In der Reihe "The Radical Mind" sind vom 6. bis 15. Oktober drei außergewöhnliche Performance-Produktionen zu sehen: "Testament" von SheShepPop und ihre Väter, "Revolution Now!" der Gruppe Gob Squad sowie "Othello, c’est qui" von Gintersdorfer/Klaßen. In zwei Podiumsdiskussionen deutscher und irischer Kulturschaffender sowie einem Konzert musikalischer Erneuerer von Bach bis Weill wird der Gedanke des Radikalen reflektiert.
Bereits 2006 hat das "Dublin Theatre Festival" einen Fokus auf die zeitgenössische deutsche Kulturszene gelegt. Damals mit starken Bezügen auf Klassiker wie in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung "Hedda Gabler" oder Michael Thalheimers "Emilia Galotti"-Bearbeitung. Zum 50-jährigen Jubiläum des Gothe-Instituts in Irland wird jetzt erneut die zeitgenössische deutsche Theaterlandschaft in den Blick genommen, diesmal mit einer Auswahl unabhängiger Produktionen, die weit über die freie Szene hinaus Resonanz gefunden haben.
In der Reihe "The Radical Mind" sind zwischen dem 6. und 15. Oktober drei Arbeiten zu sehen, die auf je eigene Art den Rahmen gängiger theatraler Ästhetiken und Formate sprengen. Das in Hamburg und Berlin beheimatete Performance-Kollektiv SheShePop und ihre Väter zeigen "Testament". Es verhandelt darin den Generationenvertrag auf der Folie von Shakespeares "King Lear" - und bittet die eigenen Väter auf die Bühne. Die Produktion wurde unter anderem zum Berliner Theatertreffen 2011 eingeladen.
Die deutsch-englische Gruppe Gob Squad fragt in "Revolution Now!" nach dem heutigen Gehalt revolutionärer Formeln - eine multimediale Performance, die das gesamte Theaterhaus in Beschlag nimmt.
Das Regieduo Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen schließlich lässt in "Othello c’est qui!" das Verständnis deutscher und ivorischer Performer von Shakespeares Othello-Figur aufeinander prallen. Mit der Arbeit gewannen Gintersdorfer und Klaßen 2009 das renommierte Impulse-Festival.
In begleitenden Diskussionen und Konzerten wird der Leitgedanke der Reihe "The Radical Mind" vertiefend reflektiert. Unter dem Titel "Radical Thoughts" beleuchten deutsche und irische Kunstschaffende, unter anderem Joachim Lux vom Thalia Theater Hamburg, die Rolle des Extremen und Experimentellen in der gegenwärtigen deutschen Kultur und Gesellschaft. Auf dem Panel "More Berlin than Boston?" diskutieren in Berlin lebende irische Künstler mit der freien Publizistin und Kuratorin Adrienne Goehler, ehemalige Berliner Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds, über Berlin als kulturelle Drehscheibe und mögliche Impulse für die Kulturszene Irland. Und der Musikabend "Kaleidoscope" nimmt in intimer Atmosphäre mit Werken musikalischer Erneuerer von Bach bis Weill den Geist der Veranstaltung auf.
Termine
1. Oktober, 13 Uhr
Poject Arts Centre
Podiumsdiskussion: More Berlin than Boston?
Mit Adrienne Goehler, freie Kuratorin, Berlin
6. bis 9.Oktober, 19.30 Uhr
9. Oktober, 15 Uhr
Samuel Beckett Theatre
SheShePop und ihre Väter: Testament
Eine Koproduktion des Hebbel am Ufer (HAU) mit dem Forum Freies Theater Düsseldorf (FFT) und Kampnagel Hamburg
7. bis 9. Oktober, 19.30 Uhr
9. Oktober, 14 Uhr
Smock Alley Theatre
Gintersdorfer/Klaßen: Othello c’est qui
Eine Koproduktion von Gintersdorfer/Klaßen mit Kampnagel Hamburg und FFT
8. Oktober, 13 Uhr
Goethe-Institut Dublin
Podiumsdiskussion: Radical Thoughts
Mit Joachim Lux vom Thalia Theater in Hamburg
12. Oktober, 22.30 Uhr
Odessa Club
Konzert: Kaleidoscope
12. bis 15. Oktober, 19.30 Uhr
Samuel Beckett Theatre
Gob Squad: Revolution now!
Eine Koproduktion des donaufestival Niederösterreich mit dem Schauspiel Köln und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz