Arbeitssuche im Ausland / Mitnahme von deutschem Arbeitslosengeld

Allgemeine Regelung

Wenn Stellensuchende in Deutschland arbeitslos werden und in einem anderen Mitgliedstaat der EU Arbeit suchen wollen, können diese den Anspruch auf deutsches Arbeitslosengeld für die Dauer von drei Monaten (Mitnahmezeitraum) mitnehmen (Leistungsmitnahme). Die Dauer der Mitnahme des deutschen Arbeitslosengeldanspruchs kann für eine Arbeitssuche bis zu höchstens sechs Monaten verlängert werden. Eine Leistungsmitnahme in andere Staaten außerhalb der EU nach der VO (EG) Nr. 883/2004 (z. B. USA) ist ausgeschlossen.

Der Anspruch auf eine Leistungsmitnahme besteht, wenn man

  • arbeitslos ist,
  • sich in Deutschland arbeitslos gemeldet hat,
  • Anspruch auf Arbeitslosengeld hat,
  • in einem Mitgliedstaat Arbeit suchen will,
  • die Pflichten nach den ausländischen Rechtsvorschriften erfüllt*,
  • die Wartefrist erfüllt hat und
  • die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates besitzt.

*Stellensuchende müssen den Vermittlungsbemühungen des ausländischen Trägers zur Verfügung stehen. Zu ihren Pflichten gehören in der Regel außerdem die Wahrnehmung von Melde- oder Kontrollterminen beim ausländischen Träger und die Mitwirkung bei Stellenangeboten.

Außerdem haben Drittstaatsangehörige unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf die Leistungsmitnahme in einen Mitgliedstaat nach diesen Vorschriften. Bzgl. der Sonderregelungen wenden sich die Leser bitte an die zuständige Agentur für Arbeit.

Stellensuchende müssen die Leistungsmitnahme vor ihrer Ausreise zur Arbeitssuche beantragen. Ihre zuständige deutsche Agentur für Arbeit stellt ihnen dann (wenn sie die Voraussetzungen erfüllen) ein Dokument PD U2 aus. Dieses Dokument benötigen Stellensuchende, um ihre Berechtigung zur Leistungsmitnahme gegenüber dem ausländischen Träger der Arbeitslosenversicherung nachzuweisen. In dem Dokument PD U2 werden u. a. der Mitnahmezeitraum und der späteste Termin zur Meldung beim ausländischen Arbeitsamt für eine nahtlose Zahlung bescheinigt.

Kann das Dokument PD U2 nicht vor der Ausreise ausgehändigt werden, wird es an die ausländische Anschrift gesandt, ggf. an das ausländische Arbeitsamt. Die Bearbeitung eines Antrages auf Erstellung eines Dokuments PD U2 nimmt einige Zeit in Anspruch. Deshalb empfiehlt es sich, die Agentur für Arbeit möglichst früh über die Absicht zur Arbeitssuche im Ausland zu unterrichten, damit das Dokument PD U2 noch vor der Abreise ausgehändigt werden kann.

Während der Arbeitssuche im Ausland wird das Arbeitslosengeld von der deutschen Agentur für Arbeit auf das Konto in Deutschland oder im Ausland (weiter­-)gezahlt. Die Leistungshöhe verändert sich nicht.

Stellensuchende müssen der deutschen Agentur für Arbeit während ihrer Arbeitslosigkeit vor der Ausreise mindestens vier Wochen zur Verfügung stehen, damit die Agentur für Arbeit ihre Vermittlungsbemühungen einleiten kann (Vorrang des nationalen Arbeitsmarktes). Die Agentur für Arbeit kann auf Antrag eine frühere Ausreise gestatten, wenn eine Vermittlung in Arbeit in absehbarer Zeit nicht möglich ist. Die Vier-Wochen-Frist kann ferner verkürzt werden, wenn zwingende Gründe vorliegen, die eine Beschäftigung im Inland unzumutbar machen, aber einer Beschäftigung im vorgesehenen Land der Arbeitssuche nicht entgegenstehen. Dies kann z. B. ein gemeinsamer Umzug der Ehegatten sein, wenn der Ehegatte im Ausland eine Beschäftigung aufnimmt oder fortsetzt.

Leistungen im Ausland können Stellensuchende grundsätzlich erst ab dem Tag der Meldung bei der zuständigen Stelle im Land der Arbeitssuche erhalten. Damit die Leistung ab Beginn des Mitnahmezeitraumes gezahlt werden kann, müssen Stellensuchende sich bis spätestens sechs Tage nach ihrer Abreise melden. Ist der sechste Tag nach der Abreise ein Samstag oder Sonntag, ist der darauffolgende Montag maßgebend.

Die Frist zur Meldung bei der ausländischen Stelle gilt auch, wenn das Dokument PD U2 vor der Ausreise noch nicht ausgehändigt werden konnte.

Die Leistungsmitnahme zur Arbeitssuche in anderen Mitgliedstaaten ist grundsätzlich für die Dauer von drei Monaten ab der Ausreise (Mitnahmezeitraum) möglich. Fallen in diesen Zeitraum inländische Leistungsbeschränkungen (z. B. Sperrzeiten, Ruhenszeiträume wegen der Berücksichtigung einer Entlassungsentschädigung), wirken sich diese auch auf den Leistungsbezug während der Arbeitssuche im Ausland aus. Ein Anspruch auf Leistungen für diese Zeiträume besteht auch im Ausland nicht. In diesen Fällen verkürzt sich also der Zahlungszeitraum.

Auf Antrag kann die Agentur für Arbeit den Mitnahmezeitraum auf insgesamt höchstens sechs Monate verlängern, wenn der Antrag auf Verlängerung spätestens am letzten Tag des ursprünglichen Mitnahmezeitraumes bei der Agentur für Arbeit eingegangen ist und die Stellensuchenden sich noch im Ausland befinden. Die Antragstellung ist formlos möglich. Falls der Antrag abgelehnt wird, können Leistungen nur bis zum Ende des genehmigten Zeitraums gezahlt werden. In diesem Fall könnten bei nicht rechtzeitiger Rückkehr Lücken im Leistungsbezug und im Versicherungsschutz entstehen.

Haben Stellensuchende die Höchstdauer des Anspruchs auf Mitnahme des Leistungsanspruches nicht verbraucht und sind sie nach Deutschland zurückgekehrt, kann die Agentur für Arbeit auf Antrag erneut die Mitnahme des Leistungsanspruchs in denselben Mitgliedsstaat bis zur gesamten Höchstdauer von sechs Monaten gestatten. Der Antrag muss vor der erneuten Ausreise gestellt werden.

Während der Arbeitssuche im Ausland ist das Fortbestehen des Leistungsanspruchs grundsätzlich nach deutschen Rechtsvorschriften zu beurteilen. Stellensuchende unterliegen im Land der Arbeitsuche den dortigen Kontrollvorschriften (z. B. regelmäßige Meldung) und Pflichten. Diesen müssen sie nachkommen.

Eine Einstellung oder Unterbrechung der Zahlung erfolgt z. B., wenn Stellensuchende im Ausland eine versicherungspflichtige Beschäftigung oder selbständige Tätigkeit aufnehmen.

Üben Stellensuchende im Ausland eine Gelegenheitsarbeit (Nebentätigkeit) aus, richtet sich die Anrechnung des Nebeneinkommens nach deutschem Recht (bitte an die zuständige Agentur für Arbeit wenden oder die Ausführungen im "Merkblatt 1" zur Anrechnung von Nebeneinkommen beachten).

Stellensuchende müssen Änderungen, die für ihren Anspruch auf Leistungen bedeutsam sind, außer bei ihrer deutschen Agentur für Arbeit auch dort anzeigen, wo sie ihr Dokument PD U2 abgegeben haben; dies gilt auch bei einer Arbeitsunfähigkeit.

Die erneute Leistungsmitnahme zur Arbeitssuche in einem anderen Mitgliedstaat der EU ist erst möglich, wenn nach der letzten Inanspruchnahme der Leistungsmitnahme eine unselbstständige Beschäftigung, die zur Beendigung der Arbeitslosigkeit führte, gleich in welchem EU-­Staat, ausgeübt wurde. Die Erfüllung einer neuen Anwartschaftszeit nach deutschen Rechtsvorschriften ist nicht erforderlich.

Wenn während des Mitnahmezeitraumes der Anspruch auf Arbeitslosengeld wegen Erschöpfung des Anspruchs endet, kommt für den restlichen Mitnahmezeitraum die Zahlung von Arbeitslosengeld II nicht in Betracht.

Arbeitslosengeld II kann während der Arbeitssuche im Ausland nicht gewährt werden.

Sind Stellensuchende bei Rückkehr nach Deutschland weiterhin arbeitslos, kann Arbeitslosengeld in der Regel frühestens ab dem Tag der persönlichen Arbeitslosmeldung bei der Agentur für Arbeit gezahlt werden. Sind Stellensuchende wegen des Ablaufs des bescheinigten Mitnahmezeitraumes oder früher nach Deutschland zurückgekehrt und haben sie im Land der Arbeitssuche keine Beschäftigung ausgeübt, kann eine telefonische Meldung ausreichend sein.

Während des Bezugs von Arbeitslosengeld sind Stellensuchende grundsätzlich in der gesetzlichen Kranken-­, Pflege-­ und Rentenversicherung in Deutschland pflichtversichert. Während der Arbeitssuche in einem anderen Mitgliedstaat haben Stellensuchende als Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung auch Anspruch auf Leistungen der Krankenversicherung.

Um Sachleistungen (z. B. ärztliche Behandlung, Medikamente, Krankenhausbehandlung) erhalten zu können, benötigen Stellensuchende und ihre Familienangehörigen eine Europäische Krankenversicherungskarte. Wenn man diese noch nicht erhalten hat, wendet man sich bitte noch vor der Ausreise an seine Krankenkasse.

Wenn die Agentur für Arbeit die Mitnahme des Leistungsanspruches zur Arbeitssuche in einem anderen Mitgliedstaat genehmigt hat und Stellensuchende zur Arbeitssuche ausreisen, werden diese zunächst aus dem Arbeitslosengeldbezug und bei ihrer Krankenkasse abgemeldet. Sie erhalten wieder (ggf. im nahtlosen Anschluss) Arbeitslosengeld, wenn sie sich beim ausländischen Träger der Arbeitslosenversicherung als Arbeitssuchender angemeldet haben und der ausländische Träger die zuständige deutsche Agentur für Arbeit entsprechend informiert hat. Außerdem werden Stellensuchende dann von ihrer Agentur für Arbeit wieder umgehend (ggf. im nahtlosen Anschluss) bei ihrer Krankenkasse angemeldet.

Falls Stellensuchende in der Zwischenzeit (d. h. nach der Abmeldung und vor der erneuten Anmeldung bei ihrer Krankenkasse) ein Schreiben ihrer Krankenkasse erhalten, in dem sie darüber informiert werden, dass ihre Pflichtversicherung beendet ist und sie nun anderweitigen Versicherungsschutz nachweisen müssen, setzen sich diese Personen bitte unverzüglich mit ihrer Krankenkasse in Verbindung. Die Krankenkasse muss über die Arbeitssuche im Ausland informiert werden. Die betroffenen Personen lassen bitte prüfen, in welcher Form sie weiter krankenversichert sind bzw. wie sie eine mögliche Lücke im Krankenversicherungsschutz schließen können. Eine solche Weiterversicherungsmöglichkeit ist ggf. abhängig von kassenindividuellen Satzungsregelungen.

Bitte beachten: Wer sich nicht beim ausländischen Träger als Arbeitssuchender anmeldet, erhält kein Arbeitslosengeld und auch der Anspruch aus der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung ist gefährdet.


Diese Kategorie wird betreut von Ulrich Männig, Experte Sozialversicherung. Alle Angaben dienen der Information und stellen keine Rechtsberatung dar. Diese Seiten werden regelmäßig aktualisiert. Trotzdem kann es vorkommen, dass eine Angabe oder ein Vordruck nicht auf dem aktuellsten Stand ist.

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