2010 feiern zahlreiche lateinamerikanische Staaten den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Aber was wird hier eigentlich gefeiert? Mit dem Projekt "Die Kunst der Unabhängigkeit" hat das Goethe-Institut Künstler und Intellektuelle aus Lateinamerika und Deutschland eingeladen, sich mit den historischen Widersprüchen zwischen formaler Autonomie und fortdauernden Abhängigkeiten lateinamerikanischer Gesellschaften auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse sind ab März in der Ausstellung "Menos Tiempo que Lugar" (Weniger Zeit als Raum) in Buenos Aires zu sehen.
Buenos Aires. Ab 25. März 2010
Für das multidisziplinäre Projekt "Die Kunst der Unabhängigkeit" haben 19 Künstler und Schriftsteller aus Europa und Lateinamerika den Kontinent in alle Himmelsrichtungen durchstreift, haben versucht, die Gegenwart zur Vergangenheit in Bezug zu setzen – oder auch sich von ihrem Diktat zu lösen. „Unabhängigkeit“ wurde dabei nicht nur als historisches Datum verstanden, sondern auch als eine immer wieder neu anzustrebende Errungenschaft.
Die künstlerischen Ergebnisse dieser Reisen zeigt die Ausstellung „Menos Tiempo que Lugar“ (Weniger Zeit als Raum), die am 25. März 2010 im Palais de Glace in Buenos Aires eröffnet wird. Im Laufe des Jahres 2010 wird sie, begleitet von Workshops und Kolloquien, in neun Städten Lateinamerikas und in Deutschland zu sehen sein.
Inkapfade, Kleinstädte und Megacities
Der Bandbreite der Erfahrungen und Erkenntnisse, die die Künstler während ihrer Recherchen gewonnen haben, entspricht die Vielfalt der gewählten Formen: "Menos Tiempo que Lugar" zeigt Videokunst, Installation, Fotografie und Malerei.
Während die deutsch-polnische Fotografin Agata Madejska dem legendären Inkapfad in Peru und Ecuador gefolgt ist, baute der Bildhauer Olaf Holzapfel ein temporäres Haus aus "Chaguar", einer Naturfaser, die bis heute von der indigenen Wichi-Ethnie im Gran Chaco Nordargentiniens aus wild wachsenden Pflanzen gewonnen wird. Fernando Gutiérrez aus Peru machte gemeinsam mit einem Nachfahren des legendären Admirals Miguel Grau, der im sogenannten Pazifikkrieg (1879-1884) der chilenischen Flotte unterlag, eine viertausend Kilometer lange Reise im VW-Bus von Lima nach Südchile; Roland Stratmann lud in La Paz und Asunción Schüler aus gutsituierten und armen Stadtteilen zu Workshops ein. Die Zeichnungen und Objekte, die dabei entstanden, geben Aufschluss darüber, wie unser individueller Wunsch nach Freiheit anderen eine Bürde werden kann und wie soziale Unterschiede unsere Wahrnehmung von Unabhängigkeit bestimmen.
Die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung sind: Narda Alvarado (Bolivien), Alexander Apóstol (Venezuela), Claudia Aravena Abughosh (Chile), Pablo Cardoso (Ecuador), Claudia Casarino (Paraguay), Neville D’Almeida (Brasilien), Christine de la Garenne (Deutschland), Leticia El-Halli Obeid (Argentinien), Juan Fernando Herrán (Kolumbien), Olaf Holzapfel (Deutschland), Fernando Gutiérrez (Peru), Agara Madejska (Polen/Deutschland), Bjørn Melhus (Norwegen/Deutschland), Joaquín Sánchez (Bolivien), Martín Sastre (Uruguay), Roland Stratmann (Deutschland), Frank Thiel (Deutschland), Mariana Vassileva (Bulgarien/Deutschland), Miguel Ventura (Mexiko).
Zu dem Projekt erscheint ein 300-seitiger, zweisprachiger Ausstellungskatalog. Neben einem einführenden Text des Kurators Alfons Hug beinhaltet er Abbildungen der ausgestellten Kunstwerke sowie Essays der Autoren Raúl Zibechi, Alonso Cueto, Timo Berger, Frank Semper und Alexander García Düttmann.
Der Neue Film
Neben der Ausstellung "Menos Tiempo que Lugar" zeigen das Goethe-Institut, der World Cinema Fund (WCF) und das Palais de Glace in Buenos Aires in der Filmreihe "Signale aus Lateinamerika" eine aktuelle Auswahl unabhängiger lateinamerikanischer Filmproduktionen, die vom WCF koproduziert wurden. Die Reihe besteht aus acht Filmen, entstanden in sieben Ländern Lateinamerikas. In Diskussionsforen versuchen die eingeladenen Filmemacher, den jungen lateinamerikanischen Film neu zu definieren.
Weitere Ausstellungstermine von "Menos Tiempo que Lugar":
Mai bis Juni 2010
Santiago, Chile
Matucana 100
Av. Matucana nº100
www.m100.cl
Juli bis August 2010
Montevideo, Uruguay
Subte
Centro Municipal de Exposiciones
18 de Julio y Julio Herrera y Obes
subvernvd.blogspot.com
August bis September 2010
Lima, Peru
Centro Cultural Peruano-Norteamericano
ICPNA Lima Centro
Galería Juan Pardo Heeren
Jr. Cusco 446
www6.icpna.edu.pe
Oktober 2010
Medellín. Kolumbien
Museo de Antioquia
carrera 52 52,43
www.museodeantioquia.org