Als Frau ins Ausland: Sicher?

Besonderheiten für Frauen im Ausland

Dem bisherigen Leben den Rücken zu kehren, ist nicht einfach. Wer diesen Schritt alleine wagt, hat es oft doppelt schwer. Macht es einen Unterschied, ob man als Frau oder als Mann auswandern will? Was Sicherheit und Gesundheitsvorsorge angeht, sicher.

Vorab sei klargestellt, dass es immer Typsache ist, wie man mit Problemen und Gegenwind umgeht. Welche Gefahren lauern, hängt aber leider auch manchmal mit dem Geschlecht zusammen.

Mit Blick auf die Probleme einer "emigrierenden" Frau kommen schnell Themen wie Gleichberechtigung und Frauenbild auf. Leider gibt es immer noch viele Länder, in denen zwar von Gleichberechtigung gesprochen wird, die Umsetzung in der Realität aber oftmals scheitert. Was heißt das nun für die Auswanderin? Vor allem, dass sie bei der Wahl des Ziellands wenn möglich auch diesen Aspekt berücksichtigen soll. In westlichen, europäischen und vor allem skandinavischen Ländern hat Frau es definitiv einfacher als in arabischen oder Ländern auf dem indischen Subkontinent.

Häufige Übergriffe auf Frauen

Frauen selbst haben oft große Sorgen, wenn eine Reise ins Ausland ansteht. Im Vordergrund steht die Angst vor sexuellen Übergriffen oder anderen Belästigungen. Wenn Unternehmen Mitarbeiterinnen ins Ausland senden, kümmern sie sich viel zu selten um die besonderen Bedürfnisse der weiblichen Entsendeten. Die fehlende geschlechtsspezifische Vorbereitung kann bei Risikosituationen im Ausland dann zu langfristigen physischen und psychischen Beeinträchtigungen führen.

Wer sich vor Übergriffen im Ausland schützen will, kann ein paar Tricks anwenden, um das Risiko zu minimieren: Besser ist es, wenn etwa das Reisegepäck nicht gleich verrät, dass es einer Frau gehört. In Ländern mit einer hohen Armutsquote sollte man lieber nicht stark geschminkt oder mit viel Schmuck auf die Straßen gehen. Gerade Frauen, die Wert auf ihr Äußeres legen, sollten sich je nach Land eher etwas zurücknehmen. Der Schutz durch geeignete Kleidung ist recht wirksam und kann Gefahren wie einen Überfall oder eine Entführung reduzieren.

Auch bei alltäglichen Dingen wie einer Taxifahrt können sich Frauen vor Übergriffen schützen. Am besten setzt man sich auf den Rücksitz und nicht nach vorne neben den Fahrer. Teilweise wird davon berichtet, dass die Rücksitze extra mit Taschen blockiert werden. Ist das der Fall, sollte man sich besser nach einer anderen Mitfahrgelegenheit umschauen.

Weitere Möglichkeiten, sich vor unbequemen Situationen zu schützen, sind die Begleitung durch eine männliche Person oder ein selbstbewusstes Auftreten. Gesunder Menschenverstand tut dann sein Übriges. Dazu gehört, keine Einladungen von Unbekannten anzunehmen und sich auch in den Abendstunden nicht in unbekannten Gegenden aufzuhalten.

Für die Gesundheit vorsorgen

Menschen sind Gewohnheitstiere und gerade wenn es um die Gesundheit geht, halten wir gern an Vertrautem fest. Auch bei einem längeren Auslandsaufenthalt möchten Frauen zur Vorsorge lieber zu ihrem gewohnten Gynäkologen in Deutschland. Mit der passenden Krankenversicherung ist das im Rahmen eines Heimaturlaubs kein Problem. Deshalb sollte man bei längeren Auslandsaufenthalten genau prüfen, ob Vorsorgeuntersuchungen, regelmäßige Checks oder Schwangerschaft und Entbindung mitversichert sind.

Nicht nur bei einer bestehenden oder geplanten Schwangerschaft ist eine internationale Krankenversicherung die erste Wahl. Warum? Wer weiterhin im Sozialsystem der BRD verbleibt und sich für seinen Auslandsaufenthalt (außerhalb der EU) für eine Standard-Reiseversicherung entscheidet, erhält bei vielen Tarifen (zumeist mit einer Wartezeit von acht Monaten) die Kosten für die Geburt ersetzt. Aber falls das Kind vor Ort medizinische Hilfe benötigt, müssen die Kosten selbst getragen werden, da der Reiseversicherungsschutz immer den Stand vor Beginn der Reise absichert.

Natürlich kann man sich auch aus Deutschland abmelden und versuchen, sich im Ausland im dortigen System zu versichern. Jedoch ist das zumeist sehr schwierig und mit Auflagen und teils mehrjährigen Wartezeiten verbunden. Die Kassenleistungen sind zudem zumeist deutlich unter denen in Deutschland. Neben der schlechteren Versorgung leisten diese Versicherungen auch bei einem Heimatbesuch in Deutschland oder Reisen in andere Länder zumeist nicht.

Wenn Kultur zur Tortur wird

Neben Problemen im Alltag und bei der medizinischen Versorgung kann der Alltag aufgrund kultureller Hintergründe schwierig werden. Die arabischen Länder kommen einem hier sehr schnell in den Sinn. Das Bild der Frau war und ist in der arabischen Welt ein anderes als in Deutschland. Zwar hat sich diese Situation je nach Land deutlich gebessert - die einheimischen Frauen wehren sich gegen konservative Einstellungen und bauen damit auch den Zuwanderinnen Brücken in der arabischen Welt. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass konservative Einheimische den westlichen Lebensstil und die moderne Rolle der Frau noch nicht immer akzeptieren.

Schwierig wird es in Ländern, in denen Frauen immer noch Männer "um Erlaubnis" fragen müssen: Ohne männliche Begleitung werden Frauen bei Behördengängen oder Bankgeschäften nicht als geschäftsfähig angesehen. Hier helfen Interessengruppen oder Netzwerke zu anderen Deutschen, die man schon aus Deutschland über das Internet aufbauen kann. Manchmal lassen sich Dokumente auch schon vorab organisieren, so lässt sich der Gang zu Behörden vereinfachen oder gar vermeiden.

Wer leicht emotional reagiert, hat es manchmal schwerer, sich in einem ungewohnten Umfeld wohlzufühlen. Wer versucht, neue Blickwinkel einzunehmen und bereit ist, über seinen eigenen Schatten zu springen, dem wird es aber in der Regel mit der Zeit gelingen, auch wenn dafür etwas Flexibilität und Durchhaltevermögen nötig sind.

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