Ausgewandert nach: Bangkok, Thailand

Julian mit seinem ehemaligen Straßenhund Tawan (= "Sonnenschein"), den er im Januar 2025 adoptiert hat.

Eckdaten:

Wer – Julian, 27 Jahre

Ehemaliger Wohnort – Wien, Österreich

Neuer Wohnort – Bangkok, Thailand

Jahr der Auswanderung – 2023

Alter Beruf – Software-Vertrieb & Beratung

Neuer Beruf – Arbeit für ein Thai Unternehmen

Warum Bangkok? Der Entschluss zur Auswanderung

Der Wunsch nach Veränderung wuchs bei Julian über einen längeren Zeitraum hinweg. Das europäische Hamsterrad, geprägt von Routinen und Leistungsdruck, wollte er hinter sich lassen. Er sehnte sich nach mehr Freiheit, Sonne und Dynamik – und fand all das in Thailand. 2023 fasste er schließlich den Entschluss, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und auszuwandern.

Vorbereitung, Bürokratie und erste Kosten

Auf die neue Lebensphase bereitete sich Julian eigenständig vor. Über Online-Foren, Facebook-Gruppen und den Austausch mit anderen Expats eignete er sich das nötige Wissen an. „Die wichtigsten Infos habe ich mir selbst zusammengesucht“, sagt er rückblickend.
Während in der alten Heimat kaum bürokratische Hürden zu überwinden waren – ein gültiger Reisepass reichte aus – erwarteten ihn in Thailand diverse Behördengänge. Visum, Krankenversicherung, Führerschein und Meldebestätigung gehörten zu den notwendigen Schritten. Der bürokratische Aufwand sei zwar nicht zu unterschätzen, aber durchaus machbar gewesen.

Finanziell gab Julian für den Start rund 15.000 Euro aus, unter anderem für Flug, Wohnung und ein Motorrad. Aktuell lebt und arbeitet er mit einem Arbeitsvisum in Thailand – und hat damit den Schritt in ein neues, selbstbestimmteres Leben gewagt.

Alltag in Bangkok – so lebt es sich wirklich

Wohin genau in Thailand bist du gezogen? Warum gerade dieser Ort?
Ich lebe in Bangkok. Die Stadt bietet einfach alles – berufliche Möglichkeiten, internationales Leben, gutes Essen und Energie pur. Ich bin ein Großstadtmensch, also passt das perfekt.

Wie verlief deine Ankunft in Thailand?
Ich kannte niemanden vor Ort und habe bei null angefangen. Aber durch die Arbeit und Muay Thai Training habe ich schnell Anschluss gefunden.

Wie bist du in Thailand untergekommen?
Ich habe eine Wohnung in Bangkok über eine bekannte Makler Agentur gefunden. Mietverträge sind unkompliziert, Lebenshaltungskosten (je nach Lifestyle) niedriger als zuhause. Wer auf westliche Lebensmittel nicht verzichten möchte, z.B. Steak in guter Qualität, Käse etc. Muss mit höheren Kosten rechnen. Das nehme ich aber gerne in Kauf.

Wie empfindest du die Lebensqualität, das Klima und die Infrastruktur in deinem neuen Zuhause?
Die Lebensqualität ist für mich top – warmes Klima, gutes Essen, niedrige Fixkosten. Die Infrastruktur ist in Bangkok sehr gut und man kommt in der Regel sehr schnell von A nach B und findet alle Annehmlichkeiten in unmittelbarer Nähe. Natürlich gibt es abends eine sehr lange „Rush Hour“ welche irritierend ist. Diese sollte man vermeiden.

Kontakte, Sprache und kulturelle Unterschiede

Wie unterscheidet sich das Leben in Thailand von deinem früheren Alltag?
Der Alltag hier ist entspannter, das Leben fühlt sich freier an. Gleichzeitig muss man sich mehr selbst organisieren und ist für sich selbst verantwortlich – für mich kein Problem.

Wie leicht oder schwer war es, Kontakte vor Ort zu knüpfen?
Kontakte mit Expats findet man leicht – über Sport, Facebook, Events. Mit Thailändern dauert es etwas länger, und Freundschaften sind oftmals nicht so innig. Das ist etwas, was man aufgrund des kulturellen Unterschieds in Kauf nehmen muss. Je mehr man sich anpasst und auch die Landessprache lernt, desto besser funktioniert es.

Sprichst du Thai?
Ich spreche (noch) nicht fließend Thai, aber komme im Alltag gut zurecht – vor allem in Bangkok, wo viele Englisch sprechen. Ich lerne aber regelmäßig Vokabeln dazu was mir sehr hilft, wenn ich z.B. am Land Urlaub mache.

Welche kulturellen Unterschiede sind dir besonders aufgefallen?
Der Umgang ist viel höflicher, weniger direkt als in Europa. Es ist wichtig zwischen den Zeilen zu lesen und Akzeptanz dafür zu entwickeln, wenn die Dinge mal anders ablaufen als erwartet.

Gibt es Dinge, die dir im Alltag fehlen?
Mir fehlen manchmal alte Kindheitsfreunde und kulinarische österreichische Klassiker wie z.B. Kaiserschmarren, und die unberührte Natur (in Thailand ist alles extrem dicht besiedelt). Sonst vermisse ich nichts.

Was hast du durch das Leben in Thailand über dich selbst gelernt?
Ich habe gelernt, dass ich mich überall durchschlagen kann – mit Mut, Disziplin und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Julians Fazit und Tipps für alle, die eine Auswanderung nach Thailand planen

Rückblickend beschreibt Julian seine Auswanderung nicht als Herausforderung, sondern als Abenteuer. Zweifel an seiner Entscheidung hatte er nie. Und wenn doch mal Unsicherheiten oder Heimweh auftreten, begegnet er diesen Gefühlen ganz bewusst; mit Erinnerungen an seine Heimat, Gesprächen mit Freunden und Familie sowie dem Blick auf alte Bilder.

Auch im Nachhinein würde Julian nichts anders machen. Für andere Auswanderer hat er klare Empfehlungen: Wer in Thailand arbeiten oder dort online Geld verdienen möchte, sollte sich vorab gut absichern – insbesondere in Bezug auf Visa, Steuern und Versicherungen. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell und ein stabiles zweites Standbein seien entscheidend. Flexibilität, Eigenständigkeit und Erfindergeist gehören für ihn ebenfalls dazu.

Sein Rat an Deutsche, die über eine Auswanderung nachdenken, ist ehrlich und nüchtern: Thailand sollte nicht romantisiert werden. Das Land biete viele Chancen, erfordere aber Struktur, Disziplin, Resilienz und ein echtes Verständnis für die kulturellen Unterschiede. Wer mit einem klaren Plan kommt, könne sich hier jedoch ein selbstbestimmtes Leben aufbauen.

Das könnte Sie interessieren