Großbritannien verschärft Einwanderungsregeln
05.11.2026Daueraufenthalt künftig erst nach 10 Jahren
Das Vereinigte Königreich baut sein Einwanderungssystem grundlegend um. Künftig erhalten Zuwanderer die unbefristete Aufenthaltserlaubnis (Indefinite Leave to Remain, ILR) nicht mehr automatisch nach fünf Jahren. Der neue Regelfall wird eine Wartezeit von zehn Jahren sein. Zudem hängt die Wartezeit auch davon ab, wie stark eine Person zur britischen Wirtschaft und Gesellschaft beiträgt. Für besonders gefragte Fachkräfte und Spitzenverdiener sind deutlich kürzere Fristen vorgesehen.
Die ILR gilt als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu dauerhaftem Aufenthalt, uneingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt und später gegebenenfalls zur britischen Staatsbürgerschaft.
Neue Grundvoraussetzungen für alle Antragsteller
Unabhängig von der jeweiligen Wartezeit müssen künftig vier Voraussetzungen erfüllt werden:
- ein einwandfreies Führungszeugnis,
- fortgeschrittene Englischkenntnisse (B2),
- keine offenen Schulden gegenüber dem Staat,
- nachweisbare Beiträge zur National Insurance, dem britischen Sozialversicherungssystem.
Für wen gilt künftig die 10-Jahres-Frist?
Für die meisten Einwanderer wird künftig eine Wartezeit von zehn Jahren gelten. Damit verdoppelt sich die bisher übliche Frist von fünf Jahren. Betroffen sind zahlreiche Arbeitsmigranten, die weder zu den Spitzenverdienern noch zu den ausdrücklich begünstigten Berufsgruppen gehören.
Nach Angaben der britischen Regierung werden dadurch mehr als 500.000 Menschen länger auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung warten müssen. In dieser Zeit können Betroffene zusätzliche Visa erhalten und so nach insgesamt zehn Jahren die Voraussetzungen für die ILR erfüllen.
Welche Ausnahmen gibt es?
Drei-Jahres-Frist: Von den Reformen werden vor allem besonders gut bezahlte Fachkräfte profitieren. Personen mit sehr hohen Einkommen (mind. 125.141 Pfund in drei der vier letzten Jahre) sollen die unbefristete Aufenthaltserlaubnis bereits nach drei Jahren erhalten können. Die britische Regierung begründet dies damit, dass hochqualifizierte Arbeitnehmer und Spitzenverdiener einen besonders hohen wirtschaftlichen Beitrag leisten.
Für deutsche Auswanderer könnte dies insbesondere im Rahmen des Skilled Worker Visa interessant sein. Wer in einer gefragten Position tätig ist und die entsprechenden Einkommensgrenzen erfüllt, kann deutlich schneller eine dauerhafte Aufenthaltsperspektive erhalten als nach der künftig regulären Zehnjahresfrist.
Fünf-Jahres-Frist: Nach fünf Jahren sollen weiterhin Personen mit einem Jahreseinkommen von mindestens 50.271 Pfund sowie bestimmte Beschäftigte des öffentlichen Dienstes die ILR beantragen können. Dazu zählen unter anderem:
- Ärzte,
- Pflegekräfte,
- Lehrer,
- sowie weitere Beschäftigte bestimmter Gesundheits- und Bildungsberufe.
Für Personen mit einer familiären Verbindung nach Großbritannien, also beispielsweise einem britischen Partner, gelten weiterhin dieselben Regelungen wie bisher.
Besonders strenge Regeln gelten für Personen, die gegen Einwanderungsbestimmungen verstoßen haben. In diesen Fällen soll eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis frühestens nach 20 Jahren möglich sein.
Was bedeutet das für deutsche Auswanderer?
Für deutsche Fachkräfte mit gesuchten Qualifikationen bleibt das Vereinigte Königreich weiterhin attraktiv. Wer künftig für einen sehr gut bezahlten Job nach Großbritannien zieht, kann weiterhin schnell eine dauerhafte Aufenthaltsperspektive erhalten. Durchschnittsverdiener müssen jedoch damit rechnen, künftig deutlich länger auf die ILR zu warten als bislang.
Ohnehin nicht betroffen sind Deutsche, die bereits vor Ende 2020 im UK lebten und über das EU Settlement Scheme (EUSS) einen Settled oder Pre-Settled Status erhalten haben, denn dieses Verfahren ist von den Reformen ausdrücklich ausgenommen.
