Im Fokus: Österreich

Wo Piefkes beim Heurigen Schmäh führen

Ein Umzug ins deutsche Nachbarland klingt nach der einfachsten Variante, Deutschland den Rücken zu kehren. Die sprachliche Barriere ist niedrig, der Lebensstandard sehr ähnlich und auch klimatisch ist Österreich vor allem dem süddeutschen Raum nah.

Wer die landschaftlichen Vorzüge Österreichs noch nicht kennt: Hier kann er sie sehen. Kein Wunder, dass so viele Menschen als Auswanderer oder Grenzgänger in Österreich leben möchten.

Doch ist es so einfach? Die Piefkes, wie Deutsche in Österreich manchmal abwertend genannt werden, haben nicht immer einen leichten Stand. Die Sprache zu verstehen, heißt nicht, Land und Leute zu verstehen. Dennoch leben mehr als 180.000 Deutsche in Österreich. Damit sind sie die größte ausländische Bevölkerungsgruppe.

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RA Dr. Georg Ganner
Rechtsanwalt

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Problemlos nach Österreich?

Sicher geht niemand blauäugig in ein neues Land, aber so mancher denkt sich vielleicht, dass Österreich ja „fast Deutschland ist“ und man nicht auf so vieles achten muss, als wenn man bspw. nach Brasilien auswandert. Wer so vorgeht, kann schnell rechtliche Probleme bekommen. Unser Kooperationspartner RA Dr. Ganner hat daher einige wichtige Themen für Deutsche im Ausland (Österreich) zusammengestellt:

Liebe DIA Mitglieder!
Der Verein Deutsche im Ausland e.V. hat mit Rechtsanwalt Dr. Ganner & RAE in Regiegemeinschaft einen Partner für die Vertretung Ihrer rechtlichen Interessen in Österreich sowie für Rechtsberatungen aller Arte gefunden. Dr. Ganner hat relevante Fragen in nachfolgendem Beitrag zusammengefasst:

A) Verkehrsrecht
NOVA (Normalverbrauchsabgabe):
Deutsche in Österreich haben in besonderem Maße auf die Ummeldung Ihres ursprünglich in Deutschland erworbenen und angemeldeten Autos zu achten. Nach der aktuellen Rechtslage in Österreich knüpft die Pflicht zur Bezahlung der NOVA am Wohnsitz an.

Aus diesem Grund ist es wichtig, das Fahrzeug bei Übersiedlung nach Österreich umzumelden und die Nova abzuführen, da sonst enorme Säumniszuschläge seitens der Finanz gefordert werden können.

Anmerkung der DIA-Redaktion: Die Nova kann vor allem bei großen oder stark motorisierten Autos eine recht hohe Summe sein (http://www.nova-rechner.at/). So sollte man es sich zweimal überlegen, ob man sein Auto behalten möchte oder lieber in Deutschland verkauft und sich in Österreich ein gleichwertiges Auto zulegt. Bei Anmeldung eines Hauptwohnsitzes in Österreich darf das Auto einen Monat lang mit deutschem Kennzeichen gefahren werden.

B) Immobilienrecht
Das österreichische Immobilienrecht zeichnet sich durch ein äußerst modernes elektronisch abrufbares öffentliches Register, das Grundbuch aus. Bei dem Erwerb einer Immobilie sind jedoch einige Besonderheiten zu beachten. So wird in allen Bundesländern der "Grundverkehr" eigenständig und damit unterschiedlich geregelt. Auch weichen die regionalen Bauordnungen stark voneinander ab. Zu beachten sind daher die Widmung eines Grundstückes, die Widmung von Wohnungseigentumsobjekten (Wohnungen zur ausschließlichen Nutzung der jeweiligen Wohnungseigentümer) nach dem WEG sowie die Zulässigkeit der Bebaubarkeit nach den regionalen Bauordnungen bei unbebauten Grundstücken.

Ratsam ist jedenfalls vor Kauf einer Immobilie einen Experten aufzusuchen. Die Abwicklung von Kaufverträgen erfolgt in Österreich durch Rechtsanwälte oder Notare. Jedenfalls sollte die treuhändige Kaufpreisabwicklung durch einen Rechtsanwalt oder Notar gewählt werden.

C) Sport/Schiunfall
Unfälle im Alpenraum sind leider keine Seltenheit. Zunächst ist wichtig, dass die sog. FIS Schiregeln bei der Ausübung des Schisportes Anwendung finden. Die Verhaltensregeln sollten eingehalten werden. Kann ein Unfall dennoch nicht vermieden werden, so sollten die Namen der Unfallgegner und Zeugen sowie Fotos von der Unfallstelle gemacht werden, um in der Folge langwierige Verfahren zu vermeiden.

Auch abseits dieser Themen steht RA Dr. Ganner gerne beratend und als Vertreter Ihrer Interessen zur Seite. Über den Verein sind fallspezifisch auch Rabatte beim Beratungshonorar möglich.

Anmeldung

Der Umzug nach Österreich ist recht einfach. Mit einem gültigen Reisepass, der Geburtsurkunde und dem Meldezettel vom neuen Vermieter, ist die Anmeldung beim Bezirk (innerhalb von drei Tagen Pflicht) schnell erledigt. Wer länger als drei Monate in Österreich bleiben möchte, muss entweder einer beruflichen Tätigkeit im Land nachgehen oder nachweisen, dass er die finanziellen Mittel sowie eine Krankenversicherung hat und somit keine Mittel aus dem Sozialsystem Österreichs benötigt.

Arbeit

Der Arbeitsmarkt ist ähnlich dem in Deutschland. Gut ausgebildete Fachkräfte werden immer gesucht. Einen Vorteil bietet das Land für die Tourismusbranche: Nicht nur im Sommer, sondern aufgrund der Bergwelt ist der Tourismus ein gut laufendes Geschäft, für das immer wieder neue Arbeitskräfte gesucht werden.

Wer im Angestelltenverhältnis tätig ist, wird von seinem Arbeitgeber direkt bei der Sozialversicherung angemeldet und ist somit krankenversichert. Wer zunächst ohne Job auswandert und die deutsche Versicherung nutzt, hat in Österreich nur eine Notfallabdeckung und sollte eine private Zusatzversicherung in Betracht ziehen.

Kindergeld

Österreich zahlt ein ähnliches Kindergeld wie in Deutschland, das jedoch je nach Alter des Kindes gestaffelt gezahlt wird. Im Schnitt sind es 130 Euro pro Monat. Gezahlt wird das Kindergeld für alle Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern den Lebensmittelpunkt in Österreich haben. Mehr Informationen auf den offiziellen Seiten der österreichischen Familienbeihilfe.

Kindergarten und Schule

Apropos Kinder: In Österreich ist der Besuch des Kindergartens im letzten Jahr vor der Einschulung Pflicht. In den Jahren davor (3-5 Jahre) können die Eltern frei wählen. Generell besteht in Österreich für keine Altersgruppe ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Auch gibt es nur wenige Krippenplätze, welche die U3-Kinder betreuen.

Das Schulsystem ist dem deutschen ähnlich – und doch ganz anders. Verständlich erklärt wird es im Wikipedia-Artikel zum Bildungssystem in Österreich

Leben und Einkommen

Das Leben in Österreich ist dem zu Deutschland ähnlich. Man trifft sich gern in Gaststätten oder je nach Jahreszeit in den landestypischen Heurigen. Ansonsten gelten die Österreicher zwar nicht als unbedingt deutschfreundlich, aber hier gilt ganz klar das Prinzip: Wie man in den Wald (oder hier eher die Berge) hinein ruft, so schallt es heraus. Wer also sehr auf seine Herkunft setzt und diese gern betont, wird es schwerer haben, als Menschen, die sich auf ihre neue Heimat einlassen und keine Vergleiche anstellen. Die Lebenshaltungskosten selbst sind etwas teurer als in Deutschland. Aber beim Einkaufen gilt: Ist das eine Produkt etwas teurer, ist dafür ein anderes oftmals etwas günstiger. Das Schöne ist: Man bekommt in Österreich fast alles, was man bisher auch kannte – ergänzt durch viele neue Spezialitäten, die man so (oder in solcher Qualität) in Deutschland nicht finden konnte.

Kulinarisch hat Österreich sowieso einige Schmankerl zu bieten. Vor allem denen, die deftige und süße Speisen mögen.

Die Durchschnittsgehälter sind eher etwas unter dem Lohn der BRD. Einen gesetzlichen Mindestlohn gibt es nicht. Dafür ist das 13. Und 14. Monatsgehalt eher die Regel als die Ausnahme. Weiterhin ist für die Nutzung der Autobahn eine Maut zu entrichten. Die Benzinpreise sind deutlich niedriger als in Deutschland, Dieselfahrer zahlen ähnliche Summen