Business Development Manager in Schottland

Ausgewanderte Personen:
Yvonne, 40 Jahre

Beruf:
Business Development Manager

Wohin (Land/Stadt):
Schottland, Edinburgh

Wann:
1995

Warum sind Sie ausgewandert?
Ich habe mich in Deutschland einfach nicht so wohl gefühlt. Leistungsdruck, soziale Erwartungen von Reichtum und Erfolg waren in meinem damaligen Alter sehr erschreckend.

Was waren die größten Hürden/Schwierigkeiten/Überraschungen bei der Auswanderung?
Die Auswanderung selbst war problemlos, man packt seine Sachen, bucht einen Flug und findet dann auch schnell eine Wohnung und Anschluss (wenn auch nur oberflächlich). Die Jobsuche war da schon eine andere Sache. Ein deutscher Abschluss ist bei Firmen nicht wirklich anerkannt und generell wird davon ausgegangen, dass das einzige, was in einen Job mitgebracht wird, die deutsche Sprache sei. Ich habe nach 6 Monaten einen Job angeboten bekommen, nicht wegen meiner Qualifizierung und Ausbildung, sondern weil ich Deutsch konnte. Somit bin ich in die Reisebranche gerutscht.

Die Schotten haben auch ein sehr ausgeprägtes Insel-Denken. Man ist selbst nach 15 Jahren im Land mit schottischem Akzent immer noch Ausländer. Die erste Frage, die mir in einem Taxi gestellt wird, ist immer noch: "Where are you from?"

Was war das schönste/lustigste Ereignis seit der Auswanderung?
Die schottische Landschaft ist wunderschön und wenn man in Edinburgh lebt, kann man innerhalb von 20 Minuten Fahrt schon in der Wildnis sein. Integration ist gut möglich, ich habe Freunde sowohl deutscher als auch schottischer und internationaler Herkunft. Und Edinburgh selbst wird immer mehr "cosmopolitan".

Was sind die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Ihrem Auswanderland?
Wo Deutsche manchmal zu direkt und ehrlich sind, sind die Schotten genau das Gegenteil. Wenn sie fragen "How are you?" heißt das nicht, dass sie daran interessiert sind, wie es dir geht. An diese soziale Oberflächlichkeit muss man sich gewöhnen. Und ja, dann ist da noch der 2. Weltkrieg, der nach britischem Denken ja erst letzte Woche zuende gegangen ist.

Was vermissen Sie am meisten an Deutschland? Was machen Sie gegen Heimweh?
Am meisten vermisse ich das Essen, einen guten bayerischen Schweinsbraten. Und natürlich meine Freunde und Familie. Die Berge mit wunderbaren Pulverschnee und das deutsche Gesundheitswesen. Ich fahre darum so oft ich kann nach Deutschland zu Besuch. Mit dem Flugzeug direkt nach München bin ich inzwischen zirka 6-mal im Jahr dort.

Ihr Ratschlag für zukünftige Auswanderer:
Am besten versuchen Sie sich einen Job im Heimatland zu arrangieren. Krankenversicherung in Deutschland würde ich beibehalten, so weit das möglich ist. Von den Briten und Schotten nicht zu viel erwarten und damit umgehen können, dass Herzlichkeit oft nur auf der Oberfläche vorhanden ist.