Itaipu-Damm in Paraguay

Immer mehr Deutsche zieht es nach Paraguay

30.10.2026

Was hinter dem Auswanderungstrend steckt

Paraguay entwickelt sich zunehmend zu einem der gefragtesten Auswanderungsziele für Deutsche außerhalb Europas. Nach Angaben der paraguayischen Migrationsbehörde erhielten allein im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.132 deutsche Staatsangehörige eine Aufenthaltsgenehmigung in Paraguay. Im gesamten Jahr 2025 waren es 1.652 Deutsche. Damit zeichnet sich bereits Mitte 2026 ab, dass der Vorjahreswert deutlich übertroffen werden könnte.

Zwischen Januar und Juni 2026 wurden insgesamt 29.765 Aufenthaltsgenehmigungen für Ausländer erteilt, 81 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (16.456) und ein historischer Höchstwert. Paraguay hat insgesamt nur rund 7,1 Millionen Einwohner.

Deutschland liegt auf Platz drei der häufigsten Herkunftsländer, allerdings mit großem Abstand. Auf Brasilien entfielen 22.628 Genehmigungen, auf Argentinien 2.210 und auf Deutschland 1.132.

Wichtig: Die Zahlen beziehen sich auf erteilte Aufenthaltstitel. Sie sagen nichts darüber, wie viele Menschen tatsächlich dauerhaft nach Paraguay ziehen.

Warum wird Paraguay für Deutsche immer attraktiver?

Die Gründe sind vielfältig. Zu den neuen Einwanderern zählen ebenso Unternehmer, Selbstständige, Investoren und digitale Nomaden wie auch Familien und Rentner.

Niedrige Lebenshaltungskosten

Ein wichtiger Faktor sind die vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten. Wohnen, Dienstleistungen und alltägliche Ausgaben liegen deutlich unter deutschem Niveau. Gerade Menschen mit Einkommen aus Deutschland oder anderen Industrieländern haben in Paraguay eine hohe Kaufkraft, während in vielen europäischen Ländern steigende Wohn- und Energiekosten das monatliche Budget immer stärker belasten.

Attraktives Steuersystem

Paraguay wendet das Territorialitätsprinzip an: Besteuert werden grundsätzlich nur Einkünfte, die im Land erzielt werden. Im Ausland erzielte Einkünfte sind dort im Allgemeinen nicht steuerpflichtig. Der Körperschaftsteuersatz beträgt 10 Prozent. Das ist vor allem für Selbstständige, Unternehmer, Investoren und Rentner interessant.

Das bedeutet aber nicht, dass Auswanderer automatisch keine (deutschen) Steuern mehr zahlen:

  • Zwischen Deutschland und Paraguay besteht kein umfassendes Doppelbesteuerungsabkommen.
  • Beim Wegzug in ein Land außerhalb von EU und EWR kann die deutsche Wegzugsbesteuerung greifen.
  • Deutsche Renten bleiben in der Regel weiterhin in Deutschland steuerpflichtig.

Die steuerliche Situation sollte immer individuell mit einem Berater geprüft werden.

Wirtschaftliches Wachstum

Paraguays Wirtschaft profitierte zuletzt von einer starken Agrarindustrie, günstiger Energieversorgung und einer investitionsfreundlichen Politik. Für 2026 wird zum wiederholten Mal ein solides Wirtschaftswachstum erwartet.

Die Regierung verfolgt ausdrücklich das Ziel, Investoren und qualifizierte Einwanderer anzuziehen und den Zuzug langfristiger Bewohner zu fördern.

Die deutsche Gemeinschaft als weiterer Standortvorteil

Ein weiterer Grund für die Beliebtheit Paraguays ist die bereits vorhandene deutschsprachige Gemeinschaft. Nach Angaben der Deutschen Botschaft Asunción leben rund 30.000 deutsche Staatsangehörige und etwa 150.000 Menschen deutscher Abstammung im Land.

Die Botschaft verzeichnet seit 2015 wieder eine verstärkte Auswanderung von Deutschen nach Paraguay. Mit der Goethe-Schule in Asunción und mehreren PASCH-Schulen ist Deutsch im Land präsent.

Dennoch sind Spanischkenntnisse für eine erfolgreiche Integration unerlässlich.

Freiheit, Natur und Lebensqualität

Viele Auswanderer nennen zudem persönliche Gründe für ihren Wechsel nach Paraguay: mehr Platz, weniger Bürokratie, ein entspannteres Alltagsleben sowie die Nähe zur Natur.

Das Land bietet weite Landschaften, vergleichsweise günstiges Bauland und eine geringe Bevölkerungsdichte. Gerade Familien und Menschen, die dem hektischen Stadtleben in Europa entkommen möchten, sehen darin einen wichtigen Vorteil.

Neue Hürden: strengere Regeln für die permanente Aufenthaltsgenehmigung

Gleichzeitig hat Paraguay in diesem Jahr mit der Resolution DNM 407/2026 die Anforderungen für den dauerhaften Aufenthalt verschärft.

Wer sich dauerhaft im Land niederlassen möchte, muss seit Juli 2026 seine finanzielle Situation und die Herkunft seines Einkommens genauer nachweisen. Die neuen Vorgaben betreffen unter anderem Selbstständige, Unternehmer, digitale Nomaden und Rentner.

Ziel der Regelung ist es, sicherzustellen, dass Einwanderer ihren Lebensunterhalt langfristig selbst bestreiten können. Für gut vorbereitete Auswanderer bleibt Paraguay jedoch vergleichsweise offen gegenüber Zuwanderern.

Die Herausforderungen werden oft unterschätzt

Trotz der vielen positiven Aspekte ist eine Auswanderung nach Paraguay kein Selbstläufer. Das Auswärtige Amt beschreibt die Kriminalitätsrate und die Gewaltbereitschaft als hoch.

Hinzu kommen sprachliche und kulturelle Anpassungen sowie ein unterschiedlich gut ausgebautes Gesundheitssystem und rechtliche Risiken bei Immobilienkäufen. Wer dauerhaft in Paraguay leben möchte, sollte sich intensiv mit Aufenthaltsrecht, Steuern, Krankenversicherung und den lokalen Gegebenheiten beschäftigen.

Bei Fragen kann unser DIA-Länderexperte für Paraguay kontaktiert werden.