Auswanderung nach Paraguay

Yannick lebt als digitaler Nomade in Asunción

Wer – Yannick Schroth (28)

Ausgewandert nach – Asunción, Paraguay

Zeitpunkt der Auswanderung – Nach Paraguay im Alter von 27 Jahren; davor aber schon mehrere Jahre (seit 2023) als Digitaler Nomade unterwegs

Heutiger Beruf – SEO-Experte und Webdesigner; Gründer der Relocation-Agentur Paraguay steuerfrei

Über Umwege von Deutschland nach Paraguay

Yannick hatte schon immer großes Interesse an anderen Sprachen, Kulturen und Traditionen. So absolvierte er ein international ausgerichtetes Studium, währenddessen er bereits sehr viel Zeit im Ausland verbrachte. Um sich in dieser Zeit etwas Geld dazu zu verdienen, eignete er sich nach und nach Kenntnisse in SEO und Webdesign an und war dadurch in der Lage, remote für verschiedene Kunden zu arbeiten.

Nach mehreren Jahren Leben als Digitaler Nomade ohne festen Wohnsitz beschloss Yannick schließlich, sich eine „Homebase“ zu suchen. Diese fand er aus zunächst eher praktischen Gründen in Paraguay.

„Ich habe von Paraguay vor meinem ersten Besuch nicht viel erwartet und wollte dort eigentlich nur wegen des Ausblicks auf eine einfach zu erlangende zweite Staatsbürgerschaft hin. Eine Woche rein und schnell wieder raus, dachte ich. Dem war schlussendlich nicht so.“

Zwar habe Paraguay von einem rein touristischen Standpunkt nicht so viel zu bieten wie umliegende Länder, allerdings sei es der ideale Ort, um ein ruhiges und (mit Auslandseinkommen) günstiges Leben zu führen, meint Yannick. Die Lebenshaltungskosten seien im Vergleich zu Deutschland niedrig, Eigentum sei nicht unerreichbar und die Menschen unheimlich gastfreundlich. Hinzu komme gutes und frisches Essen sowie unzählige schöne und ruhige Flecken.

Hilfreich bei der Auswanderung nach Paraguay waren für Yannick seine bereits vorhandenen Spanischkenntnisse: Er hatte schon vorher mehr als 3 Jahre in Lateinamerika verbracht und konnte die Sprache fließend.

Die Organisation ließ er von einer Relocation-Agentur übernehmen, mit der Yannick rückblickend aufgrund schlechter, unpersönlicher und teilweise unehrlicher Kommunikation allerdings nicht ganz zufrieden war. Dies war einer der Gründe, warum er sich dazu entschloss, eine eigene Relocation-Agentur zu starten.

Erste Eindrücke, Wohnungssuche und ein neuer Alltag: Yannick berichtet von seinem neuen Leben in Paraguay

Wie haben Sie die Ankunft im neuen Land erlebt? Wie waren die ersten Eindrücke?

„Der Flughafen in Asunción wirkt für eine Hauptstadt sehr provinziell. Dieser soll in naher Zukunft wohl ausgebaut werden und dann auch mehr Strecken anbieten. Allerdings fällt schon am Flughafen direkt auf, wie freundlich und entspannt die Menschen selbst an der Sicherheits- und Passkontrolle sind. Alles geht ein wenig langsamer und relaxter zu als in Deutschland. Da sich der Personenverkehr in Grenzen hält, ist man im Normalfall aber trotzdem schnell aus dem Flughafen raus.
Dasselbe bestätigt sich bei der Abholung über die Apps Bolt oder Uber. TÜV? Gibt es in der Form nicht. Wer ein halbwegs intaktes Taxi möchte, muss die Premium-Variante buchen. Der Weg vom Flughafen in die Stadt ist nicht weit, in 15 bis 30 Minuten ist man in den angesagten Vierteln wie Ycua Sati oder Villa Morra. Dort ist die Stadt sehr schön begrünt, wenn auch nicht ganz so ordentlich wie in einer deutschen Innenstadt.
Generell ist Asunción sehr entspannt. Wer Action will, muss Richtung Mercado 4, dem großen Markt von Asunción. Die meisten anderen Viertel sind eher ruhig und residenziell angehaucht.“

Wie haben Sie eine Wohnung gefunden?

„Ich habe zunächst über Airbnb und später direkt über einen Vermieter gemietet. Für Mieten kürzer als 3 Monate ist Airbnb empfehlenswert, alles darüber ist direkt über einen Vermieter oder einen Makler günstiger.
Man kann auch direkt bei den Wohngebäuden nachfragen. Wenn man einen Kauf anstrebt, sollte man auch den Weg über renommierte Makler gehen. Scams sind zwar selten, kommen wie in jedem Land aber durchaus vor.“

Welche Herausforderungen sind Ihnen anfangs begegnet?

„Der große Schritt war anfangs natürlich der Residency-Prozess. Mit guten Spanischkenntnissen kann man diesen theoretisch zwar ohne professionelle Hilfe durchlaufen, aber selbst dann würde ich dies nicht empfehlen. Man muss zahlreiche Behörden besuchen, Dokumente übersetzen und beglaubigen lassen, und es gibt so einige Stolpersteine.
Wer schon einmal in Lateinamerika war, wird sich ansonsten schnell zurechtfinden. Paraguayos sind im Durchschnitt enorm freundlich und hilfsbereit.“

Wie erleben Sie Ihre finanzielle Situation im Vergleich zu früher?

„Meine finanzielle Situation ist in Paraguay erheblich komfortabler als in Deutschland. Die Lebenshaltungskosten in den besten Vierteln Asuncións liegen bei etwa einem Drittel derer in Deutschland. Wer bescheiden lebt, kann diese noch weiter reduzieren. Zudem sind die Steuern in Paraguay vergleichsweise sehr niedrig.
Ich habe vor meiner Auswanderung ein stabiles Remote-Einkommen gehabt und dieses durch den Aufbau meiner Relocation-Agentur paraguay-steuerfrei.de weiter ausgebaut.

Wie sieht Ihr Alltag heute aus?

„Ich arbeite weiterhin größtenteils remote und habe ein Team sowie Partnerunternehmen vor Ort in Paraguay. Wenn ich in Paraguay bin, gestalte ich meine Freizeit mit regelmäßigen Asados (paraguayisches Grillen) mit Freunden, spiele Padel (neben Fußball quasi der neue Nationalsport), mache Ausflüge an schöne Flüsse und Wasserfälle oder besuche eines der zahlreichen guten Restaurants und Cafés in Asunción. Auch das Nachtleben ist hier super.
Es ist extrem einfach mit neuen Leuten ins Gespräch zu kommen und Anschluss zu finden. Wer joggen mag, geht in den Parque Ñu Guasu, das beliebteste Fitnessstudio ist Smart Fit, eine lateinamerikanische Kette. Daneben hat Asunción viele Malls zu bieten, genauso wie interessante Museen und historische Orte.“

Wie würden Sie Ihre Integration beschreiben?

„Ich habe in Asunción sowohl einheimische als auch ausländische Freunde. Es gibt zahlreiche Expat-Gruppen und -Events, die auch von vielen Paraguayos besucht werden.
Generell integriert sich die Expat-Community in Paraguay deutlich besser in die Gesellschaft als in anderen Ländern. Wenn Sie eine Einladung zu einem Asado bekommen (was früher oder später sicher passieren wird), sagen Sie einfach zu. Dann klappt das Ganze von allein.
Generell dreht sich das Leben in Paraguay viel stärker um soziale Interaktionen als in Deutschland. Familie und Freunde sind enorm wichtig. Freundesgruppen sind nicht verschlossen und häufig offen dafür, neue Personen aufzunehmen.“

Was gefällt Ihnen besonders gut an Ihrem neuen Leben?

„Die Entspanntheit, die niedrigen Lebenshaltungskosten, die lockeren sozialen Interaktionen und die Flexibilität, die mir der Wohnsitz in Paraguay bezüglich meines Lebens als "digitaler Nomade" bietet.“

Haben sich Ihre anfänglichen Erwartungen und Hoffnungen erfüllt?

„Meine Erwartungen und Hoffnungen wurden bei weitem übertroffen. Wie gesagt dachte ich, dass ich nach einer Woche gelangweilt sein und wieder ausreisen würde. Dem war absolut nicht so. Ich würde jedem empfehlen, Paraguay zumindest mal eine Chance zu geben. Erwarten Sie kein Touristenparadies, sondern ein ruhiges, entspanntes Land mit freundlichen Menschen, das seinen ganz eigenen Charme hat, wenn man sich nur darauf einlässt.
Hervorheben würde ich definitiv meine neuen paraguayischen Freunde, mit denen ich schon nach kurzer Zeit sehr eng war. Generell sind die Menschen und ihre Gastfreundlichkeit wohl das, was Paraguay von vielen anderen Ländern abhebt. Wie überall gibt es natürlich auch in Paraguay schlechte Menschen, insgesamt wurde ich aber noch nirgendwo so gut behandelt wie hier.“

Trotz neuer Heimat in Paraguay viel unterwegs

Obwohl sich Yannick in seiner neuen Heimat Paraguay sehr wohl fühlt, hat er doch auch immer mal wieder Sehnsucht nach Deutschland. Er vermisst insbesondere Familie und Freunde, hin und wieder aber auch die deutsche Infrastruktur. Ein bis zwei Monate im Jahr verbringt er daher regelmäßig in Deutschland. Durch seine ortsunabhängige Arbeit und das Leben als digitaler Nomade ist das problemlos möglich.

Und wenn Yannick in Paraguay mal Lust auf ein bestimmtes deutsches Produkt hat, findet er es oft sogar in Asunción: Es gebe eine überraschend vielfältige Auswahl an europäischen Lebensmitteln und auch deutschen Produkten.

Zuletzt hat Yannick noch einige Tipps für Auswanderer nach Paraguay:

  • Seien Sie offen für ein unterschätztes Land.
  • Entspannen Sie sich. In Paraguay dauern manche Dinge länger.
  • Lernen Sie Spanisch und gehen Sie auf die Paraguayos mit offenen Armen zu.
  • Integrieren Sie sich sowohl in Expatkreisen, als auch in Ihrem paraguayischen Umfeld.
  • Sparen Sie nicht an der falschen Stelle. Lassen Sie sich beim Residency-Prozess und bei der Auswanderung von Menschen helfen, die sich in der paraguayischen Bürokratie auskennen.

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