Auswanderung nach China und Taiwan (und viele andere Länder)
Über drei Jahrzehnte auf vier Kontinenten
Wer – Brigitte Courtel-Lüders
Ursprünglich ausgewandert aus – Frankreich
Wohnorte im Laufe der Zeit – England, Deutschland, Kongo, Syrien, Pakistan, Indien, China
Berufliche Tätigkeit im Ausland – Englisch- und Deutschlehrerin an internationalen Schulen oder bei NGOs
Heutiger Wohnort - Norddeutschland
Von Frankreich bis nach China
Brigitte ist Französin und hat ihr Heimatland Frankreich während des Studiums Angewandte Sprachen mit 19 Jahren verlassen. Zu dem Zeitpunkt fand sie eine Aupair Stelle in London und später eine andere Stelle in Deutschland – beide Male wollte Brigitte vor allem ihre Sprachkenntnisse verbessern.
In Deutschland hat sie ihren späteren Ehemann kennengelernt. Als er die Möglichkeit hatte, für drei Jahre als Berater in der Entwicklungshilfe in Afrika zu arbeiten, beschlossen die beiden gemeinsam, diese Chance wahrzunehmen und reisten mit nur zwei Koffern aus.
Nach dem Auslaufen des Arbeitsvertrages wollten weder Brigitte noch ihr Mann zurück nach Deutschland oder Frankreich, sondern lieber noch weitere Länder kennenlernen. Insgesamt hat Brigitte auf vier Kontinenten gelebt - jeweils 3 bis 4 Jahre an vielen schwierigen Posten wie Brazzaville im Kongo, in Damaskus (Syrien) und Karachi (Pakistan), in New Delhi (Indien) und die längste Zeit, rund 10 Jahre, im chinesischen Raum, in Taipei, Peking und Kanton.
Brigitte berichtet von ihrem Leben in China und Taiwan
Was haben Sie beruflich gemacht?
„Ich hatte das Glück, sehr bald eine Tätigkeit für den Sprachunterricht zu finden, teilweise an Internationalen Schule, teilweise privat, teilweise bei NGOs. Gerade in China sind sehr viele Menschen interessiert, Englisch zu lernen, aber auch Deutschunterricht habe ich viel gegeben.“
Was waren die Gründe für die Auswanderung?
„Es war eine gemeinsame Entscheidung – mein Mann war im Diplomatischen Dienst, und so kamen alle drei oder vier Jahre neue Versetzungen in ein neues Land auf uns zu. Und China wurde das Land, in dem wir am längsten waren.“
Wie haben Sie sich auf die Auswanderung vorbereitet?
„Bereits ein halbes Jahr vor der ersten Ausreise habe ich begonnen, privat Chinesisch zu lernen. Das ist sehr wichtig, weil es ohne Chinesisch Kenntnisse oder ohne Dolmetscher kaum möglich ist, den Alltag zu meistern. Und selbst wenn man nur wenige Worte spricht, erleichtert das die ersten Kontakte sehr. Man wird dann trotz vieler Fehler bewundert und respektiert. Eine gute Vorbereitung auch auf das Land ist auf jeden Fall wichtig und hilfreich.“
Mit welchen Erwartungen sind Sie ausgewandert?
„Ich war vor allem neugierig und interessiert auf einen neuen Kulturraum, der in vielem anders ist als in Europa.
Ich habe gerade in China viele Erfahrungen gemacht, aber noch mehr Probleme erlebt und viele davon gemeistert. Es waren nicht nur die Übersee Umzüge, auch Schwierigkeiten mit unseren vier Kindern, die in der Pubertät oft schwierig waren. Etwas später haben wir in Taiwan noch zwei Kinder adoptiert.
Das Eingewöhnen an neue Posten, Verlust von Freundschaften, anderes Essen als in Frankreich oder Deutschland und ungefähr 1000 andere Dinge. Das fing schon beim Einkaufen an, wenn ich im Supermarkt nicht lesen konnte, was in der Dose war, die ich kaufen wollte. Beim Auswandern kommt all das in irgendeiner Form auf jeden und jede zu. Und oft habe ich gemerkt, dass gerade über familiäre Probleme im Ausland nicht gern gesprochen wird. Es ist nicht immer alles Glanz, auch wenn es oft so scheint.“
Wie schnell haben Sie eine Wohnung gefunden?
„Wir waren mit mehreren Maklern unterwegs und haben uns viel Zeit für die Wohnungssuche genommen. Die Preise sind hoch, aber gutes Wohnen war uns wichtig. Wenn man in einer chinesischen Großstadt kein Auto hat, sollte man eine Unterkunft in der Nähe einer U-Bahn Station haben. Der Betrieb ist sehr zuverlässig und schnell, und es ist viel leichter sich zurecht zu finden als bei den Buslinien.“
Was gefiel Ihnen besonders gut?
„Es ist unglaublich faszinierend, im weltweit auf vielen Gebieten führenden Land zu leben, das heute noch hohe Wachstumsraten aufweist und in Wissenschaft und Forschung mehr Geld ausgibt als alle anderen Länder. Immer wieder spektakulär war die Geschwindigkeit, mit der Dinge entschieden werden oder Straßen, Bahnlinien, Häuser oder Fabriken gebaut werden.“
Welche Herausforderungen und Schwierigkeiten sind Ihnen anfangs begegnet?
„Neben der Sprache ist es gewöhnungsbedürftig, dass es überall in China sehr voll ist, in der U-Bahn, an jedem Touristenziel, auf den vielspurigen Straßen. Man ist selten irgendwo ganz allein. Auch beim Einkaufen ist manches anders als in Deutschland. Bezahlt wird mit der App von WeChat, die Bezeichnungen in den Shopping Malls sind oft nur auf Chinesisch, manche typisch deutsch Lebensmittel bekommt man nur sehr schwierig oder zu hohen Preisen. Und nie habe ich mich daran gewöhnt, dass die Luft (fast) immer extrem schlecht war, zumindest in den Großstädten. Oft überstiegen die Werte die kritischen Grenzen, wie sie von der WHO festgelegt sind.“
„Es gibt bei jedem Neuanfang im Ausland so viel Verschiedenes und Unerwartetes, dass ich mich entschlossen habe, einen Roman über meine Erfahrungen zu schreiben. Da geht sehr viel selbst Erlebtes ein. Wer schon einmal eine Idee haben möchte, was da alles auf einen zukommen kann, ist herzlich eingeladen, einen Blick in meinen Roman zu werfen. Er ist in diesen Tagen bei Amazon erschienen.“
Die größte Schwierigkeit am Auswandern: Die Rückkehr nach Deutschland
Die Zeit im Ausland, insbesondere auch in Peking, Kanton und Taipei möchte Brigitte auf keinen Fall missen, denn sie haben ihr Bild von der Welt geändert und erweitert.
Heute lebt Brigitte in Norddeutschland – auch wenn sie immer noch gerne und viel reist. Die Rückkehr nach Deutschland war für sie letztendlich sogar schwieriger war als die vielen Neustarts in fremden Ländern, die sie im Laufe der Zeit gemeistert hat.
„Zurück in einem norddeutschen Dorf nach über drei Jahrzehnten im Ausland gab es einen starken Kontrast. Ich habe mich weiterentwickelt, aber in ganz anderer Richtung als die Bekannten und Freunde, die diese Jahrzehnte im Inland geblieben sind. Die Kommunikation nach Rückkehr ist kompliziert: unsere Erfahrungen im Ausland spielten sich in einer anderen Welt ab als im kleinen Dorf in Deutschland, wo sie wenige Leute wirklich interessieren.“
Internationale Krankenversicherung
Sie möchten Auswandern? Dann sichern Sie sich für den Krankheitsfall ab mit einer
