arbeitskollegen verbringen 2 Stunden am Morgen im Stau, und ebenso am Abend, bei Regen kann es auch das Doppelte werden).

Für den Expat gibt es hier nur die Empfehlung, den Ort der Wohnung optimal zu wählen (siehe dort) und Reisen ins Umland am frühen Morgen zu beginnen.  

Während die Verkehrssicherheit auf Accra verstopften Straßen kein Thema ist, wird dies ein größeres Problem außerhalb Accras. Ghanas Straßen haben den Ruf einer der höchsten Mortalität weltweit. Daher nie bei Nacht fahren! Auch die Nacht-Expressbusse in den Norden, so verlockend sich dies auch anhört, sind auf jeden Fall zu vermeiden!  

Der internationale Flughafen Kotoka ist angenehm zentral gelegen. Es ist zwar ein neuer außerhalb von Accra geplant (zwischen Tema und Sege). Es werden aber noch viele Jahre vergehen, bis dieser eröffnet ist.   Die meisten Expats fahren SUV-ähnliche Fahrzeuge japanischer oder südkoreanischer Firmen. 4x4 ist nicht üblich. Mercedes und Volkswagen sind auch mit Service vertreten, weniger BMW, Opel, Porsche.  

Die Eisenbahn funktioniert nicht mehr. Öffentlicher Verkehr findet meist statt mit Routen-Taxis ('Trotros', sehr günstig, fahren los wenn voll) oder mit Linien-Bussen (noch günstiger). Im innerstädtischen Bereich sind Busse aber aufgrund der Klein-Kriminalität weniger zu empfehlen, im zwischenstädtischen Bereich sind die Expressbus-Linien durchaus akzeptabel für Reisende.

Praktische Tipps

Begegnung mit Menschen

Ghanaer sind sehr liebenswert und freundlich, stets ansprechbar. Sie sind sehr eloquent und kontaktfreudig, d.h. aber auch dass man sich nicht immer 100% auf ihre Aussage verlassen kann, sei es bei der Antwort auf eine Frage nach einer Wegbeschreibung, oder auf die Vermittlung von politischen oder historischen Fakten. Das ist aber nicht der kritische Punkt in Ghana (schließlich gibt es Navigationssysteme und Google). Entscheidend ist dass man miteinander spricht, sich austauscht, dem anderen das Gefühl gibt geholfen zu haben oder im beruflichen Umfeld sein eigenes Netzwerk aufbaut.  

In der Eloquenz können wir Europäer nur von den Ghanaern lernen. Sich überzeugend und gleichzeitig höflich auszudrücken, ist den Ghanaern in die Wiege gelegt.  

Aufgrund dieser positiven Einstellung, zumindest im täglichen Verkehr, sollte man diesen Kontakt entsprechend freundlich und höflich - mache Deutsche würden sagen, oberflächlich - halten. Wer in Ghana arbeitet, kann sich natürlich nicht immer daran halten, sei es mit mit Arbeitskollegen, Angestellten, Hauspersonal. Es wird sogar teilweise erwartet, dass man ein offeneres, direktes Wort spricht, was man nur mit großer Vorsicht tun sollte. Schimpfen ist nicht akzeptabel.  

Ghanaer sind tolerant, und erwarten dies auch von anderen. Es ist angenehm, damit zu leben.  

Pünktlichkeit ist kein Primär-Charakterzug der Ghanaer. Auf sämtlichen Ebenen, von Verabredungen mit Freunden bis hin zu offiziellen Veranstaltungen auf höchster Ebene darf man nie mit einem pünktlichen Beginn rechnen. Wenn man dies einmal weiß, lebt es sich leichter.  

Nie die linke Hand benützen, um einem Ghanaer etwas zu geben!  

Beerdigungen sind das wichtigste soziale Ereignis in der ghanaischen Gesellschaft sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Man sollte es zumindest einmal miterlebt haben. Bei einem Todesfall im ghanaischen Freundes- oder Kollegenkreis wird es erwartet, dass man zumindest einige Stunden Präsenz zeigt.

Sprache  

Man sollte auf jeden Fall zumindest einfaches Englisch sprechen können, mit Deutsch kommt man nicht weiter. In wirklich abgelegenen Regionen, etwa in kleineren Dörfern im mittleren oder hohen Norden, wird auch die Kommunikation mit Englisch schwierig (es gibt viele Dutzende von Sprachen in Ghana), aber auch dort findet man immer wieder jemanden, der ausreichend Englisch spricht.  

Im Arbeitsumfeld ist verhandlungssicheres Englisch Voraussetzung.

Gesundheit  

Ghana ist gesundheitlich kein sehr gefährliches Land, besser als die meisten anderen Länder Afrikas. Es gibt medizinische Grundversorgung auch außerhalb von Accra und Kumasi. Dennoch sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen: Kein Salat in Restaurants, kein Wasser aus der Wasserleitung oder gar aus der Natur, Hunde können Tollwut haben, die empfohlenen oder vorgeschriebenen Impfungen sind einzuhalten.  

Viele Diskussionen gibt es unter Expats bezüglich der Malaria-Vorsorge. US-Amerikaner sind angehalten, während ihres gesamten, auch mehrjährigen Aufenthaltes Prophylaxe einzunehmen. Dieser Standpunkt wird von anderen Ausländern nicht geteilt: Bis zu einem Aufenthalt von 1-2 Monaten ist Prophylaxe stark empfohlen, für eine längere Zeit dagegen greift diese den Körper zu stark an. Man sollte es wie die Ghanaer halten: Wenn man plötzlich hohes Fieber und starke Kopfschmerzen bekommt, sofort einen Arzt plus Labor aufsuchen! Wenn man weiter entfernt ist von einer medizinischen Versorgung, sollte man sofort ohne Bedenken die in Ghana erhältliche Anti-Malaria-Medizin einnehmen (täglich, für eine Woche, sehr günstig, zum Kauf weiter unten). Daher unbedingt am Anfang des Ghana-Aufenthaltes entsprechende Medizin und Analyse-Kit (Kit nicht immer erhältlich) kaufen und bei Reisen stets mit sich führen. Wichtig ist die sofortige Einnahme (binnen 24-48 Stunden)! 

Auch bei Rückkehr nach Europa sollte man diese Medizin aus Ghana für 3 Monate stets bei sich haben und im Zweifelsfall (plötzliches hohes Fieber) nehmen, und nur diese! (In meinem Freundeskreis weiß ich von einem Fall, der nach seiner Rückkehr nach Holland Malaria hatte, aber dessen Malaria-Variante nicht sofort eindeutig identifizieren werden konnte. Bevor sich die Mediziner entscheiden konnte, welche Medizin er zu nehmen hat, war er verstorben).  

In Accra gibt es (so gut wie) keine Malaria, außerhalb dagegen schon. Dies fängt bereits bei den Stränden zwischen Accra und Cape Coast an (wo meine Familie zweimal Malaria bekommen hat). Ghanaer betrachten Malaria als ein ähnliches Problem wie wir etwa Erkältung.  

Medizin ist erhältlich in vielen Apotheken. Generell sind die Apotheken in von Ausländern frequentierten Ortsteilen von Accra und Kumasi ok, außerhalb und bei teureren Produkten sollte man aber vorsichtig sein, da ein nicht unerheblicher Teil der als Medizin angebotenen Artikel, auch optisch nicht unterscheidbar von der Original-Medizin, nur gefälschte Fake-Medizin ist. Daher besser die billige Medizin nehmen (Fälschungen lohnen sich dann nicht), oder - für ganz Ängstliche - die Medizin von zu Hause mitbringen (aber nicht für Malaria, wie oben beschrieben).  

Krankenhäuser gibt es. Zu empfehlen sind aber die privaten Krankenhäuser und Kliniken in Accra wie etwa das Nyaho Centre (Airport Residential), das Lister-Hospital (East Legon) oder MedLab, die hygienisch durchaus sehr gut, von der medizinischen Betreuung in den meisten Fällen auch empfehlenswert sind! Für Zahnbehandlung gibt es zwei oder drei Zahnärzte, die von Ausländern bevorzugt werden und empfohlen werden können (nicht billig).  

In medizinisch kritischen Fällen sollte man aber sich dessen bewusst sein, daß der Ghanaer, auch der ghanaische Arzt, - wie oben schon vermerkt - nur ungern zugibt, daß er etwas nicht weiß oder nicht diagnostizieren kann.  

Eine Versicherung, etwa eine Reiseversicherung oder über den Arbeitgeber (falls entsandt) mit der Option für eine Evakuierung, ist stark empfehlenswert. 

Soziales Umfeld  

Freunde zu treffen und Kontakte zu knüpfen ist kein Problem. Dies ist angenehm für Reisende als auch für Expats.  

Dennoch ist der Freundeskreis der meisten in Accra ansässigen Ausländer auf den jeweiligen Kollegen- und Nationalität-Kreis konzentriert. Die meisten Deutschen - und es gibt deren viele in Accra - treffen sich mit Deutschen in ihrer Freizeit. Viele Deutsche sind assoziiert über deutsche Firmen (Kfz, Bau, Handel), Botschaft, GIZ, deutsche Schule. Für den Neuankömmling sind diese Kreise ohne Ausnahme sehr aktiv und heißen sie willkommen, mit einer weiten Palette von gemeinsamen Freizeitaktivitäten.  

Ausserhalb Accras ist das anders, Ausländer sind mehr mit Ghanaern befreundet. Naturgemäß ist das soziale Angebot begrenzter, mehr in einem ghanaisch-kulturellen Umfeld (miteinbezogen der sonntägliche Kirchenbesuch).  

Es gibt kein Mangel an abendlicher Unterhaltung in Accra: Restaurant in jeglicher Preisklasse (wobei Restaurants auf internationalem Niveau nicht billig sind, im Durchschnitt teurer als in Deutschland, etwa auf gutem Münchner Niveau), viele Nachtclubs von schrägen, aber sehr lebhaften Dance-Halls über normale Discos bis hin zu teuren Clubs mit entsprechender Ambiente, die sich erst ab zwei Uhr in der Früh füllen, aber auch auf kulturell höherer Ebene mit Theater, Musik-Veranstaltungen (etwa Alliance Francaise), Empfängen, Vernissagen etc.    

Wohnung 

Um sich niederzulassen in Accra, ist die Standortwahl der Wohnung extrem wichtig. Zwei Faktoren sind wichtiger als alle anderen:  

- Sicherheit: Es gibt sichere Ortsteile in Accra und unsichere. Allgemein ausgedrückt, sind die Gebiete mit einem höheren Anteil von Ausländern und Besserverdienenden sicherer. Man sollte auf keinen Fall versuchen, sich zu 'integrieren' und in ein Viertel mit ausschließlich Ghanaern, vielleicht auch noch ärmeren, einziehen. Man ist und bleibt ein Weißer und damit ein Objekt der Kriminalität. (Etliche Freunde von mir hatten diesen Ansatz, haben sehr billig gemietet und wurden dann in Folge des öfteren beraubt). Empfehlenswerte Viertel sind z.B. Cantonments, East Legon, Abelempke.  

In den letzten Jahren hat der empfehlenswerte, aber nicht ganz billige Trend zu gated communities und zu Luxus-Apartments zugenommen. Man fühlt sich wohler, wenn man unbeschwert und sicher schlafen kann. Wenn man billiger, etwa in einem gemieteten Haus, leben will, sollte man darauf achten, daß die Eingangstüre stabil ist, alle Fenster mit Sicherheitsblenden versehen sind, auch Nebeneingänge, Garage etc abgesichert sind.  

- Nähe zum Arbeitsplatz und zu sozialen Aktivitäten: Wie weiter unten erwähnt, ist das größte tägliche Problem in Accra der Verkehr. Wenn man nicht Stunden im Verkehr verbringen will, sollte man die Wohnung in der Nähe zu den täglich aufzusuchenden Orten wählen. Primär wird das meist die Arbeitsstätte sein (in meinem Fall waren das 15-20 Minuten, ein Traum in Accra), oder auch zur Schule (falls mit Kindern), desweiteren eventuell auch zum Freundeskreis, Einkaufen, Schulfreunden, was oft aber zum Zeitpunkt des Anmietens bei Beginn des Aufenthalts nicht einfach ist abzuschätzen.  

- Alle anderen Kriterien, wie Ausstattung, Garten, günstiger Preis, Sicht, Nähe zu Freizeitlokalitäten etc, sind als zweitrangig anzusehen.  

Alle Wohnungen, die unter diesen Aspekten akzeptabel sind für Expats, sind teuer bis sehr teuer, wenn man von einem deutschen Mietpreis-Spiegel ausgeht. Unter 2500 $/Monat wird man sicher nichts bekommen. Dies kann auch leicht auf 3-6,000 $ (und darüber) steigen, je nach Lage und Ansprüchen.  

Schule  

Während das Schulwesen Ghanas im allgemeinen noch auf einem sehr niedrigen Stand ist, ist die Situation für Expat-Kinder als sehr positiv einzustufen. Man muss aber willens und bereit sein, ausreichend Geld dafür auszugeben.  

Es gibt zwei grössere internationale Schulen in Accra (beide englisch-sprachig, eine mit britischem Hintergrund [Ghana International School, GIS, in Cantonments], die andere stärker US-orientiert [Lincoln Community School in Abelempke] ), eine in Tema (empfehlenswert, aber nur wenn Wohnsitz in Tema), eine eher kleinere deutsche Schule (teilweise von Schweizer Management geführt, durchaus empfehlenswert für die unteren Klassen, an der Ring Road) sowie eine Anzahl von kleineren 'internationalen' Schulen, teilweise mit missionarischem Charakter (die ich abgesehen von den ganz jungen Jahrgängen nicht unbedingt empfehlen kann).  

Die Schulgebühren können je nach Schule, Alter, Aufenthaltsdauer zwischen 5.000 $ und 15.000+ $ / Jahr betragen. Wenn man finanziell dazu imstande ist oder der Arbeitgeber bezahlt, ist diese Schulbildung bei Kindern aus Europa ein großartige Erreichung der Erfahrung und des Lebenslaufes. (Mit zwei Kindern in der GIS-Schule spreche ich sehr positiv von dieser Erfahrung. Mir war nur ein einziger Fall von einem Fall bekannt, daß ein Expat-Kind nicht mit der Situation umgehen konnte. All die anderen viele Fälle in meiner Bekanntschaft haben davon profitiert. Keine Drogen, Alkohol, Mobbing, Aussteiger, harte Worte bei Erziehern oder Eltern).  

Allgemein, aber auch zutreffend für Accra: Erziehung hat in Afrika einen anderen Stellenwert als in Europa. Eltern tun das Äußerste, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen, und Kinder erkennen und respektieren das, zumindest in den meisten Fällen.    

Einkaufen  

Während die Einkaufsmöglichkeit von Konsumgütern und internationalen Artikeln noch vor 15 Jahren sehr begrenzt war, hat sich dies etwa seit 2010 völlig geändert. Es gibt grosse Shopping-Malls (etwa Accra-Mall 2 km nördlich des Flughafens, Marina-Mall direkt westlich des Flughafens, die West Hills-Mall an der Einfallsstrasse von Cape Coast und viele weitere), Tech-Läden, Filialen von allen möglichen  internationalen Ketten, Baumärkten etc, vergleichbar mit einer deutschen Großstadt.  

Viele von ihnen sind im Besitz von Südafrikanern oder Libanesen, mit gutem Management und vollem internationalen Angebot.  

Dieses Super-Angebot in großen Malls hat sich in den letzten Jahren ausgeweitet und auch dezentralisiert. Es finden sich heute auch kleinere Geschäfte mit einem großen Angebot internationaler Artikel in den 'besseren' Ortsteilen. Am Ende geht man meist aber doch dorthin, wo die Anfahrtszeit am kürzesten ist.    

Essen  

Das Essen in Ghana ist sehr schmackhaft, aber auch gewöhnungsbedürftig. Manche Ausländer essen vorwiegend ghanaisch, manche Ausländer lehnen es völlig ab.  

Das Angenehme ist, daß man sowohl in Restaurants als auch zu Hause sei es selbst zubereitet oder durch eine Hausangestellte es wählen kann, ob man ghanaisch ißt oder international. Restaurants jeglicher Küche gibt es en masse in Accra, Kumasi, allen Küstenstädten, auch Tamale.  

Als ersten Anlaufpunkt für einen ausländischen Neuankömmling kann man den Ortsteil Osu empfehlen mit einer großen Auswahl von Restaurants, Fast-Food und Bars.  

Von einer Auflistung von Restaurants und Bars möchte ich hier absehen. Es gibt 100e oder gar 1000e, in die man gehen kann. Dafür gibt es kompetentere und aktuellere Internet-Seiten. Wie jede andere Großstadt hat Accra ihren eigenen Swing, mit Menschen mit unterschiedlichen Präferenzen, und wechselnden Gezeiten.  

Ich erlaube mir aber dennoch, ein spezielles Restaurant zu empfehlen (da es von guten Freunden von mir geführt wird...: Wer in Ghana zur Abwechslung Äthiopien fühlen möchte, sollte das Spezialitäten-Restaurant 'Simret Ethiopian' aufsuchen (in Roman Ridge, Nordseite von Achimota Road, 7A S Ridge Road, 'All-you-can-eat'). Begeisterung garantiert!  

In kleineren Städten und in Dörfern darf man keine internationale Küche erwarten, sondern nur Jollof-Rice (Reis mit Gemüse-Stew), Fufu (Kochbanane/Yama-Brei in Suppe), Banku (Trigkloss aus Maismehl), Red-Red (frittierte Kichbananen, lecker, aber scharf). Und auf dem Land kann selbst das knapp werden, man muss dann Essen an einem Stand besorgen oder jemanden für sich lokales Essen kochen lassen, was kein Problem ist.

Ghanaer in den Städten kochen oft nicht selber, sondern versorgen sich mit take-away von Ständen. Alles sehr billig.

Energie

Die Elektrizität-Versorgung Ghanas ist besser als die vieler anderer afrikanischer Länder, aber nicht unbedingt als stabil einzustufen. Es gibt Jahre, in denen fast jede Woche oder gar jeden Tag ein Black-Out vorkommt (von einigen wenigen bis zu vielen Stunden Dauer), es gibt aber auch Jahre, in denen es keine Probleme mit der Elektrizität in den meisten Vierteln Accra gibt.

Fast alle Expats in Ghana haben daher einen Generator, etwa im Garten (sollte gut schallisoliert, mit Diesel-Motor und von einem Fachmann installiert sein) oder im Compound oder Apartment-Block (vom Management gewartet). Vor Einmietung in eine Anlage empfiehlt es sich, Nachbarn über diese Situation zu befragen.

Versorgung mit Benzin/Diesel oder Gas (Gasflaschen) ist kein Problem.

Sport

Obwohl viele Ausländer ihre Sportaktivitäten auf in-doors verlegen (in Accra gibt es genügend Gyms), heisst das nicht, daß man nicht auch out-doors Sport betreiben kann. Unter Expats sind beliebt: Tennis (etliche Tennis-Clubs von Ausländern frequentiert, in Accra), Golf, social walking club ('Hash'), sogar Rudern und Segeln (in Big Ada/Ada Foah, ca 2 Stunden östlich von Accra). Ich lief jeden Abend meine Jogging-Runden, auch bei Harmattan.  

Viele Compounds oder Privathäuser haben private Swimmingpools (bei entsprechenden Kosten), ebenso alle besseren Hotels. Es gibt auch ein paar wenige empfehlenswerte öffentliche Swimmingpools.   Von Radsport würde ich dagegen abraten....  

Schwimmen an der Küste ist, obwohl es paradiesisch aussieht, nicht ganz ungefährlich aufgrund der West-Ost-Meeresströmung (Guinea-Strom), die einen ablandigen Sog verursachen und den Schwimmer in das Meer hinausziehen kann (etwa in dem ansonsten schönen Animabo, östlich von Cape Coast).

Verwaltung

Von der Verwaltung her ist Ghana korrekt, aber kein unbürokratisches Land.  

Der Reisende wird davon nicht all zuviel verspüren. Ein Einreisevisum zu erhalten ist nicht schwierig, auch eine Verlängerung im Land ist nicht kompliziert, evtl mit Berücksichtigung des obigen Kommentars einer geringen zusätzlichen Bezahlung.  

Für eine Arbeitsaufnahme im Land sind weitere Dokumente erforderlich, je nach Arbeitgeber und -Status sind diese unterschiedlich. Im Allgemeinen kann man aber sagen, daß dies wohlorganisiert und recht leicht zu bewerkstelligen ist, wenngleich manchmal mehr als eine Dienststelle aufgesucht werden muss, um ein benötigtes Dokument zu erhalten, etwa eine Übersetzung aus dem Deutschen, Bestätigung von der Deutschen Botschaft o.dgl. Alles machbar - mehr zum Verzweifeln sind die Anfahrtszeiten zu den jeweiligen Büros. Die Information, die man bei Behördengängen erhält, ist kompetent; Verwaltungsangestellte sind stets kooperativ und höflich - wiederum mit dem Vermerk der eventuellen zusätzlichen kleinen Zahlung.  

Für arbeitende Expats gibt es in der Institution oft einen Angestellten, der sich um diese Formalitäten kümmert.  

Je nach Aufenthaltsstatus sollte man sich u.U. nicht zu sehr auf die deutsche Botschaft verlassen. Es gibt zu viele Deutsche in Ghana als dass sich die Botschaft um den Einzelnen kümmern könnte. Die Botschaft verhält sich höflich, aber auch korrekt. Priorität wird auf Regierungskontakte (Diplomatie, BMZ, GIZ, KfW) gesetzt sowie auf Ausbau der Wirtschafts-Beziehungen. Im Notfall ist die Botschaft aber stets hilfsbereit.

Personal

Fast alle Expats beschäftigen eine oder mehrere Hausangestellte, die sich um das tägliche Leben, Essen, Reinigung, oft auch um das Einkaufen, die Kinder, den Garten kümmern. In den meisten Fällen sind diese eine angenehme Bereicherung des sozialen Lebens, geben oft auch einen Einblick in die ghanaische Mentalität.  

Der finanzielle Aufwand ist gering (maximal etliche Hundert $/Monat). Manche von ihnen werden als live-in maid angestellt (sofern man entsprechende Unterkunft anbieten kann, nicht unbedingt im innersten Hausbereich, sondern im Compound), manche arbeiten zu regulären Arbeitszeiten - je nach der Vorstellung des Expats. Es versteht sich von selbst, daß bei einem ausreisenden Ehepaar, bei dem nur ein Partner arbeitet, der andere das Hauspersonal aussucht. Es kommt natürlich auch vor, daß jüngere Damen sich zuerst als Hausangestellte anbieten, später aber auch für andere Dienste. Daher als allgemeine Empfehlung, eher etwas ältere Frauen für das Haus anzustellen.  

Zusätzlich zur monatlichen Bezahlung wird oft noch ein geringer Beitrag zur medizinischen Absicherung (eine Art Krankenversicherung) und am Ende eine Art Ablöse von einem Monatsgehalt pro Jahr Dienstleistung erwartet.   Ich habe in dieser Hinsicht nur positive Erfahrungen gemacht, weiß aber auch von negativen Erfahrungen anderer Expats.  

Wichtig ist ein gutes Einstellungsgespräch. Auf Empfehlung von Ghanaern sollte man sich nicht unbedingt verlassen, von früheren Arbeitgeber (auch falls schon wieder ausgereist) natürlich schon. Empfehlungsschreiben sind wertlos.  

Ein Sicherheits-watchman für die Nacht ist nicht empfehlenswert. Wenn man höchsten Wert auf Sicherheit im und am Haus legt, kann man einen Sicherheitsdienst beauftragen.

Natur und Klima

Es ist warm, und recht feucht (aber nicht heiß-schwül wie am Persischen Golf).  

Wenn man unterwegs ist, spürt man es vielleicht weniger, insbesondere nicht an den Stränden.  

In einem Büro, sehr stark auch im Norden, ist eine Klimaanlage allerdings eine Notwendigkeit für Expats. Fast alle haben auch eine Klimaanlage zu Hause, die - wie ich unter Freunden beobachtet habe - zwischen 1 und 24 Stunden am Tag läuft.  

Hier zu erwähnen sei auch der Harmattan, der Sandwind aus dem Nordosten, der Sahara. Er bläst zum Jahreswechsel in großer Höhe über Ghana und kann durchaus tagelang die Sonne verdunkeln. Manche Menschen mit empfindlichen Atemwegen leiden darunter. In manchen Jahren gibt es ihn nicht; im nächsten Jahr kann er aber auch von November bis März wehen (als Teil des globalen Thermikhaushaltes mit entsprechenden Strömungen).  

Ghana besteht aus hauptsächlich drei Klimazonen: dem tropischen Regenwald im Südwesten, der Küstensavanne an der schmalen Küste und der Feuchtsavanne im Norden. Der größte Teil Ghanas ist relativ flach und die Hälfte liegt niedriger als 150 Meter über dem Meeresspiegel. An der Grenze zu Togo sind ein paar Gebirge (bis zu 900 Metern) vorhanden. Die Fläche Ghanas ist vergleichbar mit der der alten Bundesrepublik Deutschland.  

Was die Tier und Pflanzenwelt betrifft, findet man in Ghana eine große Vielfalt. Das liegt natürlich auch an den Regenwaldgebieten. Diese hat sich aber innerhalb der letzten 50 Jahre leider von 85.000 Quadratkilometern auf grade einmal 40.000 Quadratkilometer verringert. Aufgrund der Rodung verringert sich der Regenwald jährlich um ca 1,7 Prozent. Das Umweltbewusstsein beginnt in Ghana gerade erst aufzukeimen. Noch ist das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung leider nur wenig ausgeprägt.

Sehenswürdigkeiten

Ghana bietet unglaublich viele Sehenswürdigkeiten. Wir haben hier die bekanntesten und bedeutendsten aufgelistet. Die Rangfolge ist zufällig.  

Volta-Stausee  

Der Volta-Stausee wurde komplett von Menschen erschaffen. Seine Größe ist vergleichbar mit der des Wattenmeeres in der Nordsee. Damit ist er der größte von Menschenhand erschaffene Stausee der Welt. Er wurde in den Jahren 1961-1966 gebaut. An ihm ist ein Wasserkraftwerk angeschlossen, welches einen wichtigen Teil des Stromes produziert.  

Nationalparks  

Ghana verfügt, wie so manch ein anderes afrikanisches Land, über eine Vielzahl an Nationalparks. Im Kakum Nationalpark, welcher etwa 350 Quadratkilometer groß ist und komplett im tropischen Regenwald liegt, ist es beispielsweise möglich eine Tour durch die Baumwipfel der riesigen Bäume zu machen. Der Mole-Nationalpark beheimatet über 350 verschiedene Vogelarten. Auch Elefanten, Büffel, Babuns, Hyänen, Löwen und andere afrikanische Tierarten leben dort.  

Larabanga-Moschee  

Die Larabanga-Moschee steht im Norden des Landes in einem Dorf namens Larabanga und ist die älteste Moschee Ghanas. Sie wurde 1421 eröffnet und seitdem mehrmals restauriert.  

Botanischer Garten von Aburi  

Der Botanische Garten von Aburi wurde Ursprünglich 1890 als landwirtschaftliche Forschungsstation von den Briten errichtet. Heute ist der botanische Garten frei zugänglich. Der Eintritt kostet umgerechnet ca. 1€.

Strände  

Neben Jahrhunderte alten Bauten und einer exotischen Tier und Pflanzenwelt hat Ghana auch wunderschöne Strände zu bieten. Jeder zehnte Bewohner aus Ghana lebt vom Fischfang – zum Baden nutzen die Einheimischen die Strände jedoch eher seltener. Vor dem Baden sollte man sich immer über die Strömungsverhältnisse informieren.  

Strand von Butre  

Der Strand von Butre ist zwar ein kleiner Geheimtipp, aber gleichzeitig auch eine Top-Adresse. Der Strand ist von Palmen umrandet und in der Nähe kann man auf dem gleichnamigen Fluss Bootstouren machen.  

Krokobite Beach  

Krokobite Beach befindet sich nur ca. 30 Km westlich von Accra, der Hauptstadt Ghanas, dennoch merkt man hier wenig von dem Großstadttrubel. Vor Ort befinden sich viele Strandbars und Hotels, in denen man essen und trinken kann. Jedoch: Von den Stränden bei Accra (Labadi, Kokrobite, Prampram etc) ist aufgrund der Menschenmengen und Verschmutzung eher abzuraten.

Axim Beach  

Auch der Axim Beach ist ein wunderschöner Strand, an dem nur ein einziges Hotel liegt. Gerade dieser Strand soll sehr ruhig und natürlich sein – also ideal um sich zu entspannen.  

Independence Square in Accra

Als Ghana 1957 als erstes schwarzafrikanisches Land 1957 unabhängig wurde, wurde der Independence Arch errichtet, welcher auch für den Beginn der Entkolonialisierung Afrikas steht.  

Tamale-Stadion

Das Tamale-Stadion wurde 2008 für die Fußball-Afrikameisterschaft erbaut. Es bietet Platz für 21.017 Zuschauer. Die Stadt Tamale, in welcher das Stadion gebaut wurde, liegt im Norden Ghanas.

Internet und Kommunikation

Es gibt eine Anzahl von Pay-TV-Providern, die für 100-200 $/Monat einen guten Service von internationalen Fernseh-Kanälen anbieten, natürlich auch DW, RTL, CNN, Sports-Kanäle etc.  

Diese Provider ermöglichen auch guten Internet-Zugang, der wie in Deutschland über WLAN (WiFi) im Haus leicht installiert werden kann.  

Für die mobile Internet-Verbindung kann man überall SIM-Karten kaufen, etwa in den offiziellen Vertretungen (z.B. für MTN in Osu), aber auch an kleinen Verkaufsständen. Manchmal muss man sich dafür ausweisen. In Ghana sind u.a. MTN, Vodafone, Glo, Tigo, Surfline vertreten, alle ok. SIM-Karten und Einheiten, die mit Nummern online freigeschaltet werden, sind sehr günstig (bereits für unter 10 €). Auch bargeldloses Bezahlen kleinerer Beträge hat bereits angefangen, in Deutschland noch undenkbar.  

Die Abdeckung von Telefon-Providern mit Internet in Ghana ist auch ausserhalb der Städte als recht gut zu bezeichnen, und wird jedes Jahr besser. 3G ist bereits meist Standard, 4G kommt stark.

Geld

Die ghanaische Währung (CD) sieht über die Jahre hinweg eine gewisse Devaluierung, kann aber international als stabil eingestuft werden, zumindest für die Zeitdauer einer Reise oder eines befristeten Arbeitsaufenthaltes. Für Spekulationen oder Investitionen ist er aber inflationär nicht ausreichend sicher.

Viel Geld-Wäsche und Transfer von obskuren, internationalen Quellen wird abgewickelt über Ghana. Daher sollte man die Finger lassen von merkwürdigem Geldwechsel und Investitions- oder Tauschobjekten.  

Banken und Wechselstuben (mit teilweisen besseren Kursen als Banken) gibt es viele und sind ok. Internationale Banken wie Ecobank, Access Bank, Barclays etc haben viele Filialen, sind gut online vertreten und ermöglichen auch Zahlungen in/aus dem Ausland. Oft empfiehlt es sich, ein Fremdwährungskonto in € anzulegen. Geldautomaten gibt es es in Accra überall, auch in allen anderen größeren und mittleren Städten.

Wo in Accra

Noch ein letztes Wort zu Accra: Noch vor 10-20 Jahren waren Expats im öffentlichen Leben fast ausschließlich in Accra in den Stadtteilen Osu (mehr als Geschäftsviertel), Cantonment und unmittelbarer Umgebung (Wohngegend) und Airport Residential anzutreffen. Dies hat sich aber in den letzten Jahren auf andere Ortsteile ausgeweitet, sehr stark geht eine derartige Entwicklung in Richtung East Legon.

Viel Spaß in Ghana, einem herrlichen und interessanten Land!