Ranking Deutsche mit Wohnsitz im europäischen Ausland

Auswandererzahlen: Dahin zieht es Deutsche in Europa

19.05.2022

Gerade in Europa ist die Mobilität groß. Aus beruflichen, aber auch privaten Gründen verlassen viele Deutsche ihr Heimatland und ziehen ins europäische Ausland. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat hier eine neue Statistik herausgebracht.

Wie viele Deutsche im Ausland leben, ist schwierig zu sagen. Dafür müsste man zunächst auch definieren, wann jemand zu dieser Gruppe „Deutsche“ zählt: Solange er noch einen deutschen Pass hat? Wenn er in Deutschland geboren wurde? Wenn seine Eltern in Deutschland geboren wurden?

Rein statistisch können vor allem die Personen gezählt werden, die einen deutschen Pass besitzen und ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Melden sich diese in Deutschland ab und in einem anderen Land an – oder geben bei der Abmeldung ihre nächste Meldeadresse an, können Statistiken erhoben werden. Ganz präzise werden diese Zahlen nie sein, aber sie geben zumindest einen Eindruck.

Wo haben Deutsche in Europa ihren Wohnsitz?

Eine aktuelle Statistik des Statistischen Bundesamts (Destatis) zeigt, wohin es Deutsche innerhalb Europas zieht. Ein großer Vorteil: Hier kann man oftmals ohne Visum problemlos umziehen. Eindeutiger Gewinner in 2021 war die Schweiz. Hier lebten 2021 rund 309.000 deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Laut Destatis nimmt diese Zahl seit Jahren kontinuierlich zu. Im vergangenen Zeitraum zogen rund 0,7%, also ca. 2100 Deutsche, in die Schweiz. Zudem gab es in unserem Nachbarland zeitgleich ungefähr 6900 Einbürgerungen von Deutschen.

Auch hier stellt sich die Frage, ob diese nun in der nächsten Statistik noch als Deutsche im Ausland zählen oder sind es nun Schweizer? Rein rechtlich ist eine doppelte Staatsbürgerschaft natürlich möglich. Sobald sie eine weitere Staatsangehörigkeit haben, werden sie laut Destatis nicht mehr als „Deutsche im Ausland“ gezählt. Entsprechend wird die Zahl der ursprünglich ausgewanderten Deutschen ungleich höher sein.

Zehn beliebtesten Auswandererländer in Europa

Neben der Schweiz sind Österreich und Spanien in 2021 am beliebtesten gewesen. In Österreich leben laut Statistik aktuell 209.000 Deutsche bzw. sie haben dort ihren Wohnsitz. In Spanien sind es 140.000. Danach folgen Frankreich und die Niederlande mit ca. 83.000 bzw. 81.000 Deutschen und dann schon deutlich abgeschlagen Belgien, Italien, Schweden, Dänemark und Norwegen (Zahlen siehe Grafik).

Arbeiten in einem anderen Land der EU

Wie gut die Freizügigkeit in der EU angenommen wird, zeigt eine andere Statistik. Mehr als 6,6 Millionen EU-Bürger arbeiteten 2021 in einem anderen EU-Land ohne die dortige Staatsbürgerschaft zu besitzen. Zählt man hier die doppelten Staatsbürgerschaften hinzu, sieht man, welche Mobilitäten es im Herzen Europas gibt.

Interessant: Anders als bei den „normalen“ Auswanderungen in Europa, ist bei der Arbeitsaufnahme im Ausland die Wirtschaftskraft und das Arbeitsangebot natürlich mitentscheidend. So arbeiteten 2021 mehr als 2,5 Millionen EU-Bürger in Deutschland (die keinen deutschen Pass besitzen). Hingegen arbeiteten in Spanien beispielsweise gerade einmal 800.000 EU-Bürger (ohne spanische Staatsangehörigkeit).

Diese Staatsangehörigkeit nehmen Deutsche am liebsten an

Wer auswandert, kann in seinem neuen Heimatland durch den Erwerb der dortigen Staatsangehörigkeit viele Vorteile erhalten. Und dank der Möglichkeit der doppelten Staatsangehörigkeit in der EU machen auch immer mehr deutsche Auswanderer davon Gebrauch. Spitzenreiter ist, wie auch bei der Auswanderung selbst, die Schweiz mit 6900 Erwerbsfällen. Danach folgten in 2021 Schweden (1419), Dänemark (375), die Niederlande (368), Frankreich (334), Österreich (227), Luxemburg (225) und Belgien (204). In den übrigen Ländern der EU haben im gesamten Jahr 2020 weniger als 100 Menschen die Staatsangehörigkeit erworben. Vor allem in den baltischen Staaten ist der Wunsch nach einer Staatsangehörigkeit des Landes sehr gering (Estland (0), Slowenien (2), Rumänien (7), Bulgarien (4)). Eine Übersicht über sämtliche Zahlen seit 2009 finden Sie auf den Seiten von Eurostat.

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