Deutscher Reisepass verliert an Reichweite – bleibt aber ein Türöffner zur Welt
20.01.2026Deutscher Pass auf Platz 4 im weltweiten Vergleich
Noch vor zwei Jahren führte der deutsche Reisepass das Ranking des „Henley Passport Index“ an. Im Jahr 2026 ist er jedoch auf den vierten Platz zurückgefallen. Für deutsche Staatsbürger bleibt die Reisefreiheit dennoch hoch – sie können weiterhin visafrei in 185 Länder reisen. Zum Vergleich: 2025 waren es noch 192 und 2024 sogar 194 Länder.
Viele europäische Länder in den oberen Rängen
Den vierten Platz teilt sich Deutschland mit neun weiteren europäischen Staaten: Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, den Niederlanden und Norwegen. An der Spitze des Rankings steht wie bereits in den Vorjahren Singapur, diesmal als einziges Land. Platz zwei teilen sich Japan und Südkorea, während der dritte Platz von fünf europäischen Ländern belegt wird. Dänemark, Luxemburg, Spanien, Schweden und die Schweiz liegen mit jeweils 186 visafrei zugänglichen Ländern knapp vor Deutschland.
Die USA liegen derweil auf dem zehnten Platz, mit 179 Ländern. Das bedeutet eine Verschlechterung um einen Platz im Vergleich zu 2025 sowie sieben Länder weniger, die US-Amerikaner visafrei bereisen können.
Das Schlusslicht des Rankings bildet zum achten Mal in Folge Afghanistan: Afghanische Staatsbürger können lediglich 24 Länder ohne vorheriges Visum bereisen. Insgesamt schneiden vor allem zentralasiatische und afrikanische Staaten im Ranking schlecht ab, wie beispielsweise Syrien, Irak, Libyen oder die Demokratische Republik Kongo.
Seit bereits 20 Jahren erstellt Henley & Partners, ein weltweit tätiges Beratungsunternehmen für Aufenthalts- und Staatsbürgerfragen, jährlich den Passport Index. Er basiert auf den Daten der International Air Transport Authority (IATA) und beinhaltet 199 Pässe sowie 227 verschiedene Reiseziele. „Visafrei“ bedeutet im Ranking des „Henley Passport Index“ nicht automatisch, dass man komplett ohne Formalitäten in das jeweilige Zielland einreisen kann. Darunter fallen nämlich auch Länder, in denen man ein Visum bei Ankunft („Visa on Arrival“), eine Besuchererlaubnis („Visitor’s Permit“) oder eine elektronische Einreisegenehmigung („ETA - Electronic Travel Authority“) beantragen kann bzw. muss.
Entwicklung der deutschen Reisefreiheit
Seit 2011 rangierte Deutschland im Ranking auf dem ersten bis dritten Platz. Einen ähnlich niedrigen Rang wie dieses Jahr belegte Deutschland zuletzt 2010, als es Platz fünf erreichte. Damals konnten deutsche Reisende in „nur“ 161 Länder visafrei einreisen; das Vereinigte Königreich lag mit 166 Ländern auf Platz eins.
Die Höchstanzahl der Länder, in die man ohne Visum reisen kann, hat sich im gesamten Ranking über mehrere Jahre kontinuierlich gesteigert, bis hin zu einem Maximum von 195 Ländern im vergangenen Jahr. 2025 lagen noch insgesamt 20 Staaten bei oder über der Schwelle von 190, darunter auch Deutschland. Jetzt, nur ein Jahr später, ist Singapur das einzige Land, mit dessen Pass die visumfreie Einreise in über 190 Ländern möglich ist.
In sieben Ländern gibt es dieses Jahr laut Passport Index eine neue Visumpflicht für Deutsche: Burkina Faso, Irak, Malawi, Mauretanien, Myanmar, Pakistan und Somalia. Bis März 2025 gab es für Irak-Reisende mit deutschem Pass ein Visum bei Ankunft; das wurde allerdings abgeschafft und eine E-Visumpflicht eingeführt. Auch Burkina Faso, Mauretanien, Myanmar und Somalia waren vergangenes Jahr noch als visafrei zugängliche Länder gelistet, mit der Möglichkeit, ein Visum bei Ankunft zu erhalten. Ebenso Pakistan, wo 2025 noch eine elektronische Einreisegenehmigung ausreichte.
Wohin können Deutsche 2026 problemlos reisen?
Trotz der leichten Verschlechterung bleibt der deutsche Pass einer der weltweit stärksten. So steht auch im Jahr 2026 deutschen Staatsbürger die Welt offen. Für Aufenthalte in den nord-, zentral- und südamerikanischen Ländern ist kein einziges vorab beantragtes Visum nötig, oftmals man kann sogar mehrere Monate im Land bleiben. In Mexiko z.B. sind sechs Monate Aufenthalt ohne Visum möglich. Auch nahezu alle Karibikstaaten lassen sich problemlos bereisen – lediglich für Kuba ist ein Visum erforderlich. Dieses muss online beantragt werden.
Die meisten Länder, für die Deutsche ein Visum benötigen, befinden sich in Afrika oder Zentralasien. Darunter sind viele, bei denen das Visum online beantragt werden kann oder sogar muss, was den Prozess in der Regel deutlich vereinfacht.
Der Index bezieht sich übrigens rein auf touristische Aufenthalte. Personen, die im Ausland arbeiten möchten, z.B. in Form von Work and Travel oder auch als digitale Nomaden, benötigen ggf. ein gesondertes Visum. Jedes Land handhabt dies unterschiedlich, eine umfassende Vorbereitung ist daher unbedingt notwendig.
Wichtige Hinweise zur Reiseplanung
Unabhängig vom Reiseziel muss stets auf die Mindestgültigkeit des Reisepasses geachtet werden. In der Regel beträgt diese mindestens sechs Monate bei Einreise. Läuft der Pass früher ab, kann es sein, dass die Einreise verweigert wird – selbst in Ländern, wo kein Visum nötig ist. Zudem verlangen einige Staaten bereits bei der Einreise einen Ausreisenachweis, etwa in Form eines Rück- oder Weiterflugtickets.
Grundsätzlich gilt bei jeder Reiseplanung: Einreisebestimmungen können sich jederzeit und oft kurzfristig ändern. Um einen reibungslosen und unbeschwerten Start im Zielland zu gewährleisten, empfiehlt es sich daher, sich frühzeitig und bis kurz vor der Abreise regelmäßig über die aktuellen Vorgaben zu informieren.
Deutsche sind weiterhin privilegiert beim Reisen
Auch wenn der deutsche Reisepass im Henley Passport Index 2026 nicht mehr an der Spitze steht, bleibt er weiterhin hochgradig privilegiert. Mit visafreiem Zugang zu 185 Ländern bietet er nach wie vor große Reisefreiheit – sowohl für Urlauber als auch für Auswanderer. Der leichte Abstieg im Ranking ändert also wenig daran, dass der deutsche Pass international weiterhin zu den reisefreundlichsten Pässen der Welt gehört.
