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Verlangt Bali bald Kontoauszüge von seinen Besuchern?

19.02.2026

Bali prüft Kontoauszugspflicht bei der Einreise – was das für digitale Nomaden bedeutet

Die indonesische Insel Bali, beliebtes Reiseziel für Strandliebhaber und digitale Nomaden, diskutiert neue Einreiseregeln. Anfang des Jahres berichtete die indonesische Nachrichtenagentur ANTARA News, dass die Provinzregierung von Bali unter Gouverneur Wayan Koster plane, internationale Touristen künftig nach ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit zu prüfen. Demnach soll die Höhe der Gelder auf den Spar- bzw. Bankkonten der letzten drei Monate als Kriterium für die Einreise dienen, ergänzt um Angaben zur geplanten Aufenthaltsdauer und zu den Reiseplänen insgesamt.

Warum Bali die Einreise stärker regulieren will

Gouverneur Koster verwies darauf, dass Bali im Jahr 2025 über 7 Millionen ausländische Ankünfte verzeichnete, ein historischer Höchststand. Dem gegenüber stehen weniger als 5 Millionen Einwohner. Die steigenden Besucherzahlen bringen auf Bali diverse Herausforderungen in den Bereichen Umwelt, Infrastruktur und soziales Miteinander mit sich. 

Die Provinzregierung möchte sich vom Massen- und Partytourismus abwenden und stattdessen auf sogenannten „Qualitätstourismus" setzen – also Gäste mit stabilen finanziellen Verhältnissen, die länger bleiben und nachhaltiger konsumieren. Eine Stoßrichtung, die für digitale Nomaden und Auswanderer grundsätzlich positiv ist: Wer ohnehin plant, mehrere Monate auf Bali zu leben und zu arbeiten, passt genau in dieses Profil.

Was aktuell bei der Einreise gilt

Wer jetzt nach Bali einreist oder einen längeren Aufenthalt plant, sollte folgende bestehende Regelungen kennen:

Bereits seit 2024 wird eine Tourismusgebühr von 150.000 IDR (ca. 8 EUR) fällig. Die Zahlung ist vor Ort möglich, lässt sich aber zur Vermeidung von Wartezeiten bequem vorab online erledigen.

Seit Oktober 2025 ist zudem eine digitale Einreisekarte (Arrival Card) Pflicht für alle Einreisenden über internationale Flughäfen. Sie kann frühestens 72 Stunden vor Ankunft ausgefüllt werden. Papierbasierte Zoll- und Gesundheitserklärungen entfallen damit vollständig.

Verhaltensregeln und kulturelle Pflichten – wichtig für längere Aufenthalte

Wer längere Zeit auf Bali lebt, sollte die geltenden Verhaltensregeln von Anfang an kennen und respektieren – sie gelten unabhängig vom Aufenthaltsstatus:

Heilige Tempel dürfen nur in traditioneller balinesischer Kleidung betreten werden; menstruierende Frauen sind vom Besuch bestimmter Bereiche ausgeschlossen. Balinesische Bräuche, Traditionen und kulturelle Praktiken sind besonders während Zeremonien zu beachten. Angemessene Kleidung ist in Tempeln, an touristischen Attraktionen und im öffentlichen Raum Pflicht.

Touren zu Kultur- oder Naturstätten dürfen nur mit lizenzierten Guides unternommen werden, Währungstausch ausschließlich bei autorisierten Wechselstellen. Es gelten lokale Verkehrsregeln, und nur lizenzierte Transportmittel dürfen genutzt werden. Das Besteigen heiliger Bäume oder Monumente, Littering, die Nutzung von Einwegplastik, aggressives Verhalten sowie jede Arbeit ohne offizielle Genehmigung sind streng verboten – Letzteres ist besonders für Nomaden relevant, die ohne entsprechendes Visum arbeiten.

Neues Strafrecht seit Januar 2026 – erhöhte Vorsicht geboten

Für alle, die in Indonesien leben oder arbeiten, ist das seit Jahresbeginn geltende neue Strafgesetzbuch besonders relevant. Außerehelicher Geschlechtsverkehr kann mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden, ebenso das Zusammenleben unverheirateter Paare. Anzeigen dürfen allerdings ausschließlich Kinder, Eltern oder Ehepartner der Betroffenen stellen – was eine willkürliche Anwendung gegenüber Fremden einschränken soll, aber keine Garantie bietet.

Bis zu drei Jahre Gefängnis drohen für Beleidigungen gegen den Präsidenten, Vizepräsidenten, die Regierung oder staatliche Institutionen. Auch Blasphemie kann mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden. Für Menschen, die dauerhaft oder längerfristig in Indonesien leben, gilt: Erhöhte Vorsicht bei öffentlichen Äußerungen – auch und besonders im Internet und auf Social Media.

Fazit: Was bedeutet das konkret für digitale Nomaden?

Sollte die Kontoauszugspflicht kommen, könnte sie für digitale Nomaden mit stabilem Einkommen sogar ein Vorteil sein: Weniger Kurzzeittourismus bedeutet potenziell eine ruhigere Infrastruktur, entspanntere Co-Working-Spots und ein stabileres Umfeld zum Leben und Arbeiten. Ob gleichzeitig mehr bürokratischer Aufwand bei der Einreise entsteht, hängt vollständig von der konkreten Umsetzung ab – über die es bislang keine klaren Aussagen gibt.

Stand heute bleibt der Vorschlag ein unverbindlicher Entwurf. Wer Bali als Wohn- oder Arbeitsort im Blick hat, sollte die Entwicklung aktiv verfolgen, sich nicht auf erste Schlagzeilen verlassen und die Einreisevoraussetzungen kurz vor Abreise erneut prüfen.