Eine Million deutsche Erasmus-Studierende: Das sind die beliebtesten Länder für Auslandssemester und Auslandsstudium
17.08.2026Studieren in Europa - Erasmus+ erreicht die Marke von einer Million Studierenden aus Deutschland
Das Austauschprogramm der Europäischen Union erreichte 2026 einen historischen Meilenstein: Eine Million Studierende aus Deutschland haben seit dem Start des Erasmus-Programms 1987 einen Studien- oder Praktikumsaufenthalt im Ausland absolviert. Nach Angaben der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD wurde die Marke im März 2026 überschritten. Europaweit haben seit Beginn des Programms mehr als 17 Millionen Menschen am Erasmus-Programm teilgenommen.
Spanien gehört seit Jahren zu den beliebtesten Erasmus+-Zielländern deutscher Studierender und lag laut den aktuellsten Zahlen auch im Jahr 2023 mit 8.435 Studien- und Praktikumsaufenthalten an der Spitze. Dahinter folgten Frankreich (5.781) und Italien (4.886). Ebenfalls gefragt waren Österreich, Schweden, Norwegen, die Niederlande und Finnland.
Erasmus+ erreicht 2025 Rekordwerte
Der aktuelle Erasmus+-Wirkungsbericht zeigt zudem, dass 2025 das bislang stärkste Förderjahr in der Geschichte des Programms war. Rund 70.000 Angehörige deutscher Hochschulen werden inzwischen pro Jahr durch Erasmus+ gefördert. Für 2025 bewilligte der DAAD Fördermittel für knapp 62.000 Auslandsaufenthalte deutscher Studierender und Hochschulangehöriger. Gleichzeitig kamen mehr als 38.000 Erasmus+-Teilnehmende nach Deutschland. Insgesamt ermöglichte das Programm damit rund 100.000 Auslandsaufenthalte aus oder nach Deutschland.
Auch die Nachfrage steigt weiter. Deutsche Hochschulen beantragten 2025 Fördermittel für knapp 83.000 Auslandsaufenthalte von Studierenden und Hochschulangehörigen. Das waren 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Mehr als ein Auslandsemester: In diesen Ländern absolvieren Deutsche ein Vollstudium
Rund 137.200 Deutsche waren 2023 an ausländischen Hochschulen eingeschrieben. Das waren rund ein Prozent weniger als im Vorjahr.
Die wichtigsten Zielländer für ein Vollstudium waren Österreich mit 40.666 Studierenden, die Niederlande mit 21.133 und die Schweiz mit 12.599. Es folgten das Vereinigte Königreich mit 8.415 und die USA mit 6.850 deutschen Studierenden. Damit unterscheiden sich die Zielmuster deutlich von Erasmus+. Während Spanien die Rangliste bei Auslandssemestern anführt, spielt das Land bei vollständigen Studiengängen deutscher Studierender nur eine vergleichsweise geringe Rolle.
Die jüngsten verfügbaren Daten zu Deutschen, die vollständig im Ausland studieren, beziehen sich auf das Berichtsjahr 2023 und wurden Ende 2025 veröffentlicht.
Österreich bleibt das wichtigste Studienland für Deutsche
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung Österreichs. Bereits 2009 löste das Nachbarland die Niederlande als wichtigstes Studienland deutscher Auslandsstudierender ab. Damals studierten dort rund 20.000 Deutsche, 2023 waren es bereits mehr als 40.000.
Auch im Vorjahresvergleich legte Österreich deutlich zu: Die Zahl deutscher Studierender stieg um 2.900 beziehungsweise 7,7 Prozent. Die Niederlande verloren dagegen 1.504 Studierende (-6,6 Prozent). Im Vereinigten Königreich sank die Zahl um 12,6 Prozent, in den USA sogar um knapp 20 Prozent.
Die Beliebtheit Österreichs unter deutschen Studenten hat vermutlich mehrere Gründe: Für viele Studiengänge gibt es anders als in Deutschland keinen NC (Numerus Clausus) und das Studium ist für EU/EWR-Bürger innerhalb der Regelstudienzeit kostenlos. Außerdem gibt es für Deutsche in Österreich keine Sprachbarriere und eine hohe Lebensqualität.
Medizin bleibt ein wichtiger Grund für ein Auslandsstudium
Der Destatis-Bericht zeigt zudem deutliche Unterschiede bei den Studienfächern. Während in Ländern wie Frankreich Wirtschafts-, Verwaltungs- und Rechtswissenschaften dominieren, spielen in einigen osteuropäischen Staaten medizinische Studiengänge eine zentrale Rolle.
In Bulgarien entfielen zuletzt rund 94 Prozent der deutschen Studierenden auf den Bereich Gesundheit und Sozialwesen. Der größte Teil davon studierte Humanmedizin. Auch Ungarn und Griechenland zählen zu wichtigen Standorten für deutsche Medizinstudierende im Ausland.
Die Gründe dafür dürften vor allem im Zulassungssystem liegen. Die Voraussetzungen für die Aufnahme eines Studiums sind häufig niedriger als in Deutschland. Viele Hochschulen verfügen zudem über englischsprachige Studiengänge, deren Abschlüsse innerhalb der Europäischen Union grundsätzlich anerkannt werden können. Hinzu kommt, dass sich in den vergangenen Jahren spezialisierte Bewerbungs- und Beratungsangebote für Medizinstudiengänge in Osteuropa etabliert haben. Dadurch sind Studienorte wie Sofia, Varna, Pécs, Budapest oder Debrecen bei deutschen Studieninteressierten deutlich bekannter geworden.
Europa bleibt die wichtigste Zielregion deutscher Auslandsstudenten
Trotz der Unterschiede zwischen Erasmus-Aufenthalten und einem vollständigen Studium im Ausland zeigt sich ein gemeinsamer Trend: Europa bleibt die wichtigste Zielregion deutscher Studierender. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2023 rund 70 Prozent aller deutschen Auslandsstudierenden innerhalb der Europäischen Union eingeschrieben.
Quellen: Destatis-Pressemitteilung Nr. 460 vom 18. Dezember 2025; Statistischer Bericht - Deutsche Studierende im Ausland - Ergebnisse des Berichtsjahres 2023; Pressemitteilung: Erasmus erreicht Marke von einer Million geförderten Studierenden aus Deutschland; Erasmus+ Wirkungsbericht 2025
