Auswandern: die finanzielle Planung

So gibt es kein böses Erwachen

Auswandern kann eine sehr romantische Vorstellung sein. Alles hinter sich lassen, neu starten und in einem neuen Land endlich frei sein. Die Realität zeigt jedoch, dass auch mit einem Neustart im Ausland die Verpflichtungen nicht gänzlich aufhören. Natürlich kann sich das Leben ändern, aber viele Faktoren bleiben gleich. Ganz egal, in welchem Land eine Person lebt – Geld wird stets für den Lebensalltag benötigt.

Doch wie viel Geld ist in den jeweiligen Ländern für das Auswandern nötig? Wie lebt es sich finanziell dort und was passiert, wenn ich zu wenig Geld angespart habe, aber schon ausgewandert bin?

Ansprüche kennenlernen

Um herauszufinden, wie viel Geld für das Auswandern realistisch nötig ist, hängt vom eigenen Lebensstil ab. Die persönlichen Ansprüche entscheiden darüber, ob jemand mit weniger oder mehr im Leben zufrieden ist. Generell gilt, dass sich die Ansprüche mit dem Alter verändern, sodass sich beispielsweise die junge Generation nicht mit Senioren vergleichen lassen, wenn es um das Auswandern geht. Wer als Rentner auswandert, hat andere Wünsche und Träume als junge Menschen, die beispielsweise nach ihrer Ausbildung auswandern.

Lebenshaltungskosten

Wem nun bewusst ist, welche Ansprüche man selbst hat, sollte sich einen genauen Überblick über die eigenen Lebenshaltungskosten verschaffen. Das bedeutet, dass alle Ausgaben des täglichen Lebens in einer Liste zusammengefasst werden. Dem gegenüber stehen die regelmäßigen Einnahmen zum aktuellen Zeitpunkt.

Auf diese Weise ergibt sich eine Übersicht über Ein- und Ausgaben sowie über einen potenziellen Sparbetrag pro Monat. Dadurch können zukünftige Auswanderer herausfinden, wie viel Geld sie monatlich zum Sparen zur Verfügung haben und wie lange es dauert, für das Auswandern Geld zur Seite zu legen.

Doch nicht nur die Lebenshaltungskosten zum jetzigen Zeitpunkt spielen beim Auswandern eine Rolle. Wer sich ein neues Leben im Ausland aufbauen möchte, muss auch wissen, wie es im Alltag finanziell dort aussieht.

Wie teuer ist eine Krankenversicherung? Wie viel kosten Lebensmittel? Was muss in Sachen Miete geplant werden? Das und vieles mehr gehören zu den Kosten im Ausland, die – ebenso wie hier – zusammengerechnet werden müssen.

Vier einzelne Schritte sind nötig, um herauszufinden, wie viel Geld für das Auswandern gebraucht wird.

  1. Ansprüche: Im ersten Schritt müssen Auswanderer ihre eigenen Ansprüche kennenlernen und ernsthaft sowie objektiv hinterfragen. Was will und brauche ich und worauf kann und möchte ich nicht verzichten?
  2. Aktuelle Lebenshaltungskosten: Der zweite Schritt ist eine Übersicht der aktuellen Einnahmen und Ausgaben. Dadurch lernt der künftige Auswanderer genau kennen, wie viel Geld ihm aktuell zur Verfügung steht und wohin Ausgaben eigentlich fließen.
  3. Zukünftige Lebenshaltungskosten: Im dritten Schritt geht es erneut um die Lebenshaltungskosten, allerdings um jene im Ausland. Diese Werte sind natürlich nur theoretisch, aber dafür sehr wichtig. Der künftige Auswanderer muss wissen, wie viel Geld im gewählten Land für die alltäglichen Dinge benötigt werden. Gleichzeitig müssen auch die Einnahmen geplant werden, sodass sich erneut eine Übersicht über voraussichtliche Einnahmen und Ausgaben ergibt.
  4. Sparpotenzial: Bei diesem vierten Punkt findet eine Person heraus, wie viel Geld monatlich zurückgelegt werden kann, um sich den Traum vom Auswandern zu finanzieren. Gleichzeitig hilft Punkt 3 dabei, auch das Sparen im Ausland möglich zu machen. Wer bereits jetzt plant, dass immer etwas Sparpotenzial bleibt, läuft weniger Gefahr in finanzielle Engpässe zu geraten.

Die Zahlen – so teuer ist das Leben im fremden Land

Kommen wir zum praktischen Teil. Wie teuer ist es nun, ins Ausland auszuwandern? Natürlich lässt sich keine pauschale Antwort darauf geben, denn wie bereits gelernt, so kommt es rein auf die persönlichen Ansprüche, aber auch auf die Lebenshaltungskosten im gewählten Land an.

Wichtig: Wer eine feste Anstellung in Aussicht hat, muss sich dennoch informieren, ob das Gehalt zu den dortigen Ansprüchen passt. Wenn eine Person zum Beispiel 1.500 Euro netto verdient und das in seinem aktuellen Leben als sehr guten Verdienst ansieht, kann es sein, dass dieses gleiche Gehalt im Ziel-Land zu wenig Geld ist, um die gleichen Ansprüche zu decken.

Blicken wir nur auf Europa, so ist die Schweiz in Sachen Lebenshaltungskosten das teuerste Land. Der Indexwert liegt in der Schweiz bei 158,5. Übersetzt bedeutet das, dass es in der Schweiz in etwa 60 Prozent teurer als in Deutschland ist (Indexwert 100 als Basis).

Auch in anderen Ländern liegt der private Verbrauch preislich höher als in Deutschland, unter anderem in Irland (Index 121,4) oder Luxemburg (119,2).

Es gibt aber natürlich auch Länder, in denen die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger als in Deutschland sind. Auch das lässt sich mit dem Indexwert beschreiben. In Mazedonien liegt dieser bei 45,3 und in Bulgarien bei 46,1.

Die Weltbank bietet ebenfalls einen internationalen Vergleich zwischen den weltweiten Lebenshaltungskosten in verschiedenen Ländern. Auch dadurch zeigt sich, dass es große Unterschiede gibt. In Australien zu leben ist beispielsweise teurer als in Paraguay. Im Vergleich ist aber auch das Gehalt niedriger bzw. höher.

Achtung: Die Kosten für typische Ausgaben können auch von Stadt zu Stadt unterschiedlich sein. Auswanderer müssen daher nicht nur das jeweilige Land betrachten, sondern auch die Region und die gewählte Stadt. Selbst Stadtteile können einen großen Unterschied ausmachen.

Sparen für das Auswandern

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Bereits im Vorfeld des Sparens sollten Auswanderer je nach Zielland ein gewisses finanzielles Polster aufgebaut haben. Zwar ist es teilweise möglich, auch im Ausland einen Kredit aufzunehmen, die Hürden wären aber weitaus höher. Alternativ zum Sparen bietet sich ein hiesiger Kredit an, jedoch muss abgewägt werden, ob das eine sinnvolle Strategie ist. Hierfür können entsprechende Online-Portale hilfreich sein, um sowohl Kreditbeträge, Zinsen und Laufzeiten auszuloten. Eine Verpflichtung mehr bedeutet auch, die laufenden Kreditkosten decken zu können. Dadurch ist die Abhängigkeit zum Job stärker, sodass die Flexibilität leidet.

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Startkapital zum Auswandern berechnen

Die Lebenshaltungskosten sind der eine Part, der vor allem relevant ist, wenn es um das alltägliche Leben im neuen Land geht. Doch bis es soweit ist, müssen Auswanderer viele weitere Hürden erfolgreich meistern. Ein gewisses Startkapital wird benötigt, um unter anderem Möbel anzuschaffen oder gewisse Zeiten zu überbrücken.

  • Lebenshaltungskosten: Dieser Punkt betrifft vor allem das alltägliche Leben, jedoch sollte im Startkapital schon so hoch ausfallen, dass die ersten Monate auch ohne festen Job überbrückt werden können.
  • Wohnen: Auswanderer können sowohl zur Miete als auch im Eigenheim leben, jedoch bietet sich beim Auswandern vor allem ein Miethaus oder eine Mietwohnung an. Diese laufenden Kosten sollten ebenfalls für einige Monate überbrückt werden können, wenn beispielsweise ein Job ausfällt.
  • Arbeitsmarkt: Hat der Auswanderer schon einen festen Job und wie sieht dieser vertraglich aus? Dieser Punkt ist sehr relevant, weil er darüber entscheidet, für wie viele Monate eventuell die Kosten überbrückt werden müssen, wenn es sich vielleicht um einen Probevertrag handelt oder eine sehr kurze Kündigungsfrist vereinbart wurde.
  • Familie: Wer alleine auswandert, hat natürlich weniger Kosten. Dennoch wandern auch viele Familien auf. Hier müssen die Kosten entsprechend erhöht geplant werden, um auch die Kinder oder den Partner finanzieren zu können.
  • Unvorhergesehenes: Wie in jedem Land, so kann auch in der neuen Wahlheimat etwas Unvorhergesehenes passieren. Seien es kaputte Geräte, ein verlorener Job oder andere, schwierige Situationen. Hierfür muss genügend Kapital als Notgroschen vorhanden sein.

Doch was bedeutet das in Zahlen? Das lässt sich leider nicht festlegen, da jeder Mensch und jedes Land anders ist. Wer im Ziel-Land vielleicht nur 300 Euro pro Monat für Lebensmittel benötigt, für 500 Euro zur Miete wohnt und einen guten, festen Job hat, könnte beispielsweise mit ein paar tausend Euro den Ausstieg in das neue Land wagen. Dieser Fall ist aber sehr optimistisch, da ein Job nicht immer so fest ist, wie er erscheint und Lebenshaltungskosten oft teurer sind als ursprünglich angenommen. Auch das Leben könnte sich im neuen Land dahingehend verändern, dass sich die eigenen Ansprüche anpassen – sodass auch die Kosten steigen. All das muss beachtet werden, sodass möglichst viel Geld auf der hohen Kante stets der beste Ratschlag ist.