Amsterdam bietet Dienstleistern und Beratungsunternehmen gute Bedingungen
Deutsche Unternehmen sind in den Niederlanden deutlich aktiver als bisher angenommen. Insgesamt bestehen fast 3400 deutsche Tochterunternehmen mit Sitz in Holland. Das meldet die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) auf der Grundlage einer neuen Untersuchung. Bei ihrer vorigen Analyse aus dem Jahr 2009 hatte die DNHK nur 2350 Unternehmen identifiziert, also gut tausend weniger als jetzt.
"Erstmals haben wir in unsere Bewertung nicht nur Unternehmen einbezogen, die eine deutsche Konzernmutter haben, sondern auch Betriebe, an denen eine deutsche Person oder Firma einen Mehrheitsanteil hält", sagt Axel Geberding, Geschäftsführer der Handelskammer. Dies gewährleiste ein deutlich präziseres Bild der tatsächlichen Geschäftsrealität. Dank der breiter gefassten Suche vergrößerte sich auch die Zahl der niederländischen Tochterunternehmen in Deutschland. Sie liegt nach Angabe der DNHK bei mehr als 8700.
Deutsche Unternehmen zieht es in den Niederlanden vor allem in die Metropolen Amsterdam (197 Unternehmen) und Rotterdam (156). Dort finden sich bekannte Namen wie Adidas, Allianz und Schenker, aber auch mittelständische Betriebe wie der Strumpf-Produzent Falke und der Besteckhersteller WMF. Auch grenznahe Städte wie Arnheim (65) und Venlo (54) sind bei Deutschen beliebt.
Umgekehrt siedeln sich niederländische Unternehmen vor allem in Düsseldorf (483), Berlin (464) und Frankfurt (459) an. Bei den Bundesländern führt Nordrhein-Westfalen mit 3743 Tochterbetrieben, darunter der internationale Milchproduzent Campina, der niederländische Mobilfunkriese E-Plus und das Modelabel Mexx. Mit weitem Abstand folgen Niedersachsen (946), Hessen (940) und Bayern (686). Schlusslicht ist das Saarland mit nur 33 niederländischen Tochterunternehmen.
"Der Sog in die Metropolen hält an", kommentiert Gerberding. "Unternehmen zieht es dorthin, wo andere bereits aktiv sind und funktionierende Netzwerke bestehen." Dass Düsseldorf mehr Tochterunternehmen aus den Niederlanden beherberge als ganz Baden-Württemberg (417), sei auf eine erfolgreiche Anwerbung niederländischer Investoren und die Nähe zur niederländischen Heimat zurückzuführen. „Für viele niederländische Betriebe ist NRW ein logischer erster Standort, bevor sie ihre Aktivitäten auf den Rest Deutschlands ausbreiten. Die ideale Anbindung über den Rhein und das Drehkreuz des Düsseldorfer Flughafens bieten Investoren ideale Bedingungen.“
Umgekehrt nutzen viele deutsche Unternehmen ihre niederländischen Standorte als Knotenpunkte für das Benelux und den westeuropäischen Markt. "Amsterdam ist nicht nur ein führendes europäisches Finanzzentrum, sondern bietet Dienstleistern, Kreativen und Beratungsunternehmen sehr gute Bedingungen", so Gerberding. Rotterdam spiele dagegen vor allem wegen des größten europäischen Hafens eine wichtige Rolle. Dort haben sich zahlreiche Logistik- und Transportfirmen angesiedelt. "Derzeit wirbt die Stadt um weitere Investoren und verstärkt sich vor allem auf dem Gebiet Energie und Erneuerbare", sagt Gerberding.
Die Tätigkeiten deutscher Unternehmen in den Niederlanden seien vielfältig, so der DNHK-Geschäftsführer. Die meisten Tochterunternehmen sind auf den Feldern Handelsvermittlung und Großhandel (579) sowie Dienstleistungen (447) aktiv. Es folgen das Kreditgewerbe (350), der Maschinenbau (271), Transport (170) und Chemie (161).
Die Handelskammer beobachte, dass die Zahl der Gesellschaftsgründungen nach der vergangenen Krise zunehme. "Ein eigenes Tochterunternehmen in den Niederlanden ist für viele attraktiv, um auf dem Nachbarmarkt sichtbarer zu sein und nach außen stärker auftreten zu können", sagt Gerberding.
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